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Autor: Overdevest I. et al. Quelle: Emerging Infectious Diseases • www.cdc.gov/eid • Vol. 17, No. 7, July 2011

STUDIE

Overdevest I. et al.

Extended-Spektrum Beta-Laktamase-Gene von Escherichia coli in Hühnerfleisch und in Menschen in den Niederlanden.

Eine niederländische Studie untersuchte Prävalenz und Charakteristika von Extended-Spektrum Beta-Laktamase (ESBL) Genen von Enterobacteriaceae, die in Hühnerfleisch aus dem Handel und in niederländischen Patienten identifiziert wurden. Dazu wurden Proben rohen Hühnerfleisches und Fäkalproben von Patienten aus  4 Krankenhäusern der Region, aus der auch das Fleisch stammte, untersucht. Darüber hinaus wurden ESBL-positive  Blutproben aus den teilnehmenden Krankenhäusern in die Studie einbezogen.

Im Hühnerfleisch fand sich mit 79,8% eine hohe Prävalenz von ESBL-Genen. Die Genanalysen zeigten, dass die vorherrschenden ESBL-Gene im Hühnerfleisch mit denen aus den Rektalproben der Patienten gewonnenen ESBL-Genen übereinstimmten. Diese Gene wurden außerdem häufig in den Isolaten der Blutproben gefunden. Eine Typisierung der Escherichia coli Stämme zeigte einen hohen Grad an Übereinstimmung zwischen den untersuchten Fleischproben und den Proben der Patienten. 

Der Genotyp blactx-M-1 war das am häufigsten im Hühnerfleisch und den Fäkalproben, sowie am zweithäufigsten in den Blutproben gefundene Resistenzgen. Andere Fleischsorten als Geflügel enthielten ähnliche Antibiotika-Resistenz-Gene, wobei die ESBL-Prävalenz hier niedriger als beim Hühnerfleisch war. Es ist unklar, ob die Ursache der ESBL-Gene in anderen Fleischsorten ihren Ursprung in den Zuchtbetrieben oder in den Verarbeitungsprozessen hat. Dass Geflügelfarmen ein extensives ESBL-Gene-Reservoir darstellen, wurde hingegen wiederholt in Studien nachgewiesen. Die Autoren gehen davon aus, dass in den Niederlanden ein Zusammenhang zwischen der Kontamination des Geflügelfleisches mit antibiotika-resistenten Bakterien und dem Auftreten von ESBL-Resistenz-Genen beim Menschen  besteht. 

Eine mögliche Erklärung sehen die Autoren darin, dass die Niederlande, die zwar weniger häufig antibiotika-resistente klinische Isolate und zudem ein niedriges  Übertragungsrisiko dieser Erreger durch ein effektives Infektionskontroll-Programm haben, zu den Ländern mit dem höchsten Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht gehören. Daraus folgt eine sehr hohe Rate an Tieren, deren Standortflora Antibiotika-Resistenzen aufweisen.

Die hohe Prävalenz von ESBL Genen im niederländischen Hühnerfleisch deckt sich mit Ergebnissen von Studien in anderen europäischen Ländern. So berichtet eine Studie aus Sevilla, Spanien, dass 67 % der untersuchten Geflügelfleischproben mit ESBL-Genen kontaminiert waren. In einer Studie aus Großbritannien waren 10 von 27 Geflügelfleischproben mit ESBL-Genen kontaminiert. Dabei handelte es sich ausschließlich um in Großbritannien produziertes Fleisch. 

Die Ergebnisse lassen den Autoren zufolge vermuten, dass die große Präsenz von ESBL-Genen in der Nahrungskette einen tiefgreifenden Einfluss auf die künftigen Therapieoptionen bei einer großen Anzahl von Infektionen haben wird, die durch Gram-negative Bakterien verursacht werden. In einer weiteren Untersuchung der Autoren wurde eine Prävalenzrate von ESBL-Genen in hospitalisierten Patienten in den Niederlanden von 5 % festgestellt.  


Quelle:
Extended-Spectrum Beta-Lactamase Genes of Escherichia coli in Chicken
Meat and Humans, the Netherlands.

Ilse Overdevest, Ina Willemsen, Martine Rijnsburger, Andrew Eustace, Li Xu, Peter Hawkey, Max Heck, Paul Savelkoul, Christina Vandenbroucke-Grauls, Kim van der Zwaluw, Xander Huijsdens, and Jan Kluytmans

Emerging Infectious Diseases • www.cdc.gov/eid • Vol. 17, No. 7, July 2011

Die Studie wurde auf der Website des Centers for Disease Control (CDC) veröffentlicht und steht hier für Sie zum Download bereit.



Mehr zum Thema:

Gleiche ESBL-Gene,- Plasmide und -Stämme bei Hühner- und Putenfleisch aus dem Handel und niederländischen Patienten identifiziert.

Extended Spectrum Beta-Laktamase -produzierende Bakterien (ESBL) im Darm von Nutztieren führt zu einer Kontamination des zum Verzehr in den Handel gelangten Fleisches und trägt offenbar zu einer erhöhten Inzidenz von ESBL-Infektionen beim Menschen bei.  Zu diesem Ergebnis kommt eine weitere niederländische Studie des Fachbereichs für medizinische Mikrobiologie an der Universitätsklinik Utrecht.

Einen  Abstract dieser Studie finden Sie hier. 


Quelle:
Dutch patients, retail chicken meat and poultry share the same ESBL genes, plasmids and strains.

Leverstein-van Hall MA, Dierikx CM, Cohen Stuart J, Voets GM, van den Munckhof MP, van Essen-Zandbergen A, Platteel T, Fluit AC, van de Sande-Bruinsma N, Scharinga J, Bonten MJ, Mevius DJ; National ESBL surveillance group.

ClinMicrobiolInfect. 2011 Jun; 17(6):873-80.