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Multiresistente Erreger – jährlich mehr als 10 000 Infektionen allein durch Hygiene vermeidbar

„Wir laufen Gefahr, dass unsere Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. Handeln wir jetzt nicht, könnte die Sterblichkeit bei Infektionen bald wieder so hoch sein wie vor Einführung der Antibiotika“, warnt Prof. Dr. Uwe Frank, Leitender Krankenhaushygieniker am Universitätsklinikum Heidelberg und Oberarzt am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg. Vor allem multiresistente Gram-negative Erreger können dazu führen, dass schwerwiegende Infektionen nicht mehr beherrschbar seien, legte der Krankenhaushygieniker dar. Jährlich erkranken in deutschen Kliniken 30 000 bis 35 000 Patienten an einer Infektion mit multiresistenten Erregern.


Mehr als 25 Operationen nach MRSA-Infektion

Betroffen sind dabei keinesfalls nur ältere Menschen oder Patienten mit Grunderkrankungen. Dies zeigt eindrücklich der Fall einer jungen Polizistin, den Dr. Andrej Trampuz, Oberarzt und Sektionsleiter Infektiologie und septische Chirurgie an der Charité Berlin, behandelte. Die Patientin hatte sich infolge einer Kreuzbandplastik mit MRSA infiziert und fast ihr Bein verloren. Mehr als 25 Operationen musste die junge Frau erleiden, ehe ihre Infektion an der Charité durch eine gezielte Diagnostik der beteiligten Keime und eine spezifische Antibiotikatherapie wirksam bekämpft wurde.


Hygienepotenzial zu wenig genutzt

Das größte sofortige Präventionspotenzial zur Vermeidung von MRE-Infektionen liegt gegenwärtig in der konsequenten Umsetzung von Hygienemaßnahmen. „Konservativ geschätzt sind 30 Prozent aller im Krankenhaus erworbenen Infektionen allein durch Hygiene vermeidbar. Neuere Studien lassen sogar vermuten, dass weit mehr Infektionen verhindert werden könnten“, berichtet Dr. Henning Mallwitz, Leiter des BODE SCIENCE CENTER. Im Falle von multiresistenten Erregern wären allein in Deutschland jedes Jahr mindestens 10 000 Infektionen vermeidbar.

Eine Schlüsselfunktion bei der Infektionsprävention spielt die Händehygiene. Ein Potenzial, das immer noch viel zu wenig genutzt wird. Erst im August dieses Jahres veröffentlichte das Robert Koch-Institut in seinen Empfehlungen zur Händehygiene Zahlen zu deren Umsetzung in Krankenhäusern.


Demnach liegt die durchschnittliche Compliance bei der Händehygiene zwischen 41 % und 55 %.

Besonders kritisch wird es für Patienten, wenn die Händehygiene bei aseptischen Tätigkeiten unterlassen wird, z. B. beim Legen von Kathetern oder beim Verbandwechsel. Hierbei besteht die Gefahr, dass Erreger in primär sterile oder nicht mit potentiell pathogenen Erregern besiedelte Bereiche eingetragen werden und von dort aus schwerwiegende Infektionen auslösen.

Ausgehend von diesen Infektionsrisiken, untersuchte das BODE SCIENCE CENTER wichtige aseptische Pflegemaßnahmen entlang der Patient Journey von der Aufnahme des Patienten bis zu seiner Entlassung. Für die häufigsten dieser Pflegemaßnahmen wurden Standardarbeitsprozesse (SOPs) mit besonderem Fokus auf alle infektionsrelevanten Schritte entwickelt. „Wir haben zwar die Hygiene nicht neu erfunden, können aber den Anteil der Hygienefehler deutlich verringern und den Patientenschutz erhöhen“, erklärt Mallwitz.


Optimale Workflows – besserer Patientenschutz

Dass optimierte Workflows die Compliance bei der Hygiene und insbesondere bei der Händehygiene erheblich steigern können, zeigen aktuelle Studien. Bei Blutentnahmen und Verbandwechsel führte die Einführung von SOPs zum Beispiel zu einer Steigerung der Händehygiene von 65 % auf 97 %. Hygieneexperten gehen davon aus, dass es ab einer Compliance-Rate von 80 % zu deutlich sinkenden Infektionsraten kommt. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigte Claudia Becker von der St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH in ihrem Vortrag. Die Hygienefachkraft leitet in ihrer Klinik die Einführung von SOPs. Bereits wenige Monate nach der Etablierung des neuen Prozesses zum aseptischen Verbandwechsel stieg die Compliance-Rate von 75 % auf 88 % bei allen hygienerelevanten Schritten. „Das kam unseren Patienten direkt zugute, denn parallel nahmen auch die Wundinfektionen bei der Indikator-OP Colon ab“.


*ECDC (European Center for Disease Prevention and Control)

Quelle:
Mittags-Symposium „Antibiotikaresistente Erreger: Neue Hygienestrategien entlang der Patient Journey, Berlin, 17. November, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg