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Endoskope sicher vorreinigen ohne Glutaraldyd und Peressigsäure

EXPERTEN-INTERVIEW

Prof. Dr. Heike Martiny, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. Heike Martiny, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Endoskope sicher vorreinigen ohne Glutaraldyd und Peressigsäure

In der aktualisierten KRINKO-Empfehlung zur Aufbereitung von Medizinprodukten (1) wird neben Glutaraldehyd (GDA) auch Peressigsäure (PES) als fixierender Wirkstoff angeführt. Ein Interview mit  Prof. Dr. Heike Martiny, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Technische Hygiene, über Konsequenzen und Alternativen für die Endoskopaufbereitung.

Warum empfiehlt die KRINKO sowohl bei der Vorreinigung als auch bei der Reinigung von Endoskopen auf Produkte mit (Glutar-) Aldehyd und jetzt auch auf Peressigsäure zu verzichten?

Die Reinigung ist der erste wichtige Schritt bei der Endoskopaufbereitung. Wird diese mit einer der beiden genannten Wirkstoffgruppen durchgeführt, besteht die Gefahr, dass auf der Oberfläche  haftende Proteine, wie z. B. Blut und Gewebe, fixiert werden. Infektionserreger können sich dank dieser Verkrustungen einer Inaktivierung durch die nachfolgende Desinfektion entziehen. So können dann trotz Aufbereitung kontaminierte Endoskope in den Einsatz gelangen. Dies konnte sehr schön in einer Studie von Chaufour et .al schon 1999 nachgewiesen werden.

Peressigsäure (PES) wurde ursprünglich wegen der fixierenden Eigenschaften des Glutaraldehyds als Alternative empfohlen. Jetzt gilt PES selbst als fixierend. Sie haben die oberflächenfixierenden Eigenschaften von Wirkstoffen untersucht?

Wir haben in unserer Studie  Handelsprodukte zur reinigenden Desinfektion mit unterschiedlichen Wirkstoffen, wie Glutaraldehyd, Peressigsäure, Phenol, quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) mit und ohne Amin sowie reine Tensidprodukte auf ihre blutfixierenden Eigenschaften hin untersucht. Drei Produkte mit Glutaraldehyd bewirkten eine Blutfixierung zwischen 77 und 100 Prozent, bei den vier Produkten auf der Basis von Peressigsäure lag die Quote zwischen 19 und 78 Prozent. Bei PES kommt es zudem zu einer Entfärbung der Blutreste, so dass die Oberfläche bei bloßem Hinsehen leicht als gereinigt wahrgenommen wird.


Welche Alternativen stehen für eine Vorreinigung bzw. Reinigung der Endoskope zur Verfügung?

Die niedrigsten Blutfixierungsraten fanden sich bei den reinigenden Desinfektionsmitteln auf Basis von QAV mit Amin und bei den Tensidprodukten, also den Reinigern ohne Desinfektionswirkung, mit einer Fixierungsquote unter 1 Prozent.


Muss denn überhaupt desinfizierend vorgereinigt werden?

Die Verwendung desinfizierender Produkte zur Reinigung kann auch dazu führen, dass sich Mitarbeiter in falscher Sicherheit wiegen. Viel wichtiger ist eine gute Personalschutzausrüstung (PSA) mit entsprechender Schulung, also das Tragen von Schutzbrille, stichfesten, chemisch und mikrobiologisch beständigen Handschuhen und flüssigkeitsdichten Schutzkitteln.


Und wenn man weiterhin desinfizierend vorreinigen möchte?

Dann können zum Beispiel QAV-Produkte eingesetzt werden, die über ein begrenzt viruzides Wirkungsspektrum verfügen – dies reicht im ersten Arbeitsschritt aus, um die die Anzahl der vorhandenen Infektionserreger inklusive Hepatitis B- Hepatitis C und HI-Viren zumindest zu reduzieren. Hinsichtlich des PSA dürfen aber auf keinen Fall Abstriche gemacht werden. Bei der Desinfektion müssen immer viruzide Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen.

Frau Prof. Martiny, wir danken für das Gespräch

Fordern Sie kostenlos unsere Sonderdrucke zur Endoskopaufbereitung unter Angabe des jeweiligen Titels beim Contact Center des BODE SCIENCE CENTER an:

1. Sonderdruck: Kampf G, Bloß R, Martiny H: “Surface fixation of  dried blood by glutaraldehyde and peracetic acid”, J Hosp Infect 2004, 57(2):139–143.(als deutsche Übersetzung)

2. Sonderdruck: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten.
Bundesgesundheitsbl 2012 • 55:1244–1310.