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Abstract: Gesunde Hände: Erfolgsstrategien für die Praxis

Handekzeme sind bei Mitarbeitern in medizinischen Berufen weit verbreitet und werden noch zu selten ernst genommen – auch von den Betroffenen selbst.

Diagnostisch wird beim Handekzem unterschieden zwischen einem irritativen (kumulativ-subtoxisch), einem allergischen und einem atopischen Handekzem, wobei Mischformen häufig sind. Eine genaue Diagnosestellung ist oft nur durch berufsdermatologisch erfahrene Ärzte möglich. Ebenso vielfältig wie die Ursachen ist das Erscheinungsbild, das von Rötungen, Ödemen und Schuppenbildung, bis hin zu Bläschen und übermäßiger Verhornung, mit Rhagaden reicht.

Neue wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich ein chronisches Handekzem in Folge einer epidermalen Barrierestörung entwickeln kann. Dabei ist die Hautschutzbarriere zum Beispiel durch genetische Defekte oder durch chronischen Wasser- und Irritanzienkontakt geschädigt.

In Gesundheitsberufen besteht ein höheres Risiko für einen dauerhaften Kontakt mit hautschädigenden Substanzen: Im Fokus steht dabei die so genannte Feuchtarbeit wie häufiges Handschuhtragen und Händewaschen. Auch der Kontakt mit Medikamenten/Arzneistoffen kann zu Hautirritationen und Kontaktallergien führen.

Dauerhafte Feuchtarbeit lässt die Hornschicht aufquellen. Hornzellen werden gelöst und der Haut werden die eigenen Lipide entzogen. Es kommt zu einem erhöhten transepidermalem Wasserverlust (TEWL). Die Hornschicht wird durchlässiger für Allergene, infektiöse Mikroorganismen und schädigende Substanzen.

Präventiv können Basispflege und Verhaltensänderungen das Risiko erheblich senken. Die Risikofaktoren sollten konsequent gemieden werden, z. B. durch Händedesinfektion anstelle des Waschens, häufigen Handschuhwechsel und regelmäßiges Eincremen. Studien zeigen, dass eine mehrmals täglich durchgeführte Hautpflege das Risiko von Hautirritationen wesentlich verringern kann.

Auch wenn bereits ein berufsbedingtes Handekzem vorliegt, kann das so genannte Hautarztverfahren dazu beitragen, die Menschen in ihrem Beruf zu halten. Insbesondere bei Angehörigen aus Pflegeberufen erzielt diese Frühintervention der Versicherungsträger für den Verbleib im Beruf gute Ergebnisse.

Voraussetzung für den Erfolg ist auch hier ein Umdenken: Mitarbeiter medizinischer Berufe bagatellisieren ihre Hauterkrankung häufig. Sobald jedoch erste Hautveränderungen auftreten, sollte ein Hautarzt oder Betriebsarzt aufgesucht werden. Die Diagnostik und Therapie orientiert sich an der S3-Leitlinie zum Management von Handekzemen, die ein stufenweises Vorgehen vorsieht.

Bei Bestätigung einer berufsbedingten Hauterkrankung kann über den Unfallversicherungsträger das so genannte Hautarztverfahren eingeleitet werden. Diese Intervention reicht je nach Schwere der Hauterkrankung von individuellen Hautschutzberatungen über ambulante Seminare bis zu stationären Heilverfahren.

Sind die Therapieziele erreicht, ist nach der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess unbedingt darauf zu achten, dass die Basispflege weitergeführt und Noxen konsequent gemieden werden, um Rezidiven vorzubeugen. In jedem Fall gilt: Je besser die Prävention und je früher die Therapie, umso besser die Chancen auf eine vollständige Abheilung.


Quelle
Vortrag gehalten von PD Dr. med. Sonja Christine Molin, Oberärztin Allergieabteilung, Leitung Berufsdermatologie und Handsprechstunde, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU. Mittags-Symposium: Gesunde Haut – besserer Infektionsschutz. Neue Erkenntnisse zur Compliance in der Händehygiene, Berlin, 10. Juli 2015, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.