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Interview: „Wir wollen den Infektionsschutz mit zeitgemäßen digitalen Instrumenten weiter voranbringen“

Dr. Heide Niesalla, Head of BODE SCIENCE CENTER, Hamburg
Dr. Heide Niesalla, Head of BODE SCIENCE CENTER, Hamburg

Drei Fragen an Dr. Heide Niesalla, Head of BODE SCIENCE CENTER, Hamburg.


Ihr Ziel ist es, mit digitalen Lösungen die Potenziale von eHealth für den Bereich der Infektionsprävention nutzbar zu machen. Wo sehen Sie den größten Nutzen?

Der allgemeine Nutzen mobiler eHealth-Lösungen bzw. mHealth-Lösungen besteht u. a. in der höheren Flexibilität, größeren Effizienz und besseren Datenqualität – Vorteile, die auch den Maßnahmen für den Infektionsschutz zu Gute kommen. Hohe Hygienestandards beanspruchen Ressourcen, die gerade in Krankenhäusern oft knapp sind. Lösungen, die die Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen vereinfachen oder erleichtern, sind also gefragt. Inhaltlich setzen wir mit unseren eHealth-Lösungen da an, wo wir uns einen direkten Nutzen für die Patientensicherheit versprechen bzw. dieser auch belegt wird. Dies gilt vor allem für die Händehygiene. Sie ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Infektionsprävention, gleichzeitig besteht hier mit einer Compliance von knapp 50 % ein großes Verbesserungspotenzial. Wir möchten die Händedesinfektions-Quote mit digitalen Instrumenten nachweislich weiter voranbringen. Wer die Händehygiene-Compliance erhöht, verbessert die Patientensicherheit. Denn nosokomiale Infektionen sind immer noch die häufigste Komplikation im Krankenhaus. eHealth-Entwicklungen zur Verbesserung der Händehygiene stehen daher bei uns im Fokus.


Welche konkreten eHealth-Lösungen haben Sie für den Infektionsschutz entwickelt?

Ausgangspunkt unserer Entwicklungen sind die evidenz-basierten Erkenntnisse aus der Forschung und die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation sowie des Robert Koch-Instituts. Diese Institutionen sowie aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass multimodale Programme, die sich dem Problem der mangelnden Händehygiene-Compliance aus unterschiedlichen Richtungen annähern, am effizientesten sind. Unsere eHealth-Lösungen basieren daher auf   Compliancefördernden Maßnahmen im Rahmen multimodaler Programme. Wir greifen dabei diejenigen auf, die auch „analog“ nachweislich erfolgreich sind, wie z. B. Schulungen. Unsere ersten E-Learning- Programme haben wir 2013 eingeführt. Die zertifizierten digitalen Trainings bieten einerseits eine zeitgemäße Ergänzung des klassischen PowerPoint-Vortrags. Viel wichtiger ist aber noch, dass sie zeitlich flexibel und unabhängig von aufwendigen Präsenzschulungen funktionieren. Befragungen unter unseren E-Learning-Nutzern haben gezeigt, dass 93 % der Befragten die Inhalte des 5 Momente-E-Learning-Tools erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. 83 % berichteten, dass sie den richtigen Moment für eine Händedesinfektion erkennen. Aktuell haben wir die  Weiterentwicklung einer eHealth-Applikation zur Beobachtung des Händehygieneverhaltens realisiert, die eine Schnittstelle zur HAND-KISS-Anwendung des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen bietet.


Was kann digital im Infektionsschutz, was analog nicht auch geht?

Auch mit eHealth-Anwendungen wird das Rad natürlich nicht neu erfunden. Zum Beispiel unser Beobachtungs-Tool „Observe“: Sie können dabei mit einem Tablet oder Smartphone das Händehygieneverhalten dokumentieren. Das geht natürlich auch mit einem Klemmbrett und Papier, ist aber digital viel zeitgemäßer und agiler einsetzbar. Spannend wird es auch danach: Was machen Sie mit Ihren Aufzeichnungen? Erfahrungen zeigen, dass die digitale Datenübertragung anstelle der manuellen Eingabe in eine Datei mehr als 90 % des Zeitaufwands spart. Darüber hinaus gewinnen Sie sehr viele Daten, die sich sehr differenziert auswerten lassen – und das ganz automatisch innerhalb kürzester Zeit. Dies hilft Hygieneverantwortlichen nicht nur bei der Dokumentation, sondern zeigt, dank stets aktueller und präziser Analysen, den Häusern auch genau wo sie stehen. Gleichzeitig ermöglicht die Methode in der Praxis unmittelbares Feedback– und damit einen nachhaltigen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter. Die Einsatzmöglichkeiten von eHealth-Lösungen sehen wir aber noch lange nicht ausgeschöpft. In Zukunft werden zum Beispiel Anwendungen, die noch stärker individualisierbar sind, ein Thema sein.