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Händedesinfektion – auch außerhalb des Krankenhauses sinnvoll?

Prof. Dr. Axel Kramer im Interview

Prof. Dr. med. Axel Kramer
Prof. Dr. med. Axel Kramer, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Herr Prof. Kramer – jüngste Berichte aus den Medien stellen die hygienische Händedesinfektion im privaten Umfeld als bedenklich dar. Ist die Verwendung alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel wirklich nur in Gesundheitseinrichtungen sinnvoll?

Diese Beiträge greifen die Bedeutung der Händedesinfektion leider nur unzureichend auf – und stellen sie sogar falsch dar. Experten sind sich weltweit einig, dass die hygienische Händedesinfektion die wirksamste Einzelmaßnahme zur Infektionsprävention in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ist. Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt „AHOI“ bezieht daher ganz gezielt hospitalisierte Patienten und deren Besucher in die Umsetzung der Händedesinfektion mit ein. Diesen Schwerpunkt konnten wir auch in der Universitätsmedizin Greifswald bereits erfolgreich etablieren. Aber auch an anderen Stellen, wie Kindergärten, Schulen und bei Beschäftigten mit fortlaufendem Publikumskontakt wie z. B. in Bibliotheken, Bürgerämtern, ist es sinnvoll, sich die Hände zu desinfizieren. Selbst wenn die Desinfektion ungerichtet durchgeführt wird, kann die Erkrankungsrate durch Infektionen nachweislich herabgesetzt werden – und damit auch die Anzahl krankheitsbedingter Fehltage reduzieren.


Warum ist gerade die Händedesinfektion so effizient, um Infektionsketten zu unterbrechen?

Die Übertragung von Erregern, beispielsweise bei Magen-Darm-Infektionen oder auch multiresistente Bakterien, erfolgt in erster Linie über die Hände. Diese Infektionskette kann in allen Bereichen einschließlich beim Betreten der Wohnung oder auf Reisen nur durch die Händedesinfektion wirksam unterbunden werden.


Oft wird behauptet, das Händewaschen mit Seife sei ausreichend – können Sie das bestätigen?

Nein, denn außer bei Infektionen mit Würmern und der Verhinderung der Weiterverbreitung von Clostridium-Sporen bei Clostridium difficile assoziierter Diarrhoe ist für die Händewaschung mit Seife kein infektionspräventiver Nutzen belegt. In der Tat kann das häufige Waschen der Hände mit Seife die Haut sogar austrocknen und so Hautirritationen hervorrufen.

Auf Alkoholen basierende Händedesinfektionsmittel hingegen sind gut hautverträglich und gesundheitlich völlig unbedenklich.


Herr Professor Kramer, wir danken Ihnen für das Gespräch.