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Desinfektionsmittel-Kommission empfiehlt hygienisch-mikrobiologische Kontrollen bei der Verwendung von Tuchspendersystemen zur Flächendesinfektion

Die Desinfektionsmittel-Kommission des Verbunds für angewandte Hygiene e.V. (VAH) rät in ihrer aktuellen Mitteilung (März 2013) dringend zu einer hygienisch-mikrobiologischen Kontrolle, wenn vorgetränkte Tuchspendersysteme bei der Flächendesinfektion im klinischen Umfeld eingesetzt werden [1].

Bei Tuchspendersystemen zur Flächendesinfektion, die mit oberflächenaktiven Wirkstoffen befüllt werden, kann es bei einer unzureichenden Aufbereitung vor Wiederverwendung zur Herausbildung von Biofilmen kommen. Die Desinfektionsmittellösung kann dadurch mikrobiell kontaminiert werden, insbesondere durch gramnegative Erreger. (Hintergrundinformationen zur sicheren Aufbereitung von Tuchspendersystemen)


Empfehlungen für klinische Risikobereiche

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Desinfektionsmittel-Kommission des VAH dringend, hygienisch-mikrobiologische Kontrollen durchzuführen, wenn vorgetränkte Tuchspendersysteme bei der Flächendesinfektion im klinischen Umfeld eingesetzt werden. Die in Risikobereichen (z.B.: Neonatologie, Intensiv- oder Verbrennungsstationen) eingesetzten Tuchspender-Lösungen sollten nach einer standardisierten Methode im Labor einmal jährlich untersucht werden. Nach Ablauf der vorgegebenen Verwendungszeit bzw. nach dem Aufbrauchen der Tücher sollte dabei gemäß folgender Methode vorgegangen werden:

  1. Membranfiltration von 10 ml der im Tuchspendersystem vorliegenden Desinfektionsmittellösung (0,45 μm Porenweite).
  2. Nachspülung mit 100 ml 0,9 % NaCl-Lösung
  3. Auflegen des Membranfilters (möglichst luftblasenfrei) mit einer sterilen Pinzette auf Caseinpepton-Sojamehlpepton-Agar mit einem in den Gutachten zum Produkt validierten Enthemmer (z.B. 3 % Tween 80, 3 % Saponin, 0,1 % Histidin, 0,1 % Cystein)
  4. Inkubation bei 37 °C für 72 h.

Die Beurteilung der Ergebnisse erfolgt durch einen Krankenhaushygieniker. Für gramnegative Mikroorganismen wird ein Grenzwert von 0 KBE/10 ml angesetzt (im Falle luftgetragener Sporenbildner und anderer nicht krankheitserregender Umgebungsflora: 3 KBE/ 10 ml).


Empfehlungen für risikoärmere Bereiche

In Bereichen mit geringerem Infektionsrisiko wird eine einmal jährliche, stichprobenartige Überprüfung mit Dip Slides zunächst als ausreichend angesehen. Deuten die dadurch gewonnen Ergebnisse auf ein Wachstum von Mikroorganismen hin, muss aber von einer deutlich höheren tatsächlichen Kontamination ausgegangen und das Aufbereitungsverfahren des Tuchspenders korrigiert werden (ggf. neue Tuchspenderbehältnisse verwenden).

Bei der Suche nach möglichen Kontaminationsquellen sind u.a. die Qualität des Wassers, das zur Herstellung der Lösung verwendet wurde, das Desinfektionsmittel-Dosiergerät, die Umgebung im Bereich der Abfüllung sowie die Aufbereitung des Tuchspenders zu berücksichtigen.

Literatur:
1. Desinfektionsmittel-Kommission im Verbund für angewandte Hygiene e.V.: Kontrollmaßnahmen bei der Anwendung von Tuchspendersystemen für die Flächendesinfektion in Abhängigkeit vom Risikoprofil. In: Hygiene & Medizin 2013, 38 (3): 108–109.

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Vorgehen bei der mikrobiologischen Kontrolle vorgetränkter Tuchspendersysteme zur Flächendesinfektion