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Multimodale Händehygiene-Programme zur Compliance-Förderung

Die mangelnde Compliance in der Händedesinfektion mit Raten von rund 50 % ist eine große Herausforderung, wenn es um die Vermeidung nosokomialer Infektionen geht. Dabei sind die Barrieren, die einem Befolgen der Händehygieneregeln entgegenstehen, sehr vielfältig. Weltweit besteht unter Hygieneexperten Konsens, dass Strategien zur Verbesserung der Händehygiene den unterschiedlichen Compliance-Hürden Rechnung tragen müssen. Aussicht auf Erfolg bieten nach heutigem Kenntnisstand multimodale Händehygiene-Programme, die auf vielen verschiedenen Ebenen Lösungsansätze bieten [1, 2].


Organisatorische und psychologische Compliance-Barrieren

Zu den Faktoren, die eine indikationsgerechte Händedesinfektion negativ beeinflussen, gehören laut RKI [3]:

  • „Eingeschränkte Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmittelspendern
  • Fehlende Vorbildfunktion z. B. des ärztlichen Personals
  • Haut-Irritationen, mangelhafte Hautpflege
  • Häufige Unterbrechungen in den Arbeitsabläufen
  • Hohes Arbeitsaufkommen
  • Subjektive Wahrnehmung von Infektionsrisiken für die Patienten
  • Subjektive Wahrnehmung von Infektionsrisiken für das Personal
  • Unterschiedlicher Wissensstand des Personals mit z. T. mangelndem Bewusstsein für die Bedeutung der Händehygiene“


Instrumente zur Compliance-Steigerung

Eine effiziente Strategie besteht darin, mit gezielten Maßnahmen negative Einflüsse auszuschalten und positive Faktoren zu fördern. Multi-modale Händehygiene-Programme konzentrieren sich dabei auf folgende Schwerpunkte [3]:

  • Implementierung der alkoholischen Händedesinfektion als Goldstandard im Hinblick auf Wirksamkeit und Hautverträglichkeit
  • Sicherung der Verfügbarkeit von Hände-Desinfektionsmitteln am Point of Care bzw. in allen infektionsrelevanten Situationen
  • Klare Handlungsempfehlungen zum Wann (5-Momente-Modell) und Wie (Vermeidung von Benetzungslücken) der Händedesinfektion
  • Vorbildfunktion und Unterstützung der Klinikleitung
  • Schulungen und Trainings
  • Beobachtung und Rückmeldung des Händehygieneverhaltens


Hoher Bedarf an nachhaltigen Konzepten

Dass multi-modale Händehygiene-Programme erfolgreich die Händehygiene-Compliance steigern, zeigen allein 20 Studien, die im Rahmen eines Reviews unter die Lupe genommen wurden [4].
Im Fokus standen dabei u.a. die Verfügbarkeit von Hände-Desinfektionsmitteln, die Förderung von Vorbildern sowie der persönlichen Verantwortung des Personals. Weiter konnte gezeigt werden, dass multi-modale Händehygiene-Programme zur Senkung nosokomialer Infektionen beitragen z. B. von Katheter-assoziierten Blutstrom-Infektionen.

Einschränkend weisen Experten darauf hin, dass die Interventionen erfolgreicher sind, wenn sie mehrfach und regelmäßig durchgeführt werden. Einzelne Programme vermögen es nicht, dauerhaft zu Verhaltensänderungen  zu führen - ein wesentlicher Faktor für eine konstant hohe Compliance-Rate.

Schwadtke et al. beobachteten beispielsweise an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wieder sinkende Compliance-Raten, teilweise sogar noch unter das Ausgangsniveau, nachdem diese zunächst durch Interventionen gesteigert worden waren [5]. In den ersten zwei Jahren stieg die Compliance von 53 % bei den Ärzten und 57 % bei der Pflege auf 64 % (Ärzte) bzw. 71,3 % (Pflege). In den Folgejahren (2011-2013) gingen die Compliance-Raten bis auf und zum Teil sogar unter das Ausgangsniveau zurück (Ärzte: 48,4 %; Pflege: 55,8 %).

Es bedarf daher Interventionen, die zu einer nachhaltigen Steigerung des richtigen oder korrekten Händehygieneverhaltens führen. Ein neuer Ansatz stellt in diesem Zusammenhang das Evolutionskonzept zur Händehygiene von HARTMANN dar [6]. Das Programm kombiniert wissenschaftlich belegte Maßnahmenbündel mit einer kontinuierlichen fachlichen Vor-Ort-Begleitung. Dabei werden die Kliniken und Abteilungen bei ihrem individuellen Händehygiene-Status abgeholt und Schritt für Schritt in der Verbesserung der Händehygiene-Compliance unterstützt. Der individuelle Ansatz, neue Technologien sowie die kontinuierliche Betreuung unterstützen einen nachhaltigen Compliance-Effekt.

Schritt für Schritt zur nachhaltigen Verbesserung der Compliance.

Modul Basis
Schulung: Waschen vs Händedesinfektion

Modul 1
Studiensupplement
Gutachten von Experten

Modul 2
(Animierte) Spender-Checkliste
Beratung zur Spenderplatzierung
Reminder für den Arbeitsplatz

Modul 3
Innovative Trainingsgeräte
Schulung der Mitarbeiter
Reminder für den Arbeitsplatz

Modul 4
5 Momente der Händehygiene:
E-Learning
Schulung der Mitarbeiter
Reminder für den Arbeitsplatz

Modul 5
Tablet-basiertes Monitoring der Händehygiene
Auswertung
Schulung der Mitarbeiter

Modul 6
Hygienisch optimierte Arbeitsabläufe (SOPs)
Tablet-basiertes Monitoring und Feedback
Schulung der Mitarbeiter
E-Learning
Reminder für den Arbeitsplatz

Das Evolutionskonzept zur Händehygiene: Von der Ausstattung mit Hände-Desinfektionsmitteln und Spendern über umfangreiche Schulungen und Trainings bis zur Verbesserung klinischer Arbeitsabläufe.

Mehr zum Evolutionskonzept zur Händehygiene und wie Kliniken daran teilnehmen können lesen Sie hier.

Quellen:
1. World Health Organization (2005): Safe lives. Clean your hands.Guide to Implementation. A Guide to the Implementation of the WHO Multimodal Hand Hygiene Improvement Strategy.
2. Empfehlung des Arbeitskreises Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF. Händedesinfektion und Händehygiene – AWMF-Register Nr. 029/027, S1-Leitlinie. In: HygMed 2015; 40 - 9 Seite 369ff
3. Robert Koch-Institut. Die hygienische Händedesinfektion – ein Beitrag zum Internationalen Tag der Händehygiene am 5.5. Epidemiologisches Bulletin Nr. 17., 29. April 2013.
4. Zingg et al. Hospital organisation, management, and structure for prevention of health-care-associated infection: a systematic review and expert consensus. Lancet Infect Dis. 2015 Feb;15(2):212-224.
5. Schwadtke L. et al. Hygienische Händedesinfektion – Leitlinien-Compliance auf Intensivstationen eines Universitätsklinikums mit chirurgischem Schwerpunkt. Dtsch Med Wochenschr 2014; 1390: 1341–1345.
6. Evolutionskonzept zur Händehygiene: auf www.hartmann.info

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Lesen Sie hier mehr zur erfolgreichen Etablierung von Händehygiene-Programmen in der Praxis.

Studienabstracts zu multimodalen Programmen finden Sie hier.