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Autor: Voelz A et al. Quelle: Quelle: International Journal of Hygiene and Environmental Health, Volume 213, Issue 2, March 2010, Pages 79-87

STUDIE

Voelz A et al.

Ausbrüche von Serratia marcescens auf neonatalen und pädiatrischen Intensivstationen: Klinische Aspekte, Risikofaktoren und Management

Über die Bedeutung des gramnegativen Bakteriums Serratia marcescens als opportunistischer pathogener Erreger auf neonatologischen und pädiatrischen Intensivstationen wurde mehrfach berichtet. Daten der Europäischen Gemeinschaftsstudie von Raymond und Aujard aus dem Jahr 2000 zufolge, ist S. marcescens für 5 Prozent aller kultur-positiven nosokomialen Infektionen auf pädiatrischen und für 15 Prozent auf neonatologischen Intensivstationen verantwortlich.

Voelz und Kollegen führten eine systematische Analyse von 34 Serratia marcescens-Ausbrüchen durch, die in 27 Veröffentlichungen aus neonatologischen und pädiatrischen Intensivstationen beschrieben wurden und bei denen Genotypisierungen vorgenommen worden waren, um klonale Identitäten zu bestätigen oder auszuschließen.

Klinische Beobachtungen von zwei oder mehreren zeitlich zusammenhängenden nosokomialen Infektionen mit S. marcescens legen den Verdacht eines Ausbruchs nahe, insbesondere auf neonatologischen und pädiatrischen Intensivstationen. Kolonisierte oder infizierte Patienten repräsentierten den Daten zufolge das wichtigste Reservoir für eine Kreuzkontamination des Erregers, gefolgt von den Händen des Personals. Hinweise auf kontaminierte Muttermilch und Milchpumpe als Reservoir enthielten 3 Studien. Weiterhin wurden die äußeren Flächen und Griffe von Inkubatoren, Laryngoskope, Seifen, Baumwollpads zur Behandlung von Konjunktividen, Desinfektionsmittel zur Aufbereitung von Beatmungsgeräten, Händedekontaminationsmittel  und Schläuche von Devices kolonisierter oder infizierter Patienten als Quellen genannt, wobei hier jeweils eine Studie den Nachweis erbrachte.

Vor diesem Hintergrund, in Verbindung mit einer Inzidenzrate bei der rektalen Kolonisation von 95 % auf dem Höhepunkt eines Ausbruchs, empfehlen die Autoren bei Ausbruchsverdacht die schnelle Implementierung verschiedener Hygienemaßnahmen. Dazu gehören eine unverzügliche Etablierung der Barrierepflege, wie Isolation bzw. Kohortenisolation, das Tragen von Kitteln und Einmalhandschuhen. Die Indikationen zur Händedesinfektion sind strikt zu befolgen ebenso wie die gezielte Flächendesinfektion. Zudem weisen die Autoren auf die Notwendigkeit hin, das Personal umgehend zu schulen. 

Erst wenn diese Maßnahmen nicht zu einem Ende des Ausbruchs führen, sollten Voelz et al. zufolge mikrobiologische Umgebungsuntersuchungen vorgenommen werden, um mögliche andere Quellen zu finden. Darüber hinaus empfehlen die Autoren, die praktizierte empirische Antibiotikatherapie von einem medizinischen Mikrobiologen oder Infektiologen evaluieren zu lassen. Eine Antibiotikatherapie sollte auf der Grundlage zusätzlicher In-Vitro-Daten zur Antibiotika-Sensibilität erfolgen. Die Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auf das hohe Risiko einer Meningitis sowie intrazerebraler Abszesse in Zusammenhang mit S. marcescens.

Da die In-Vitro-Sensibilitäts-Muster keine verlässliche Auskunft über klonale Identitäten liefern, ist eine Genotypisierung der Erreger per Pulsfeldgelelektrophorese oder PCR  vorzunehmen. Die genannten Hygienemaßnahmen sollten aber sofort umgesetzt werden, ohne die Ergebnisse der Genotypisierung abzuwarten.

Quelle:
International Journal of Hygiene and Environmental Health
Volume 213, Issue 2, March 2010, Pages 79–-87

Die Originalarbeit in englischer Sprache kann hier kostenpflichtig heruntergeladen werden.