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Abstract: Wie ein Dominoeffekt – was bessere Hygiene-Prozesse bewirken können

Das St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach ist ein 267 Bettenhaus mit neun Fachdisziplinen und 600 Mitarbeitern. Hygiene ist im St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach zentrales Element der Versorgungsqualität: Seit 2014 nimmt das Lehrkrankenhaus der Universität Bonn an der „Aktion saubere Hände“ (ASH) teil. Mit kontinuierlichen Fortbildungen, Compliance-Messungen und Erfassung des Händedesinfektionsmittel-Verbrauchs konnten die Mitarbeiter bereits signifikante Hygiene-Erfolge verzeichnen; im Mai 2016 wurden sie folgerichtig mit dem Silberzertifikat der ASH ausgezeichnet.

2016 entschied sich die Krankenhausleitung, unter der fachlichen Leitung von Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, im Rahmen eines Pilotprojektes neue standardisierte Prozesse (SOP) bei Pflegemaßnahmen einzusetzen und zu schulen. Ziel: die Patientensicherheit insbesondere vor aseptischen Tätigkeiten zu erhöhen. Bei der Beurteilung des Risikos während einer Versorgung spielen aseptische Tätigkeiten eine besondere Rolle. Denn hierbei besteht die Gefahr, dass Erreger in primär sterile oder nicht mit potentiell pathogenen Erregern besiedelte Bereiche eingetragen werden und von dort aus schwerwiegende Infektionen auslösen können.

Die vom St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach während des Pilotprojektes implementierten Standardprozesse beschreiben die aseptische Vorgehensweise bei einem Wundverbandwechsel mit und ohne Wundversorgung. Entwickelt wurden die SOPs vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg,  in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die SOP legen einen besonderen Fokus auf die für den Patienten infektionskritischen Arbeitsschritte und wurden unter diesem Aspekt optimiert. So ist beim Verbandwechsel neben der Händedesinfektion zum Beispiel darauf zu achten, dass das sterile Verbandmaterial aseptisch (d. h. keimfrei) aufgebracht wird, damit keine Keime in die Wunde eingetragen werden.

Die optimierte SOP für den Verbandwechsel ohne Wundversorgung umfasst insgesamt 13 Teilschritte. Davon sind 3 Schritte für den Patientenschutz besonders wichtig. Die optimierte SOP für den Verbandwechsel mit Wundversorgung nach ärztlicher Anordnung umfasst insgesamt 17 Teilschritte. Davon sind 4 Schritte für den Patientenschutz besonders wichtig.

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden beide SOPs zum Wundverbandwechsel auf verschiedenen Stationen implementiert. Die Einführung der SOPs wurde multimodal begleitet: Intensives Training, persönliche Betreuung, Hilfsmaterialien und Online Tools schulten die Mitarbeiter im korrekten Ablauf und förderten die Hygiene-Compliance nachhaltig. Bereits nach wenigen Monaten konnte die Bereitschaft zur Einhaltung aller hygienerelevanten Schritte beim aseptischen Verbandwechsel von 75 % auf 88 % gesteigert werden. Das kam den Patienten direkt zugute, denn parallel nahmen auch die Wundinfektionen bei der Indikator-OP Colon ab. Die sinkende Zahl der Wundinfektionen wirkte sich wiederum positiv auf den Antibiotika-Verbrauch aus: Der Bedarf sank in allen teilnehmenden Stationen – vor allem der Einsatz von Reserve-Antibiotika ging signifikant zurück.


Quelle
„Wie ein Dominoeffekt – was bessere Hygiene-Prozesse bewirken können“ Vortrag gehalten von Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH, Andernach, Mittags-Symposium: Antibiotikaresistente Erreger: Neue Hygienestrategien entlang der Patient Journey, Berlin, 17. November 2016, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.