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Interview: „Den einen Schlüssel zur Prophylaxe nosokomialer Infektionen gibt es nicht“

Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin

3 Fragen an Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin


500 000 Krankenhausinfektionen jährlich - welcher Patient trägt das höchste Risiko?
 

Petra Gastmeier: Die Entstehung nosokomialer Infektionen ist multifaktoriell und hängt u. a. von dem Immunstatus des Patienten, der Art des Eingriffs und der Virulenz der Erreger ab. Eine device-assoziierte Diagnostik und Therapie, z. B. Katheter, Beatmung oder Dialyse ist bei allen nosokomialen Infektionsarten ein hohes Risiko, da hier Erregern künstliche Eintrittsmöglichkeiten in den Körper gewährt werden.


Wie steht Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Staaten?

Petra Gastmeier: Das ist von Infektionsart zu Infektionsart unterschiedlich. Bei den Infektionen in Zusammenhang mit Hüftprothesen, die in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen gehören, haben wir im Vergleich mit 12 europäischen Ländern, gemeinsam mit Finnland, Frankreich und Großbritannien die niedrigste nosokomiale Infektionsrate. Betrachtet man die Zahl isolierter antibiotika-resistenter Keime, steht Deutschland mit durchschnittlichen Raten von 10 - 25 Prozent im Mittelfeld. Ein Drittel der Länder hat beispielsweise MRSA-Raten von über 25 Prozent.


Was wird künftig die größte Herausforderung im Kampf gegen nosokomiale Infektionen sein?

Petra Gastmeier: Die weitere Zunahme multiresistenter Keime, vor allem auch der gram-negativen Erreger, bei denen das Spektrum wirksamer Antibiotika stark limitiert ist.  Ein Problem ist auch, dass keine neuen Substanzen in Sicht sind. Darüber hinaus wird die demografisch bedingte, zu erwartende Zunahme invasiver Eingriffe das Risiko nosokomialer Infektionen weiter erhöhen.


Quelle
Vortrag gehalten von Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin. Mittags-Symposium: Krankenhausinfektionen und Händehygiene: Wie neue Forschungsergebnisse den Infektionsschutz verbessern, Berlin, 09. Februar 2012, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.