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Abstract: Hauterkrankungen – unterschätzter Risikofaktor für nosokomiale Infektionen

Prof. Dr. med Swen Malte John, Fachgebietsleitung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Universität Osnabrück.
Prof. Dr. med Swen Malte John, Fachgebietsleitung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Universität Osnabrück.

Ein wichtiger Schlüssel, um die Ausbreitung von nosokomialen Infektionen im Besonderen und MRE im Speziellen z.B. in Krankenhäusern zu unterbinden, sind gezielte Hygienemaßnahmen. Die Händedesinfektion ist hierbei die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung von Erregertransmissionen. Die Rate der tatsächlich durchgeführten erforderlichen Händedesinfektionen liegt gegenwärtig im Schnitt bei nur 50 %.

Hautirritationen an den Händen der Pflegekräfte und des medizinischen Personals sind eine Compliance-Hürde, die bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Hautschädigungen führen bei Gebrauch der ansonsten gut hautverträglichen Händedesinfektionsmittel zu einem Brennen und gefährden damit die Compliance in der Händedesinfektion.

Ein ernstzunehmendes Problem, dessen Dimensionen nicht zu unterschätzen ist: Einer deutschen Studie aus dem Jahr 2009 zufolge leiden 18 % der untersuchten Gesundheitsmitarbeiter unter einer Kontaktdermatitis an den Händen. Vergleichbare Zahlen ergeben sich auch für die USA (26 %), Korea (23 %) oder die Niederlande (32 %). In einer weiteren Studie gaben 69 % der 1828 befragten Pflegekräfte an, im vergangenen Jahr unter Hautirritationen am Arbeitsplatz gelitten zu haben. 22 % wiesen ein Handekzem auf. Dabei ist weibliches Pflegepersonal durchgehend besonders häufig von Handekzemen betroffen.

Hauterkrankungen gefährden dabei nicht nur die Arbeitsfähigkeit des Personals, sondern auch gleich zweifach den Patientenschutz: Die notwendige Händedesinfektion wird häufiger durch ein wenig wirksames Händewaschen ersetzt. Darüber hinaus sind Gesundheitsmitarbeiter mit einem schweren Handekzem bis zu 15-mal häufiger mit resistenten Keimen kolonisiert. Die Rate der MRSA-Kolonisation für Beschäftige in Kliniken und Pflegeeinrichtungen liegt in der EU und den USA zusammengenommen bei durchschnittlich 5 %. In Deutschland sind, je nach Einrichtung, zwischen 0,7 und 5,3 % des gesamten Gesundheitspersonals mit MRSA kolonisiert.

Insbesondere Atopiker gehören hier zur Risikogruppe. Der Grund für die häufigere MRSA-Besiedelung bei Mitarbeitern mit Handekzem liegt in der gestörten Hautbarriere. Durch sie können Problemkeime leichter eindringen und letztendlich auch einfacher übertragen werden.
Die erfolgreiche Therapie eines Handekzems setzt an mehreren Punkten an. Ein Brennen bei der Händedesinfektion sollte als klares Frühwarnsymptom einer beginnenden Hauterkrankung wahrgenommen werden. Von erheblicher Bedeutung sind die Aufklärungsarbeit beim Gesundheitspersonal und die Förderung einer Desinfektionskultur gemäß den 5 Momenten der Händedesinfektion, wie sie die WHO definiert hat.


Quelle
Vortrag gehalten von Prof. Dr. med Swen Malte John, Fachgebietsleitung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Universität Osnabrück. Mittags-Symposium: Gesunde Haut – besserer Infektionsschutz. Neue Erkenntnisse zur Compliance in der Händehygiene, Berlin, 10. Juli 2015, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.