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Warum wird bei Umgang mit Patienten, bei denen eine Clostridium difficile-Infektion besteht, zusätzlich zur Händedesinfektion Händewaschen empfohlen und welche Reihenfolge ist dabei einzuhalten?  
Die Kombination beider Verfahren bietet die größte Chance, Clostridium difficile sowohl in der vegetativen als auch in der Sporenform abzutöten bzw. von den Händen zu entfernen. Hintergrund: Clostridium difficile-Bakterien gehören zu den bakteriellen Sporenbildnern. Alkoholische Hände-Desinfektionsmittel sind nur gegenüber vegetativen Zellformen wirksam, nicht aber gegenüber Bakteriensporen. Deshalb empfiehlt das Robert Koch-Institut in seinem RKI-Ratgeber für Ärzte zum Thema Clostridium difficile (Stand: 17.08.2011) zunächst eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen, um die transiente Hautflora (inkl. der vegetativen C. difficile-Form) abzutöten und anschließend ein gründliches Händewaschen, um die auf der Haut befindlichen Sporen mechanisch zu entfernen. Quelle: Clostridium difficile RKI-Ratgeber für Ärzte Herausgeber: Robert Koch-Institut, 2011  
Gibt es besondere Anforderungen an die präoperative Hautantiseptik bei Patienten mit Clostridium difficile-Infektionen?  
Nein. Hintergrund: Clostridium difficile-Bakterien gehören zu den bakteriellen Sporenbildnern. Sporizide Hautantiseptika sind nicht verfügbar. Für Patienten mit Clostridium difficile-Infektionen gelten die allgemeinen Richtlinien des Robert Koch-Institutes, nach denen im Operationsraum eine gründliche Antiseptik der Haut des Operationsgebietes mit einem geprüften, vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassenen Antiseptikum unter Einhaltung der vom Hersteller deklarierten Einwirkzeit durchzuführen ist. Quellen: Anforderungen der Hygiene bei Operationen und anderen invasiven Eingriffen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2000, 43:644–648. Prävention postoperativer Infektionen im Operationsgebiet Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2007, 50:377-393.   
Ist Kittelpflege bei der Versorgung von Heimbewohnern mit Clostridium difficile-Infektionen in jedem Fall notwendig?  
Ja. Hintergrund: Sind Bewohner eines Heims mit Clostridium difficile infiziert, sollten bei direktem Bewohnerkontakt, bei Reinigungsarbeiten im Zimmer, sowie bei möglichem Kontakt zu erregerhaltigem Material, Schutzkittel mit langem Arm und Einmalhandschuhe getragen werden. Schutzkleidung und Einmalhandschuhe sind vor Verlassen des Zimmers abzulegen. Laut der Empfehlung "Infektionsprävention in Heimen" des Robert Koch-Instituts sind die jeweiligen Präventionsmaßnahmen im Heim mit Hilfe des Gesundheitsamts unter Einbeziehung der behandelnden Ärzte festzulegen. Quelle: Infektionsprävention in Heimen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2005, 48:1061-1080.  
Sollte ein Personalscreening im Ausbruchsfall auch bei multiresistenten Erregern durchgeführt werden, bei denen eine Sanierung fast ausgeschlossen ist?  
Die Durchführung von Personalscreenings bei Ausbrüchen hängt von der epidemiologischen Bewertung und der lokalen Risikobewertung der Patienten durch den/die Hygieneverantwortliche/n ab. Hintergrund: Ein Personalscreening ist in dieser Situation nur dann empfehlenswert, wenn immer weiter neue Infektionen auftreten, deren Quelle noch unbekannt ist und das Personal als mögliche Quelle infrage kommt.  
Müssen Einmalhandschuhe im Umgang mit Patienten, die Träger multiresistenter Gram-negativer Erreger sind, auch dann getragen werden, wenn der Kontakt mit Sekreten, Blut oder anderen Flüssigkeiten auszuschließen ist?  
Das hängt vom Resistenzprofil des multiresistenten Erregers ab. Hintergrund: Sind aufgrund des Resistenzprofils Isolierungsmaßnahmen erforderlich, empfiehlt das Robert Koch-Institut, Handschuhe nicht erst bei wahrscheinlichem (Basishygiene), sondern schon bei möglichem Kontakt zu Blut, Sekreten, Exkreten oder kontaminierten Oberflächen zu tragen. Dass ein möglicher Kontakt erfolgen kann, ist grundsätzlich in der Pflege nicht auszuschließen, deshalb ist in einem Isolierungsfall aufgrund Gram-negativer Erreger das Tragen von Einmalhandschuhen empfehlenswert. Quelle: Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2012, 55:1311–1354.  
Kann eine Resistenz gegenüber Carbapenem zwischen unterschiedlichen Arten von Erregern wie z.B. bei ESBL weitergegeben werden?  
