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Autor: Diefenbacher, S. et al. Quelle: HygMed 2012, 37 (11): 448–-455

STUDIE

Diefenbacher, S. et al.

Implizite Einstellung zur Händehygiene als relevanter Prädiktor von Händehygieneverhalten

Hintergrund: Die hohe Bedeutung von Händedesinfektion zur Reduzierung nosokomialer Infektionen ist medizinischem Fachpersonal weitgehend bewusst. Zwischen dieser verbreiteten, bei Befragungen häufig geäußerten „expliziten“ Einstellung und der faktisch niedrigen Händehygiene-Compliance besteht jedoch ein Missverhältnis. Die Studie basiert auf der Annahme, dass persönliche Einstellungen zur Händehygiene maßgeblich die Compliance-Rate bestimmen. Vor dem Hintergrund der komplexen Arbeitsroutine des Gesundheitspersonals (hohe zeitliche, körperliche und kognitive Belastung) wird daher vermutet, dass beim Händehygiene-Verhalten oft „implizite“ (unbewusste, impulsive) Einstellungen handlungsleitend sind. Je positiver die implizite Einstellung zur Händehygiene, desto höher sollte demnach auch die Compliance-Rate sein.   

Methoden: Im Rahmen einer Feldstudie wurde in einem ersten Schritt das Händedesinfektions-Verhalten von medizinischem Personal (drei Ärzte und 64 Pflegekräfte) in einem Klinikum in Süddeutschland erhoben. Anschließend erfolgte die Messung der impliziten Einstellungen durch die Beobachtung der Reaktionen der Probanden auf bildliche Händehygiene-Darstellungen („evaluatives Priming“). Außerdem wurden die expliziten Einstellungen durch das direkte Abfragen des Zustimmungs- oder Ablehnungs-Grades gegenüber verschiedenen Aspekten der Händehygiene ermittelt. Anhand einer multiplen Regressionsanalyse wurden die impliziten und expliziten Einstellungen mit dem tatsächlichen Händedesinfektions-Verhalten in Beziehung gesetzt.

Ergebnis: Die Analyse ergab eine durchweg sehr positive explizite Einstellung gegenüber Händehygiene bei den Mitarbeitern. Auf einer Skala von 1 (=„trifft überhaupt nicht zu“) bis 7 (=„trifft vollkommen zu“) lag der Durchschnittswert bei 6. Die explizite Einstellung korrespondierte jedoch nicht immer mit dem tatsächlichen Händedesinfektions-Verhalten. Die implizite Einstellung war zwar sehr heterogen, lag aber insgesamt im klar positiven Bereich. Eine positive implizite Einstellung ist folglich mit einer hohen Bereitschaft zur Händedesinfektion verbunden.

Fazit: Die Studie liefert empirische Daten, um die Diskrepanz zwischen der allgemein anerkannten Relevanz von Händedesinfektion zur Vorbeugung nosokomialer Infektionen und der wirklichen Compliance-Rate zu erklären. Beschäftigte im Gesundheitswesen mit einer implizit-positiven Einstellung gegenüber Händehygiene desinfizieren sich auch häufiger die Hände. Die gängigen Maßnahmen zur Erhöhung der Händehygiene-Compliance sollten daher neben der Vermittlung von Wissen auch bei der Änderung der impliziten Einstellungen ansetzen.


Quelle:
HygMed 2012, 37 (11): 448–455


Die Originalstudie steht hier zum Download bereit.