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Abstract: Qualität vor Quantität: Mehr Patientenschutz durch optimierte Arbeitsprozesse.
Interventionsstudie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Seit 2006 etabliert die WHO ihr Konzept der „5 Momente der Händehygiene“ über nationale Kampagnen, zum Beispiel in Deutschland mit der AKTION Saubere Hände. Ziel ist die Erhöhung der Compliance in der Händedesinfektion in jenen Momenten, in denen ein konkretes Risiko für eine Erregerübertragung besteht.

Dabei geht es nicht um eine generelle Erhöhung der Händedesinfektionsrate. Händedesinfektionen sollten nur dann durchgeführt werden, wenn sie für den Patientenschutz sinnvoll sind, d. h. in jenen Momenten, in denen ein Risiko für eine Erregerübertragung besteht.

Neuere Forschungen zur Compliance legen nahe, dass die Identifikation des richtigen Momentes für eine Händedesinfektion direkt im Prozess der pflegerischen oder ärztlichen Tätigkeiten für Mitarbeiter eine Hürde darstellt.  Darüber hinaus enthalten viele Tätigkeiten neben der Händedesinfektion weitere infektionskritische Schritte, die ebenfalls ein gutes Hygieneverhalten erfordern.

Ausgangspunkt der  Interventionsstudie des BODE SCIENCE CENTER ist die Annahme, dass ärztliche oder pflegerische Maßnahmen am Patienten noch nicht ausreichend alle infektionskritischen Teilschritte berücksichtigen und zudem optimiert werden müssten, um vom Personal einfacher und sicherer durchgeführt werden zu können.

Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf  wurde für eine der häufigsten bei stationären Patienten durchgeführten Tätigkeiten, dem Legen eines peripheren Verweilkatheters, ein aus Sicht des Infektionsschutzes optimaler Arbeitsprozess entwickelt. Dabei wurden fünf infektionskritische Teilschritte identifiziert.

Ziel der Studie war die Verbesserung der Patientensicherheit durch eine höhere Prozess-Compliance bei allen hygienerelevanten Teilschritten inklusive der Händedesinfektion.
Die Interventionsstudie wurde von November 2012 bis März 2013 in vier Fachabteilungen durchgeführt und umfasste drei Phasen: Zunächst wurde ein idealer Arbeitsablauf auf Basis nationaler und internationaler evidenzbasierter  Empfehlungen entwickelt. Die eigentliche Intervention bestand aus Schulungen, Dummy-Trainings, grafischen Darstellungen der Schritte als Tablettaufkleber, einem E-Learning-Modul sowie direktem individuellem Feedback bei beobachteten Fehlern. In der Beobachtungsphase wurden 207 Katheter-Insertionen und in der Interventionsphase 202 Insertionen beobachtet und dokumentiert.

Bei vier von fünf Teilschritten war eine signifikante Erhöhung der Compliance nach der Intervention zu beobachten. Beispielsweise erhöhte sich die Compliance in der Händedesinfektion vor Katheterinsertion um 45 Prozent. Die Einhaltung aller fünf infektionsrelevanter Teilschritte stieg von 0 % auf 22 %. Diejenigen, die alle Teilschritte durchführten, hielten zu 100 % die richtige Reihenfolge ein. Dabei wurde die Intervention von den Mitarbeitern fast durchgängig als positiv oder neutral bewertet.

Optimale Arbeitsabläufe für ärztliche und pflegerische Tätigkeiten, die alle hygienerelevanten Schritte berücksichtigen, erhöhen signifikant die Compliance und die Hygienesicherheit. Die Rate nosokomialer Infektionen wie z. B. Sepsen kann dadurch weiter reduziert werden.


Quelle
Vortrag gehalten von Prof. Dr. med. Günter Kampf, Universitätsklinikum Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald, Mittags-Symposium: Einfache Prozesse – verbesserte Hygiene. Neue Forschungsergebnisse zum Patientenschutz im Klinikalltag., Berlin, 19. September 2013, veranstaltet vom BODE SCIENCE CENTER, Hamburg, wissenschaftliches Kompetenzzentrum der PAUL HARTMANN AG, Heidenheim.