Ja, das ist möglich. Hintergrund: Resistenzgene für Beta-Laktamasen, wie z.B. ESBL (Extended-Spektrum Beta-Laktamase), liegen auf übertragbaren Genabschnitten, sog. Plasmiden. Plasmide können zwischen Bakterien derselben Art oder unterschiedlichen Arten ausgetauscht werden. Dieser Austausch wird als horizontaler Gentransfer bezeichnet. Ein horizontaler Gentransfer zwischen zwei Arten kann überall in der Krankenhausumgebung stattfinden. Gram-negative Bakterien, wie z.B. Acinetobacter baumannii und Pseudomonas aeruginosa übertragen Plasmide besonders leicht. Häufig sind sie sogar mit anderen Resistenzgenen gekoppelt. Quelle: Robert Koch-Institut: ESBL und AmpC: Beta-Laktamasen als eine Hauptursache der Cephalosporin-Resistenz bei Enterobakterien. Epidemiologisches Bulletin Nr. 28 2007.  
Welche Hygienemaßnahmen gelten bei Patienten mit multiresistenten, Gram-negativen Erregern, die eine Resistenz gegenüber drei, bzw. vier Antibiotikagruppen aufweisen?  
Je nach Resistenzprofil und Bereich, z. B. Risikopatienten, sind die empfohlenen Hygienemaßnahmen unterschiedlich. Hintergrund: Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt beim Umgang mit Patienten mit multiresistenten Gram-negativen Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen (3MRGN) auf Normalstationen die Einhaltung der Basishygiene. Mit Ausnahme einiger Bakterienspezies sollen bei 3MRGNs in Risikobereichen, wie z. B. in der Neonatologie, darüber hinausgehende Hygienemaßnahmen ergriffen werden, die den entsprechenden Empfehlungen zu entnehmen sind. Bei multiresistenten Gram-negativen Stäbchen mit Resistenz gegen 4 der 4 Antibiotikagruppen (4MRGN bzw. Panresistenz) sind immer spezielle Hygienemaßnahmen zu etablieren, d.h. Basishygiene zuzüglich einer Isolierung der Patienten und ggfs. Pflege durch speziell geschultes Personal. Für den Umgang mit Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen wurden bisher keine Empfehlungen herausgegeben. Die KRINKO rät hier zu einer eigenen Risikoabwägung, wie sie in den Empfehlungen zur Infektionsprävention in Heimen dargestellt ist. Die Maßnahmen sollten jedoch nicht über solche hinausgehen, die für MRSA-positive Bewohner gelten. Quelle: Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2012, 55:1311–1354  
Muss die Schlussdesinfektion nach der Operation eines MRSA-Patienten unter Einhaltung der Einwirkzeit erfolgen?  
Ja, grundsätzlich hat bei einer Schlussdesinfektion die Wiederbenutzung der Fläche erst nach Einhaltung der angegebenen Einwirkzeit zu erfolgen. Quellen: Anforderung an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch -Gesundheitsschutz 2004 · 47:51–61  
Wie häufig sollte bei einem wiederholt aus einer Pflegeeinrichtung aufgenommenen Krankenhauspatienten eine MRSA-Sanierung erfolgen?  
Diese Entscheidung ist individuell zu treffen. Eine  Sanierungsbehandlung erfolgt auf ärztliche Anordnung und muss die Gefährdung des Bewohners und die epidemiologische Gesamtsituation abwägen. Hintergrund: Bezüglich der Häufigkeit einer MRSA-Sanierung im Krankenhaus gibt es keine Stellungnahme des Robert Koch-Instituts. Wird ein zuvor sanierter Patient z.B. durch einen Heimaufenthalt erneut mit MRSA-Keimen kolonisiert und in die Klinik aufgenommen, muss aufgrund des neuen Umfeldes und der erwarteten Behandlung entschieden werden, ob eine erneute Sanierung erfolgen soll. Die zu erwartende Aufenthaltsdauer im Krankenhaus kann ebenfalls eine Rolle spielen. Bei einem kurzen Aufenthalt ist die Isolierung des Patienten eventuell einfacher umzusetzen, bei längerem Aufenthalt kann eine erfolgreiche Sanierung zumindest zur Aufhebung der Isolierung führen. Hier muss der behandelnde Arzt entscheiden, wann und ob eine erneute Sanierung erfolgen soll.  
Welche Kriterien gelten für ein MRSA-Personalscreening in medizinischen Einrichtungen?  
Die Kriterien müssen gemäß RKI in jeder Gesundheitseinrichtung unter Mitwirkung der Personalvertretung, des betriebsärztlichen Dienstes und den Hygieneverantwortlichen festgelegt werden. Explizit empfiehlt das RKI bei einem gehäuften Nachweis von MRSA bei mehreren Patienten (>2) mit Verdacht auf einen epidemiologischen Zusammenhang ein Screening der Nasenvorhöfe und des Rachens aller Patienten der betroffenen Behandlungseinheit sowie des medizinischen Personals, das unmittelbar Kontakt zu den MRSA-Patienten hat.  Quelle: Empfehlung zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2014. 57:696-732