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Interview: „Es wird einfach zu lange gewartet“

PD Dr. med. Sonja Christine Molin, Oberärztin Allergieabteilung, Leitung Berufsdermatologie und Handsprechstunde, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU.
PD Dr. med. Sonja Christine Molin, Oberärztin Allergieabteilung, Leitung Berufsdermatologie und Handsprechstunde, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU.

3 Fragen an PD Dr. med. Sonja Christine Molin, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU, Klinikum der Universität München.

Anfangs harmlose Hautirritationen können schnell chronifizieren – was wird da verpasst?

Sonja Christine Molin: Es wird generell zu lange gewartet, bis ein Dermatologe oder Betriebsarzt aufgesucht wird. Anfangs hilft vielleicht eine Creme mit leichtem Kortisonanteil. Im Urlaub bessern sich die Beschwerden und dann sieht man keinen Grund mehr, sich Hilfe zu holen. Dabei ist es ein klares Indiz für eine Berufserkrankung, wenn sich Hautirritationen in der arbeitsfreien Zeit bessern. Gerade Mitarbeiter in Pflege- bzw. ärztlichen Berufen kümmern sich zu spät um ihre Hautprobleme. Das hat viel mit der sozialen Verantwortung zu tun: Der Patient geht immer vor. Zudem fehlt es noch an Aufklärung. Viele Pflegekräfte denken, Hautirritationen gehören einfach zum Beruf dazu. Dass anfänglich harmlos erscheinende Hautprobleme bis zur Berufsaufgabe führen können, ist vielen nicht bewusst.


Gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern und den Berufsgruppen?

Sonja Christine Molin: In der Pflege dominiert nach wie vor der Frauenanteil, deshalb sind auch Frauen stärker betroffen. Andererseits sind Frauen leichter für die wichtige Basispflege zu motivieren als Männer, was wiederum von Vorteil ist. Feuchtarbeit als Hauptauslöser von Hautproblemen findet auch öfter in Pflege- als in ärztlichen Berufen statt. Eine Ausnahme stellen Chirurgen und Zahnärzte dar: Durch das häufige Handschuhtragen sind sie überproportional von Hautirritationen betroffen.


Bei beruflicher Ursache greift das Hautarztverfahren – warum wird es so wenig genutzt und wie kann man den Einstieg erleichtern?

Sonja Christine Molin: Viele Patienten fürchten, dass sich ein Hautarztverfahren negativ auf ihren Job auswirkt. Da muss man viel erklären. Meistens sind die Ängste unbegründet. Die Mehrheit der Kliniken will ihre Mitarbeiter langfristig im Beruf behalten. Meiner Erfahrung nach erfüllen die meisten Kliniken auch die gesetzlichen Anforderungen wie z. B. Gefährdungsermittlung, Hautschutzpläne mit den entsprechenden Präparaten, Schulungen etc., so dass hier eine positive Einstellung zum Thema Hautgesundheit überwiegt. Während der Dauer des Hautarztverfahrens übernehmen die Berufsgenossenschaften zudem die Kosten für die zielgerichtete Individualprophylaxe, sodass der Klinikleitung keine finanziellen Nachteile entstehen. Im Gegenteil: Die Chancen, dass Mitarbeiter im Beruf verbleiben stehen beim Hautarztverfahren sehr gut. Insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass hier noch mehr Aufklärung erfolgen muss, um Vorurteile abzubauen.


Quelle
„Gesunde Hände: Erfolgsstrategien für die Praxis“ Vortrag gehalten von PD Dr. med. Sonja Christine Molin, Oberärztin Allergieabteilung, Leitung Berufsdermatologie und Handsprechstunde, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU. Mittags-Symposium: Gesunde Haut – besserer Infektionsschutz. Neue Erkenntnisse zur Compliance in der Händehygiene, Berlin, 10. Juli 2015, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.