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Händedesinfektion im privaten Umfeld – liegt es auf der Hand?
Warum ist Händedesinfektion wichtig?

Die Händedesinfektion ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten in Gesundheitseinrichtungen und verhindert u. a. auch die Übertragung antibiotikaresistenter Erreger. Die durchschnittliche Händehygiene-Compliance je nach Berufsgruppe und Tätigkeitsbereich in Deutschland liegt zwischen 41 und 55 Prozent mit hoher Variationsbreite [1] und ist damit nicht zufriedenstellend. Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen u. a. an der hohen Arbeitsbelastung und einem mangelnden Bewusstsein für die Bedeutung der Händehygiene. Deshalb unterstützt das BSC die Bemühungen der WHO [2] die Akzeptanz der Händedesinfektion zu erhöhen.

Dies gilt nicht nur für Mitarbeiter im Krankenhausumfeld. Das Robert Koch-Institut plädiert dafür, dass sich auch Patienten und Besucher regelmäßig die Hände desinfizieren. Dies trägt nachweislich ebenfalls dazu bei, Übertragungen von Erregern vorzubeugen [1].


Händedesinfektion im privaten Umfeld

Eine routinemäßige Händedesinfektion in privaten Haushalten ohne entsprechende Indikation ist nicht notwendig. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es aber Situationen, in denen eine Händedesinfektion durchaus für alle Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz leistet:

  • Bei übertragbaren Infektionskrankheiten wie Erkältung, um das Risiko einer Übertragung auf gesunde Mitbewohner zu reduzieren [3], z. B. sollte die erkrankte Person sich die Hände desinfizieren bevor sie Kontakt zu anderen Menschen hat. Das gesunde Umfeld wiederum kann sich schützen, indem nach dem Kontakt mit einer erkrankten Person eine Händedesinfektion durchgeführt wird.
  • In Haushalten, in denen Angehörige gepflegt werden, die abwehrgeschwächt sind oder chronische Wunden haben [3], vor dem Umgang mit dem Angehörigen (vor Kontakt), um diesen zu schützen. Bei Patienten, die früh aus dem Krankenhaus entlassen wurden und häuslich gepflegt werden müssen [3].
  • Im Umgang mit infektionsgefährdeten (z. B. immunsupprimierten) Angehörigen und Freunden [3].
  • Auf Reisen, in Situationen, in denen das Risiko besteht, mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen und kein sauberes Wasser zum Händewaschen zur Verfügung steht.

So empfiehlt auch das Auswärtige Amt auf Reisen eine „Händedesinfektion dort, wo angebracht“ [4] zum Beispiel nach dem Toilettengang und vor dem Essen.


Resistenzbildung:  Kein Problem mit Resistenzbildung bei alkoholischen Händedesinfektionsmitteln

In Deutschland werden in der Regel Händedesinfektionsmittel mit alkoholischen Wirkstoffen verwendet.  Für Alkohole ist aufgrund des unspezifischen Wirkmechanismus dem Robert Koch-Institut zufolge „keine Resistenzentwicklung zu erwarten bzw. bekannt“ [5].


Allergien: Verträglichkeit von Händedesinfektionsmitteln

Hautverträglichkeit gehört neben der geprüften Wirksamkeit zu den wichtigsten Eigenschaften von Händedesinfektionsmitteln. Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis werden sowohl von der WHO als auch vom Robert Koch-Institut (RKI) und medizinischen Fachgesellschaften als „Goldstandard“ der Händedesinfektion angesehen [6]. Das RKI stuft Händedesinfektionsmittel auf Basis von Alkoholen als „deutlich besser hautverträglich als Handwaschpräparate“ ein [5]. Allergien gegen Alkohole sind extrem selten. Nachforschungen an einem 1.000-Betten-Krankenhaus mit Daten zu mehr als 3.500 Mitarbeitern brachten in zehn Jahren keine einzige Allergie gegenüber dem eingesetzten alkoholischen Händedesinfektionsmittel zutage [7].


Quellen:
1. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), Bundesgesundheitsblatt 2016, 59:1189-1220.
2. World Health Organization (2005): Safe lives. Clean your hands. Guide to Implementation. A Guide to the Implementation of the WHO Multimodal Hand Hygiene Improvement Strategy.
3. Kampf G, Dettenkofer M. Desinfektionsmaßnahmen im häuslichen Umfeld – was macht wirklich Sinn? Hygiene & Medizin, 2011; 36 (1): 8-11
4. Gesundheitsdienst 07/16/GB Merkblatt für Beschäftigte und Reisende Krankheitsprävention und Hygiene im Ausland (insb. Tropen)(Kurzfassung für den eiligen Leser). http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/740646/publicationFile/218571/HygieneAusland.pdf. Letzter Zugriff 17.08.2017.
5. Robert Koch-Institut. Die hygienische Händedesinfektion – ein Beitrag zum Internationalen Tag der Händehygiene am 5.5. Epidemiologisches Bulletin Nr. 17, 29. April 2013.
6. World Health Organization (2006): WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. Global Patient Safety Challenge (2005-2006).
7. Widmer AF. Replace Hand Washing with Use of a Waterless Alcohol Hand Rub? Clinical Infectious Diseases 2000; 31:136–43.