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Interview: „Behandlung in Echtzeit dank neuer eHealth-Plattform für chronisch Kranke“

Prof. Dr. Klemens Budde, Leitender Oberarzt CCM — Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hypertensiologe DHL, Charité Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. Klemens Budde, Leitender Oberarzt CCM — Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hypertensiologe DHL, Charité Universitätsmedizin Berlin

Drei Fragen an Prof. Dr. Klemens Budde, Leitender Oberarzt CCM — Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hypertensiologe DHL, Charité Universitätsmedizin Berlin.


Ihr digitales Projekt MACSS (Medical Allround-Care Service Solutions) richtet sich gezielt an chronisch Kranke. Was macht diese Patientengruppe für digitale Lösungen so empfänglich?

Patienten mit chronischen Erkrankungen benötigen eine fortlaufende und intensive Betreuung – besonders die Kommunikation mit den behandelnden Ärzten ist hier existenziell. Um eine optimale Therapie gewährleisten zu können, ist ein möglichst vollständiges und aktuelles Bild des Gesundheitszustandes des Patienten wichtig. Darüber hinaus ist auch die Einhaltung der mitunter komplexen Therapievorgaben für den Krankheitsverlauf entscheidend. Unsere nierentransplantierten Patienten beispielsweise müssen häufig zehn Medikamente oder mehr einnehmen und gleichzeitig Parameter wie Gewicht und Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Bei den routinemäßigen Kontrollterminen erschweren dann die oft lückenhafte Erinnerung des Patienten und nachlassende Therapietreue die Behandlungsqualität. Vergisst der Patient wichtige Details, wie beispielsweise zusätzlich eingenommene Medikamente, Infekte oder Blutdruckschwankungen werden eventuelle Komplikationen übersehen. Aufgrund der unvollständigen Dokumentation fehlen dem behandelnden Arzt dann wichtige Details und er kann nicht zeitnah reagieren. Das gefährdet langfristig den Therapieerfolg und schädigt das kostbare Spenderorgan. Besonders gefährlich wird es, wenn Infektionen zu spät erkannt werden. Eine Sepsis beispielsweise kann gut behandelt werden – wenn sie rechtzeitig erkannt wird.


Derzeit sind 259.000 Gesundheits-Apps im Umlauf – nicht alle bieten einen Mehrwert. Was ist der konkrete Nutzen Ihrer App?

Um mit einer App die Behandlungsqualität der Patienten wirklich verbessern zu können, reicht das reine Sammeln und Dokumentieren von Daten nicht aus – um einen echten Mehrwert zu bieten, muss ein eHealth Tool diese Daten auch nutzbar machen. Unser MACSS-Projekt richtet sich an Patienten mit einer Nierentransplantation. Diese Patienten benötigen eine engmaschige medizinische Betreuung, um Infektionen vorzubeugen und die Funktion des Spenderorgans zu erhalten. Um die Versorgung dieser Patienten zu verbessern, haben wir eine Lösung entwickelt, welche die Auswertung von Patientendaten erleichtert und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient beschleunigt. Der Patient trägt beispielsweise seine Vitaldaten, wie Blutdruck oder -zucker in die App ein. Die Informationen übermittelt die App wiederum in Echtzeit an die Charité, wo die Daten dann systematisch ausgewertet werden. Ist der Blutdruck beispielsweise zu hoch, muss die Medikation angepasst werden, ist die Temperatur erhöht, könnte das auf eine Infektion hindeuten. Diese Ergebnisse können dem Patienten direkt über die App übermittelt werden – wenn nötig mit dem Hinweis, einen Termin beim Facharzt zu vereinbaren. Wir haben hier also einen Kommunikationskanal, der es uns ermöglicht, schnell auf Schwankungen beim Patienten zu reagieren. Künftig wollen wir in diesen Kanal auch die behandelnden niedergelassenen Kollegen einbinden: So könnten wir weitere Informationen, wie Medikationspläne oder Blutwerte in das System integrieren und die Daten aus der Patienten-App für schnellere und bessere Therapieentscheidungen nutzen.


Was soll sich konkret für Ihre Patienten durch den Einsatz der App verändern?

Wir planen, die Plattform Anfang nächsten Jahres bei unseren Patienten einzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Patienten die wechselseitige Vernetzung und erleichterte Kommunikation mit der Charité sehr schätzen werden. Eine unserer Patientinnen ist 30 Jahre alt und seit dem 5. Lebensjahr nierenkrank. Sie hat bereits drei Nierentransplantationen hinter sich. Die junge Frau ist gerade Mutter geworden und muss, zusätzlich zu dem Stress, den man mit einem Neugeborenen hat, jeden Tag auf die präzise Einnahme von acht Medikamenten achten und außerdem ihren Bluthochdruck im Auge behalten. Die App soll sie dabei unterstützen, an ihre Medikamente und Blutdruckmessungen zu denken. Wenn nötig, können wir außerdem direkt auf ihre Blutdruckschwankungen reagieren.

Ein anderer Patient, 70 Jahre alt, hat sowohl eine Herz- als auch eine Nierentransplantation überstanden. Zusätzlich wurden bei ihm Diabetes und Bluthochdruck diagnostiziert – er muss täglich 30 Tabletten einnehmen. Bei den zahlreichen Terminen bei unterschiedlichen Ärzten, die neue Medikamente verordnen, würde er leicht den Überblick verlieren. Die App soll uns dabei helfen, Wechselwirkungen zwischen Medikamenten auszuschließen – so vermeiden wir potenziell schwerwiegende Komplikationen.