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Interview: „Theorie ist gut – konkrete Anleitungen sind besser“

Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH, Andernach
Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH, Andernach

Drei Fragen an Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, St. Nikolaus Stiftshospital GmbH, Andernach.


Wie erleben Sie die steigenden Antibiotika-Resistenzen in der täglichen Praxis?

Claudia Becker: Patienten mit MRE, vor allem Gram-negativen Erregern, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und in der Behandlung und Pflege täglich präsent. Unser Eingangsscreening zeigt, dass die meisten Patienten diese Erreger bereits bei der Aufnahme mit ins Krankenhaus bringen. Das sorgt bei den Mitarbeitern für Unsicherheit und wirft Fragen auf: Was muss ich beachten? Wie schütze ich Patienten und mich selbst vor MRE? Dies erfordert ein hohes Maß an Beratung und Begleitung vor Ort, denn wie wir wissen, ist die Händehygiene die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Übertragungen und Infektionen – auch bei MRE. Die kontinuierliche Schulung der 5 Momente der Händehygiene und die Umsetzung der erforderlichen Isolierungsmaßnahmen stehen dabei im Vordergrund der Beratungen. Theoretisches Wissen allein reicht eben nicht, es braucht konkrete Anleitungen für eine gute Hygiene direkt am Patienten.


Sie haben daraufhin in Ihrer Klinik neue Standardprozesse etabliert. Wie wirkten sich diese auf die Patientensicherheit aus?

Claudia Becker: Viele alltägliche Pflegemaßnahmen sind hochkomplex – standardisierte Prozesse brechen diese Abläufe auf besser nachvollziehbare Portionen herunter. Der Verbandwechsel bei einer Wunde oder einem Venenkatheter beispielsweise umfasst rund 14 Einzelschritte – darunter vier Situationen, die für den Patienten infektionskritisch sind. Diese Momente hebt die SOP besonders hervor, um den Patientenschutz ganz in den Vordergrund zu stellen.

Eine Methode, die in unserer Klinik eindeutige Erfolge erzielte: Innerhalb weniger Monate konnten wir die Compliance beim aseptischen Verbandwechsel von 75 % auf 88 % steigern. Das kam wiederum den Patienten direkt zugute, denn parallel nahmen auch die Wundinfektionen bei der Indikator-OP Colon ab.


Was sind Ihre nächsten Schritte und was empfehlen Sie anderen Kliniken, um die Compliance zu verbessern?

Claudia Becker: Unsere guten Erfahrungen mit der SOP zum Verbandwechsel möchten wir im nächsten Schritt ausweiten: Zum einen werden wir die Abteilungen in unserem Haus weiter betreuen, bis die Compliance in allen Bereichen über 80 % liegt. Im Anschluss werden wir dann die SOP zum Legen eines peripheren Venenkatheters implementieren.

Ich hoffe, dass wir andere Kliniken mit unserer Erfolgsgeschichte zur Compliance-Steigerung inspirieren können. Die intensive Begleitung der Mitarbeiter durch Hygienefachpersonal mag zeitaufwändig sein, aber es lohnt sich. Der ganzheitliche Ansatz leistet nicht nur einen großen Beitrag zur Infektionsprävention, sondern motiviert auch die Mitarbeiter und gibt ihnen mehr Sicherheit im Klinik-Alltag und auch beim Umgang mit Patienten mit MRE.


Quelle
„Wie ein Dominoeffekt – was bessere Hygiene-Prozesse bewirken können“ Vortrag gehalten von Claudia Becker, Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH, Andernach, Mittags-Symposium: Antibiotikaresistente Erreger: Neue Hygienestrategien entlang der Patient Journey, Berlin, 17. November 2016, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.