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Interview: „Standards hinterfragen, Maßnahmen wissenschaftlich belegen, für mehr Patientensicherheit“

Prof. Dr. med. Günter Kampf, Universitätsklinikum Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald
Prof. Dr. med. Günter Kampf, Universitätsklinikum Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald.

3 Fragen an Prof. Dr. med. Günter Kampf


Wie kann es sein, dass für die Händedesinfektion 30 Jahre lang eine Methode der 6 Schritte analog EN 1500 empfohlen wurde, die schlechte Benetzungsergebnisse liefert? 

Günter Kampf: Das hat mit der Historie zu tun. 1978 entwickelte Ayliffe eine spezielle Technik des Waschens, die später als Standardmethode zur Prüfung der Wirksamkeit von Mitteln u. a. für die hygienische Händedesinfektion nach der EN 1500 eingeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war eine  evidenzbasierte Forschung in der Hygiene noch kein Thema. Erst unsere Studie lieferte wissenschaftlich gesicherte Daten.


Wie kamen Sie überhaupt darauf, die 6 Schritte zu hinterfragen?

Günter Kampf: Ursprünglich wollten wir mit der Studie untersuchen, wie viel Zeit eine Händedesinfektion benötigt, um qualitativ ausreichend zu sein. Gemessen wurde dies an Benetzungslücken, da diese eine potenzielle Gefahr für die Übertragung von Infektionen darstellen. Wir waren selbst erstaunt, dass die bisher propagierten 6 Schritte unter allen untersuchten Einreibetechniken am Schlechtesten abschnitten.


Sie haben damit einen neuen Standard in der Händehygiene geschaffen?

Günter Kampf: Die „Aktion Saubere Hände“ empfiehlt seit Ende letzten Jahres die eigenverantwortliche  Einreibemethode. Das ist ein großer Erfolg für unsere wissenschaftliche Arbeit, weil es zeigt, wie Wissenschaft die Praxis – und damit den Infektionsschutz – verbessern kann. Es demonstriert auch, wie wichtig es ist, Standards immer wieder kritisch zu hinterfragen und die Effizienz von Maßnahmen wissenschaftlich zu belegen. Denn hier geht es immer um die Sicherheit von Personal und Patient.


Quelle
Vortrag gehalten von Prof. Dr. med. Günter Kampf. Mittags-Symposium: Krankenhausinfektionen und Händehygiene: Wie neue Forschungsergebnisse den Infektionsschutz verbessern, Berlin, 09. Februar 2012, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.