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Interview: „Wir sind es den Anwendern schuldig, alles für ihre Hautgesundheit zu tun.“

Prof. Dr. med. Hans Smola, Dermatologe, Universität Köln und Leiter Med Science, PAUL HARTMANN AG.
Prof. Dr. med. Hans Smola, Dermatologe, Universität Köln und Leiter Med Science, PAUL HARTMANN AG.

3 Fragen an Prof. Dr. med. Hans Smola, Dermatologe, außerplanmäßiger Professor an der Universität Köln und Leiter Med Science, PAUL HARTMANN AG


Zahlreiche Studien haben bewiesen: Die alkoholische Händedesinfektion ist sehr verträglich. Dennoch klagen Pflegekräfte immer wieder über ein Brennen auf der Haut beim Desinfizieren der Hände mit alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln. Wie erklären Sie das?

Hans Smola: Die Haut ist eine Barriere, die uns – wenn Sie gesund ist – vor schädlichen äußeren Einflüssen schützt. Die Epidermis, auch Oberhaut, ist die oberste Schicht unserer Haut und besteht selbst wieder aus 5 Schichten, deren oberste das Stratum corneum ist. Die abgestorbenen keratin- und fettreichen Zellen des Stratum corneum, auch Hornhaut genannt, schützen das darunterliegende Gewebe z.B. vor Verletzungen. Ist die Haut z.B. durch häufiges Händewaschen vorgeschädigt, wird ihre Barrierefunktion herabgesetzt. Sie wird trocken und rau, es bilden sich Risse in der Haut. Durch diese Risse kann der Alkohol dann leicht an die lebenden Zellen der anderen 4 Oberhautschichten gelangen und so das vorübergehende Brennen beim Desinfizieren der Hände verursachen.


Was passiert mit der Haut bei der Händedesinfektion bzw. beim Händewaschen?

Hans Smola: Das Waschen der Hände stört die Lipidstruktur des Stratum corneum. Dabei werden die Hautfette aus der obersten Hautschicht gelöst und durch das Wasser abgespült. Diese für die Hautbarriere benötigten Substanzen kann die Haut nur langsam wieder ersetzen. Zwar wird oft direkt nach dem Händewaschen eine Hyperhydratation der Haut wahrgenommen, doch das täuscht. Binnen 8 bis 10 Minuten ist das Wasser durch die geschädigte Hautbarriere wieder verdampft. Zurück bleibt nur die trockene Haut. Bei der Händedesinfektion werden die Hautfette zwar auch gelöst, aber sie verbleiben im Unterschied zum Waschen auf der Haut. Vielmehr noch: Durch die übliche Einreibemethode werden die Hautlipide sogar wieder in die Haut eingearbeitet. Zudem enthalten gut formulierte Hände-Desinfektionsmittel auch sogenannte Rückfetter, bei Sterillium z.B. Glycerin und 1-Tetradecanol.


In der berichteten Studie konnten Sie über die Hautverträglichkeit hinaus sogar eine Pflegewirkung des getesteten alkoholischen Hände-Desinfektionsmittels nachweisen. Welches Potential sehen Sie in einer solchen Wirkung?

Hans Smola: Zum einen hilft eine solche Pflegewirkung, die Händedesinfektion in den Köpfen der Mitarbeiter als etwas Positives zu verankern. Zum anderen ist die Haut der Hände von beruflich Pflegenden sehr beansprucht: Durch Feuchtarbeit, häufiges Handschuhtragen und im Schnitt gut 30 Händedesinfektionen pro Patiententag. Bei einer solchen Beanspruchung besteht daher eine regelrechte Verpflichtung seitens der Arbeitgeber, Hersteller und auch aus gesundheitspolitischer Sicht, alles für die Hautgesundheit des Gesundheitspersonals zu tun, was nach dem heutigen Stand der Forschung getan werden kann. Denn so können Pflegende und Ärzte ihren Beruf lange mit gesunden Händen ausüben. Das ist nicht nur gut für das individuelle Wohlbefinden der Mitarbeiter, sondern auch für den Patientenschutz.


Quelle
Vortrag gehalten von Prof. Dr. med. Hans Smola, Dermatologe, Universität Köln und Leiter Med Science, PAUL HARTMANN AG. Mittags-Symposium: Gesunde Haut – besserer Infektionsschutz. Neue Erkenntnisse zur Compliance in der Händehygiene, Berlin, 10. Juli 2015, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.