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Abstract: Ganz nah dran – Hygiene entlang der Patient Journey

Die Zahl der in Deutschland im Krankenhaus erworbenen Infektionen wird auf 400 000 bis 600 000 Fälle geschätzt. Bei etwa 30 000 bis 35 000 sind multiresistente Erreger (MRE) die Verursacher. Wie viele Todesfälle durch Infektionen mit MRE bedingt sind, kann derzeit nur geschätzt werden. Angaben des Robert Koch-Institutes zufolge liegt diese Zahl zwischen 1 000 und 4 000 Todesfälle pro Jahr.

Auch wenn die Mehrzahl der nosokomialen Infektionen durch Erreger ausgelöst wird, die auf eine Therapie mit Antibiotika ansprechen, nimmt die Rate resistenter Keime stetig zu.  Die Entwicklung neuer Antibiotika, der rationale Antibiotika-Einsatz in der Human- und Veterinärmedizin und die konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen sind die wichtigsten Säulen einer Strategie gegen Antibiotikaresistenzen.

Ein unmittelbarer und relevanter Beitrag zur Vermeidung von Infektionen ist dabei insbesondere von Hygienemaßnahmen zu erwarten. Während ein Antibiotikum durchschnittlich 13,5 Jahre für die Marktreife benötigt, können Hygienemaßnahmen, die über eine hohe Evidenz für die Infektionsprävention verfügen, sofort einen Beitrag zum Patientenschutz leisten. Eine Schlüsselfunktion übernimmt dabei die Händedesinfektion. Als Einzelmaßnahme kann die Händehygiene bis zu 40 % der nosokomialen Infektionen verhindern. Neuere Studien zeigen, dass die Händehygiene gebündelt mit anderen Hygienemaßnahmen je nach Infektionsart sogar zwischen 50 % und 90 % der nosokomialen Infektionen reduzieren kann.

Das ist ein großes Potenzial für den Patientenschutz, das bislang noch viel zu wenig genutzt wird. So liegt die durchschnittliche Compliancerate bei der Händedesinfektion lediglich zwischen 41 % und 55 % mit hoher Variationsbreite. Zum Umsetzungsgrad bei anderen für den Patientenschutz wichtigen Hygienemaßnahmen wie z. B. sterile Abdeckung oder Hautantiseptik stehen nur wenige Daten zur Verfügung.  In einer Studie zum Legen peripherer Venenkatheter wurde beispielsweise beobachtet, dass vor Intervention in rund 75 % der beobachteten Fälle keine sterile Abdeckung der Punktionsstelle erfolgte. Dies kann dazu führen, dass Erreger in die Blutbahn geraten und im schlimmsten Fall eine Sepsis auslösen. Eine ganzheitliche Betrachtung der Hygienemaßnahmen, nicht nur der Händehygiene, sondern auch anderer infektionsrelevanter Maßnahmen, bietet daher ein besonders hohes Präventionspotenzial.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte das BODE SCIENCE CENTER, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, eine neue Hygienestrategie: Ausgehend von einer Interventionsstudie des BODE SCIENCE CENTER am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurden neue Standardarbeitsprozesse (SOPs) für wichtige pflegerische und ärztliche Tätigkeiten erarbeitet, die alle infektionsrelevanten Schritte berücksichtigen.

Die SOPs fokussieren sich auf die in Deutschland häufigsten nosokomialen Infektionen: Postoperative Wundinfektionen stehen mit einem Anteil von 24,3 % an der Spitze, gefolgt von Harnwegsinfektionen (23,2 %) und unteren Atemwegsinfektionen (21,7 %) sowie Blutstrominfektionen (primäre Sepsis) mit 5,7 %.

Entlang der Patient Journey im Krankenhaus – von der Aufnahme bis zur Entlassung – wurden für die Entwicklung der SOPs die jeweils für den Patienten kritischen Situationen und Pflegemaßnahmen identifiziert. Die auf Basis Evidenz-basierter Empfehlung entwickelten SOPs  zum Legen peripherer venöser Zugänge und Harnwegskatheter, zum postoperativem Wundverbandwechsel und Umgang mit Beatmungspatienten,  können den Anteil der Hygienefehler verringern und damit zur Reduzierung der häufigsten nosokomialen und darin enthaltenen MRE Infektionen beitragen.

Für einen größtmöglichen Umsetzungsgrad der neuen SOPs wurden alle Arbeitsschritte in eine logische, für die Mitarbeiter gut nachvollziehbare Reihenfolge gebracht und in der Praxis getestet.

Die neuen SOPs werden derzeit in verschiedenen Pilotkliniken in Deutschland  getestet, flankiert von einer multimodalen Intervention mit Checklisten, E-Learnings und Apps.


Quelle
„Ganz nah dran – Hygiene entlang der Patient Journey“ Vortrag gehalten von Dr. Henning Mallwitz, Director BODE SCIENCE CENTER, Director Research & Development BODE Chemie, Hamburg. Mittags-Symposium: Antibiotikaresistente Erreger: Neue Hygienestrategien entlang der Patient Journey, Berlin, 17. November 2016, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.