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12. European Antibiotic Awareness Day (EAAD)
Kampfansage gegen MRE

Infektionen mit multiresistenten Erregern besser verhindern

Zum zwölften Mal ruft das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) den European Antibiotic Awareness Day (EAAD) aus. Dieses Jahr findet am 18. November 2019 eine Konferenz zu diesem Thema in Stockholm statt. Unter diesem Link kann man online daran teilnehmen: http://www.facebook.com/EAAD.EU.

Die enorme Bedrohung durch Antibiotika-Resistenzen und Infektionen mit multiresistenten Erregern (MRE) EU-weit ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und zu bekämpfen, ist dringlicher denn je. Denn immer mehr Bakterien werden resistent gegenüber Antibiotika. Aktuelle Daten aus Studien und Praxis führen uns dramatisch vor Augen, wie zutreffend diese Beurteilung der WHO ist.


Dringender Handlungsbedarf

Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union und Europäischen Wirtschaftszone 33.100 Menschen an den direkten Folgen einer Infektion mit Bakterien, die resistent gegen Antibiotika sind [1].Zudem führen multiresistente Erreger EU-weit zu 874.500 sogenannten DALYs [1]. DALY steht kurz für disability adjusted life years und meint ein verlorenes Lebensjahr bei guter Gesundheit [2]. Die Summe der DALYs in der Bevölkerung kann als Last gewertet werden, die von einer Erkrankung ausgeht. Im Fall der MRE haben unter dieser Krankheitslast am meisten Kinder unter einem Jahr und Menschen über 65 Jahre zu leiden. In Italien und Griechenland wiegt sie am schwersten. Insgesamt fordern Infektionen mit MRE in der europäischen Bevölkerung so viele Todesfälle und DALYs  wie Influenza, Tuberkulose und AIDS zusammen [1].

Besonders gravierend ist die Lage in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Hier kommt es europaweit jährlich zu 8,9 Millionen Infektionen mit multiresistenten Erregern [3]. Erst kürzlich, Anfang Oktober, wurden deutsche Gesundheitsbehörden aufgrund eines gehäuften Auftretens multiresistenter Klebsiella pneumoniae alarmiert [4]. Die gegen besonders viele Antibiotika-Klassen resistenten Darmbakterien sind in vier Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern gefunden worden.

Im Kampf gegen Infektionen mit MRE besteht also wahrhaftig ein sehr dringender Handlungsbedarf.


Tendenz steigend

Die Lage ist auch deshalb so brisant, weil die Zahl der Infektionen mit MRE kontinuierlich ansteigt. Die Zunahmen sind besorgniserregend: So erhöhte sich die Zahl der Infektionen mit den Darmbakterien Klebsiella pneumoniae von 2007 bis 2015 um das Sechsfache [1]. Die Zahl der Todesfälle durch resistente Escherichia coli-Bakterien stieg in diesem Zeitraum um das Vierfache an [1].


Mit eigenen Erfahrungen anderen helfen: das Motto von Vanessa Carter

Welche fatalen Konsequenzen eine MRE-Infektion hat und wie sehr sie die Lebensqualität herabsetzt, musste die Südafrikanerin Vanessa Carter erfahren. Die Unternehmerin hatte bei einem schweren Autounfall 2004 unter anderem starke Verletzungen im Gesicht erlitten. Im Rahmen der wiederholten stationären Therapien, denen sie sich über Jahre hinweg unterziehen musste, infizierte sie sich mit multiresistenten Erregern.

Als sie wieder genesen war, beschloss Vanessa Carter, ihre jahrelangen leidvollen Erfahrungen zu nutzen, um anderen MRE-Patienten zu helfen: 2013 gründete sie die Internet-Plattform Healthcare Social Media South Africa [5]. Seither engagiert sie sich für die Aufklärung und Unterstützung von MRE-Patienten und findet inzwischen bei Experten weltweit Anerkennung und Gehör. So stellte sie im September auf der diesjährigen International Conference on Prevention & Infection Control ICPIC in Genf das Thema MRE aus Patientensicht sowie ihre Initiative vor [6], [7].


Patienten stark machen

Das mit größte Anliegen Carters ist das Patienten-Empowerment: Die Patienten, so ihre Botschaft, müssen umfassend über MRE aufgeklärt und intensiv in das Management ihrer Erkrankung einbezogen werden.

Genau dieses Ziel verfolgen auch HARTMANN und das BODE SCIENCE CENTER (Patienten-Empowerment): die Patienten stärken und auch ihnen verständlich machen, welche Bedeutung der Händehygiene zukommt und wann und wie sie am besten durchgeführt wird. Als wichtigster Übertragungsweg für MRE müssen gerade die Hände von Personal und Patienten regelmäßig desinfiziert werden. Denn Desinfektionsmittel sind auch gegen antibiotikaresistente Bakterien wirksam.

MRE bedrohen uns alle – den Kampf dagegen können wir nur gemeinsam gewinnen. Jeder einzelne von uns wird dabei gebraucht.

Alle Informationen zum EAAD unter: https://antibiotic.ecdc.europa.eu/en

 

 

Infografik: Europäischer Antibiotikatag am 18.11.2019

 

 

 

PDF-Datei zum Download »

 

Quellen:
1. Cassini A. et al. Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis. Lancet Infect Dis 2019; 19: 56 – 66.
2. https://www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/metrics_daly/en/
3. Suetens C. et al. Prevalence of healthcare-associated infections, estimated incidence and composite antimicrobial resistance index in acute care hospitals and long-term care facilities: results from two European point prevalence surveys, 2016 to 2017. Eurosurvelliance 2018.
4. Springer Medizin Verlag GmbH: Ärztezeitung online (Abruf am 4.10.2019)
5. https://healthcaresocialmedia.co.za/about-us/ (Abruf am 25.10.2019)
6. Patient Participation Platform, 11.9.2019
7. Empowering patients to participate as equal partners in IPC, 12.9.2019



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