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Chirurgische Eingriffe: Wo liegen die Risiken?

Weltweit werden jedes Jahr mehr als 230 Millionen chirurgische Eingriffe durchgeführt. Bei den meisten Patienten verläuft die Operation erfolgreich. Doch Studien zeigen, dass Komplikationen infolge eines Eingriffs tödliche Folgen haben können. Von den 37.000 Patienten, die in Europa jedes Jahr infolge von Krankenhaus-Infektionen ihr Leben lassen.

Der wichtigste Risikofaktor: Die zehn Finger des Personals, besser noch die fünf Finger der rechten und die fünf Finger der linken Hand. Diese  „Zweimal-fünf-Finger“-Symbolik steckt nämlich hinter dem Datum des weltweit größten Händehygienetages der World Health Organization (WHO), der am 5.5. eines jeden Jahres stattfindet. Das Jahr 2016 steht für die WHO ganz im Zeichen der Sicherheit chirurgischer Operationen. Im Mittelpunkt: Die Händedesinfektion als Kernelement der Patientensicherheit.

Die Gefahr einer Infektion lauert für Patienten, die operiert werden, keinesfalls nur im OP. Die WHO hat neben der eigentlichen Operation kritische Aspekte von Pflegetätigkeiten identifiziert, in denen das Infektionsrisiko hoch und durch sachgemäße Händedesinfektion gesenkt werden kann: Z. B. Tätigkeiten rund um periphere Venenzugänge, zentralvenöse Zugänge, postoperative Beatmung von Patienten und Harnwegskatheter sowie die postoperative Wundversorgung.


Tatort OP: Postoperative Wundinfektionen

Die meisten Wundinfektionen werden während der OP verursacht, indem Mikroorganismen vom Patienten selbst oder aus der Umgebung  in die eigentlich sterile Operationswunde eindringen.  Postoperative Wundinfektionen stellen die zweithäufigste Infektion unter allen nosokomialen Infektionen dar. Dabei werden jene Infektionen als postoperativ definiert, die bei operierten Patienten in der Regel bis zum 30. postoperativen Tag oder bei Implantaten sogar bis zu einem Jahr nach einer OP auftreten. Betroffene Patienten benötigen einen längeren Krankenhausaufenthalt, intensivere Pflege, zusätzliche Medikamente und Wundversorgung und häufig auch weitere chirurgische Eingriffe. Die direkten und indirekten Kosten je SSI können sehr hoch sein und z. B. bei schwerem Organbefall über 30.000 Dollar betragen.


Hohes Risiko durch Katheter

Betrachtet man die Stationen, die ein Patient im Rahmen seiner OP durchläuft, so lauert die erste Infektionsgefahr schon bei der Vorbereitung zum Beispiel beim Legen eines peripheren Venenkatheters (PVK). Diese invasive Maßnahme vor der OP ist nicht nur diejenige Maßnahme, die wirklich alle Patienten erhalten, sie birgt auch ein bislang unterschätztes Risiko für Gefäßkatheter-assoziierte Blutstrominfektionen.

Besonders beunruhigend ist die höhere Mortalität bei  Patienten mit PVK-assoziierten Infektionen gegenüber jenen mit ZVK-assoziierten Infektionen.  Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der periphere Venenkatheter im klinischen Alltag viel häufiger verwendet wird. Daher werden beide Gefäßkatheter-Maßnahmen, die häufig in Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen stehen, von der WHO als Pflegetätigkeiten mit Infektionsrisiko bewertet.


Post-operative Risiken auf Station

Für die Patientensicherheit bei einer OP ist auch die postoperative Behandlung auf Station von zentraler Bedeutung. Kritische Faktoren sind hierbei ebenfalls Device-assoziierte Maßnahmen wie z. B. die Beatmung und das Legen und Manipulieren von Harnwegskathetern. Dass Patienten nach einer Operation auf Intensivstation beatmet werden, tritt immer häufiger auf. Gelangen bei der Behandlung Keime in die Lunge, besteht die Gefahr einer beatmungsassoziierten Pneumonie – die häufigste tödlich verlaufende Krankenhausinfektion. Nosokomiale Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen nehmen dagegen selten schwere Verläufe. Ihre Behandlung erfordert jedoch meist eine Antibiotika-Therapie, wodurch das Risiko von Resistenzen weiter zunimmt. In der postoperativen Intensivtherapie werden Harnwegskatheter häufig zu lange belassen und damit erhöht sich die Gefahr einer Infektion auch infolge Manipulation des Katheters.

Experten sind sich einig: Null Infektionen werden nicht machbar sein. Aber bis zu 40 % aller nosokomialen Infektionen könnten allein durch eine korrekte Händehygiene erreicht werden.