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DESINFACTS Ausgabe 2/2001

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Ausgabe 2/2001

 

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TITELTHEMA

Maul- und Klauen-Seuche

Strenge Hygiene unverzichtbar

Aktuelle MKS-Fälle in Großbritannien und den Niederlanden gefährden zunehmend auch Deutschland. 12 Jahre konnte hier ein Ausbruch der Seuche verhindert werden - mit effektiven Hygienemaßnahmen, die jetzt mehr denn je an Bedeutung gewinnen.

Die hoch ansteckende und schnell fortschreitende MKS ist eine Viruskrankheit, die Klauentiere wie Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Wildwiederkäuer befällt. Bei einer Sterblichkeitsrate von bis zu 75% ist die Seuche für Jungtiere gefährlicher als für Adulte. Bei diesen verläuft die fieberhafte Krankheit nur bei 2 bis 5% der Tiere tödlich. Für den Menschen ist die Pathogenität des MKS-Virus gering. Besonders tückisch: Der zur Gruppe der Picorna-Viren gehörende Erreger verbreitet sich über große Distanzen, sei es durch Wind oder per Schmier- und Kontaktinfektion von Tier zu Tier, auf dem Transport oder Viehmärkten. Auch eine Übertragung auf indirektem Wege z.B. über Personen, Milch, Häute, Küchenabfälle oder Fleischerzeugnisse ist möglich.

 

Unterschiedliche Inkubationszeiten

Hauptinfektionsquelle sind Tiere in der Inkubationszeit. Diese reicht von 2 bis zu 21 Tagen und hängt von der Tierart sowie der aufgenommenen Virusmenge ab: So beträgt der Zeitraum bei Rindern 2 bis 7, bei Schweinen 2 bis 12 und bei Schafen 2 bis 14 Tage. In Ausnahmefällen kann ein längere Inkubationszeit beobachtet werden. Infizierte Tiere stoßen schon vor Auftreten der ersten klinischen Symptome über Speichel, Nasensekret, Samen, Kot und Milch große Virusmengen aus.

 

Extrem wandlungsfähig

Die verursachenden MKS-Viren bilden innerhalb der großen Familie der Picornaviridae ein eigenes Genus (Aphthovirus) mit 7 Serotypen (Typ O, A, C, SAT 1-3, Asia 1) und Subtypen, die jedoch gegenseitig keinen Immunschutz hervorrufen. Zur Gruppe der Picorna-Viren gehören über 200 Arten und jährlich kommen neue hinzu. Dazu zählen die relativ harmlosen Rhino-Viren, die mit mehr als 100 verschiedenen Serotypen Schnupfen verursachen, aber auch Polio- und die gefährlichen Hepato- und Entero-Viren.
Der nur 25 bis 30 millionstel Meter große Erreger besteht aus einem RNA-Strang, also der nackten Erbinformation und dem Kapsid ohne eine weitere Hülle. Solche unbehüllten Viren zeichnen sich durch ausgesprochene Aggressivität, Wandlungsfähigkeit und Resistenz gegenüber Desinfektionsmittel aus. MKS auslösende Picorna-Viren wandeln sich laufend und bringen neue Subtypen hervor.
Selbst unter extremen Bedingungen zeigen die Erreger eine große Beständigkeit. In kontaminiertem Gefrierfleisch bleibt der MKS-Erreger jahrelang infektiös. Eingetrocknet kann er monatelang in Wänden, Säcken, Kleidern oder Schuhen überleben. Durch direkte Sonneneinstrahlung und Hitzeeinwirkung (ca. 30 Minuten bei 60 bis 65° C) wird das MKS-Virus dagegen rasch inaktiviert. Auch bei pH-Werten unter 5 ist das Virus sensibel.

 

Geprüfte Desinfektionsmittel

Bester Schutz gegen die Verbreitung der Seuche ist strenge Hygiene. Hierbei sollte der Tierbesitzer auf die Sauberkeit in allen Bereichen des Betriebes achten. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft hat eine Reihe von Empfehlungen aufgestellt, um die hygienischen Bedingungen auf den Höfen zu optimieren.
Da bisher keine direkten Untersuchungen zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln mit dem MKS-Erreger vorliegen, werden experimentelle Belege herangezogen. Das Robert Koch-Institut empfiehlt in seiner aktuellen Liste den Einsatz von Desinfektionsmitteln für den Wirkungsbereich B (zur Inaktivierung von Viren geeignet). Dabei sollten die eingesetzten Desinfektionsmittel eine Viruzidie aufweisen, die Adeno- und Polioviren einschließt. Für die Händedesinfektion genügt Sterillium® Virugard auf Ethanolbasis als einziges alkoholisches Einreibepräparat diesen Anforderungen.
Bei der Desinfektion von Instrumenten aus thermolabilen Materialien werden Mittel mit ausreichender Polio-Wirksamkeit wie z.B. Korsolex basic empfohlen, anschließend sollte autoklaviert werden.
Zu den geeigneten MKS-Virus- inaktivierenden Desinfektionswirkstoffen zählen Substanzen auf Formaldehydbasis wie zum Beispiel Kohrsolin® und Bacillocid® Spezial . Auch Sauerstoffabspalter wie Dismozon® pur ermöglichen die sichere Desinfektion von Flächen wie Fußmatten, Schuhen oder Fahrzeugen.

 

Wichtige Hygienemaßnahmen

  • Desinfektionswannen und - matten in allen Zugangs- und Zufahrtsbereichen bereitstellen
  • Möglichkeiten zur Desinfektion von Schuhen in den Stalleingängen anbringen
  • Auf saubere Arbeits- und Schutzkleidung achten
  • Gründliche Reinigung des Personals vor jedem Verlassen des Betriebes, insbesondere Händehygiene
  • Sorgfältige Desinfektion der Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge, und Geräte


Weiterführende Links

  • Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft e.V.: www.dvg.net
  • Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (aid): www.aid.de