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Autor: Behnke M et al. Quelle: Infect Control Hosp Epidemiol. 2012 Jun;33(6):618-20.

STUDIE

Behnke M et al.

Etablierung eines nationalen Surveillance-Systems für den Verbrauch alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel und die Veränderung des Verbrauchs innerhalb von 4 Jahren

Hintergrund: Die direkte Beobachtung der Compliance zur Händedesinfektion ist aufwendig und mit verschiedenen Fehlerquellen behaftet. Aus diesem Grunde wurde auch in Deutschland die Messung des Verbrauchs von alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln als Surrogatparameter für die Compliance etabliert und im Jahre 2008 ein neues, nationales Surveillance-Modul für den Verbrauch alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel in Krankenhäusern implementiert. Das Modul ist Teil des bestehenden nationalen Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS).

Methoden: Die freiwillig teilnehmenden Krankenhäuser erheben stationsbezogen Verbrauchsdaten und senden diese jährlich ein. Der Verbrauch alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel wird in Milliliter pro Patiententag (ml/PT) berechnet und anschließend nach Art der Station (Intensivstation, keine Intensivstation) und Spezialisierung (Innere Medizin, Chirurgie, interdisziplinär, andere konservative Fächer, andere chirurgische Fachgebiete, Pädiatrie und Neonatologie) stratifiziert. Für diejenigen Krankenhäuser, die für alle vier Jahre (2007-2010) die Verbrauchsdaten geliefert haben, wurde der Verbrauch für das Jahr 2010 mit dem des Ausgangsjahres 2007 verglichen und der Mittelwert der Veränderung des Verbrauchs als Differenz in Milliliter pro Patiententag und Prozent errechnet. Die Signifikanz wurde mittels Wilcoxon-Rangsummen-Test ermittelt.

Ergebnisse: Im Jahre 2010 lag der mittlere Verbrauch alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel aller teilnehmenden Krankenhäuser bei 83 ml/PT (Intensivstationen) und bei 18 ml/PT (periphere Stationen).
Insgesamt haben 152 Krankenhäuser durchgehend Surveillance-Daten über den Verbrauch alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel für die Jahre 2007 bis 2010 erhoben. Der Verbrauch stieg im Mittel um 35,9 % (Interquartilabstand 19,0 % - 61,7 %) über die vier Jahre (P< .01) an.

Schlussfolgerung: Die Messung des Produktverbrauches als Surrogatparameter für Compliance bringt den Autoren zufolge mehrere Vorteile mit sich (z.B. die Beanspruchung weniger Ressourcen und die Umsetzbarkeit in allen Bereichen und Einrichtungen der Patientenpflege), solange fehlerhafte Ergebnisse durch eine umfangreiche Validierung der Daten beseitigt werden. Behnke et al. weisen darüber hinaus darauf hin, dass auch die Verbrauchsmessung alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel gewisse Nachteile hat, z.B. kann das Desinfektionsmittel für andere Zwecke oder zum falschen Zeitpunkt genutzt werden. Deshalb ist es unabdingbar, dass die Verbrauchsdaten vor Ort sorgfältig von Hygieneexperten ausgewertet werden. Trotz dieser Einschränkungen sind die Autoren der Meinung, dass die Messung des Verbrauchs alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel als Surrogatparameter für Händehygiene-Compliance und zum Leistungsvergleich einer großen Anzahl von Einrichtungen über lange Zeitspannen geeignet ist.


Quelle:
Infect Control Hosp Epidemiol. 2012 Jun;33(6):618-20.

Die Originalstudie in englischer Sprache kann hier erworben werden.