Wir forschen für den Infektionsschutz

Kontakt

Experten-Hotline 
zu Fragen rund um 
Hygiene und Desinfektion
Tel.: +49 (40)-54 00 6 -111
Fax: +49 (40)-54 00 6 - 777

E-Mail:
science-center[at]hartmann.info

 

Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo. - Do. 8:00 bis 16:30 Uhr
Freitag    8:00 bis 15:00 Uhr

Für Anrufer aus Österreich:
Tel.: 02236 646 3070

Noroviren, Influenzaviren & Co: Was Sie im bevorstehenden Herbst und Winter der Pandemie beachten sollten

Angesichts der sinkenden Temperaturen und der steigenden SARS-CoV-2-Fallzahlen blicken die meisten derzeit mit Sorge den kommenden Monaten entgegen. COVID-19, Grippe oder doch nur eine banale Erkältung – wer soll die sich teils überschneidenden Symptome, insbesondere im Anfangsstadium, schon zuverlässig unterscheiden können? Außerdem ähneln sich die Übertragungswege von SARS-CoV-2, Influenzaviren und vielen anderen Atemwegserregern stark. Alle können grundsätzlich über Tröpfchen, Aerosole und Kontaktinfektion übertragen werden, allein die Partikelgröße unterscheidet sich – und damit auch das Verhalten der Aerosole. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass die geltenden Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie sich auch auf die Übertragung von Influenzaviren und weiteren Atemwegserregern auswirken müssten.


Norovirus: Symptome und Übertragungswege unterscheiden sich deutlich von Atemwegserregern

Noroviren, die Auslöser einer hochansteckenden Gastroenteritis, werden hingegen über den Stuhl und das Erbrochene von Erkrankten ausgeschieden und meist fäkal-oral oder oral (z.B. durch Handkontakt mit kontaminierten Flächen oder die orale Aufnahme virushaltiger Tröpfchen, die bei schwallartigem Erbrechen entstehen) weitergegeben. Jedoch kommen auch kontaminierte Lebensmittel oder Getränke als Übertragungsquellen in Frage. Die Übertragungswege von Noroviren unterscheiden sich somit ganz deutlich von denen der Atemwegserreger. Bei den Symptomen stehen Durchfall und Erbrechen im Vordergrund, womit die Erkrankung recht eindeutig von anderen saisonalen Infektionen abgegrenzt werden kann. Zwar kann auch bei COVID-19-Fällen als weiteres Symptom Durchfall auftreten, jedoch sind schwere gastrointestinale Symptome eher selten. Eine Übertragung von SARS-CoV-2 über die Ausscheidungen wird zum derzeitigen Forschungsstand für unwahrscheinlich gehalten. Da bereits etwa 10–100 Viruspartikel für eine Infektion mit dem Norovirus ausreichen, überträgt sich das Virus rasch in Einrichtungen mit vielen Menschen (z. B. Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gemeinschaftseinrichtungen) und tritt wie Influenza und der banale Schnupfen gehäuft saisonal auf.


Werden verschiedene Virusinfektionen in der kommenden Saison aufeinandertreffen und parallel zur Pandemie grassieren?

Während wir es bei SARS-CoV-2 mit einem neuen und vergleichsweise wenig erforschten Erreger zu tun haben, liegen für andere Erreger und deren jahreszeitliche Verläufe teils jahrzehntelange Erfahrungswerte vor. So finden sich auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts beispielsweise Berichte zum Verlauf der saisonalen Influenzawelle seit Mitte der 1990er Jahre. Die AGI überwacht in Deutschland seit Jahrzehnten in jeder Saison die Aktivität akuter Atemwegsinfektionen im Allgemeinen und der Influenza im Speziellen und wertet die Ergebnisse aus. Deshalb ist auch bekannt, dass die ersten Influenzafälle zwar meist schon im Herbst auftreten, ein deutlicher Anstieg der Influenza aber üblicherweise erst mit oder kurz nach dem Jahreswechsel zu erwarten ist. Übrigens werden alle im Rahmen der AGI eingesandten Proben neben Influenza- auch auf weitere Viren getestet – nämlich auf Respiratorische Synzytialviren, Adeno-, Rhino- und humane Metapneumoviren. Daher kann der saisonale Verlauf dieser Infektionen ebenfalls recht genau beurteilt werden. Schaut man sich die Kurven der saisonalen Verläufe verschiedener Erreger im Vergleich an (hier beispielhaft im Saisonbericht 2018/19), fällt auf, dass Rhinoviren bereits Ende September/Anfang Oktober stark zirkulieren, ihre Verbreitung dann aber bis zum Jahresende deutlich abfällt. Die Hochzeiten von Influenzaviren und Rhinoviren überschneiden sich folglich in typischen Jahren kaum. Allerdings ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar, wie sich die Verläufe dieser Viren im Zeichen der COVID-19-Pandemie entwickeln werden.


Basishygiene bildet die Grundlage zum Schutz vor ALLEN saisonalen Infektionen

Die Nase läuft, der Hals kratzt leicht – Schnupfen oder COVID-19? Absolute Sicherheit kann bei unklaren Symptomen im Einzelfall nur eine Labortestung bringen. Anfang Oktober (KW 41) wurden im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren in 25 der 49 eingesandten Sentinelproben Rhinoviren und in 3 von 47 darauf untersuchten Proben SARS-CoV-2 gefunden, während Influenzaviren in KW 41 in keiner der untersuchten Proben vorlagen. Da Vorbeugen allemal besser ist als Bangen, sollte – neben weiteren Schutzmaßnahmen – überall auf eine angemessene Basishygiene geachtet werden, damit es gar nicht erst zu Infektionen und den damit verbundenen Unsicherheiten kommt. Eine wirksame Händehygiene stellt nämlich im Schutz gegen ALLE dieser Infektionen eine tragende Säule dar. Wir zeigen Ihnen im kurzen Video Händehygiene im Gesundheitswesen, worauf Sie besonders achten sollten.


Quellen:
1. Robert Koch-Institut: SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19).
2. Robert Koch-Institut: Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren.
3. de Gabory L, et al. The influenza virus, SARS-CoV-2, and the airways: Clarification for the otorhinolaryngologist. Eur Ann Otorhinolaryngol Head Neck Dis 2020; 137: 291–296.
4. Fennelly KP. Particle sizes of infectious aerosols: implications for infection control. Lancet Respir Med 2020; 8: 914–924.
5. Robert Koch-Institut: Ratgeber Norovirus-Gastroenteritis.
6. Jones DL, et al. Shedding of SARS-CoV-2 in feces and urine and its potential role in person-to-person transmission and the environment-based spread of COVID-19. Sci Total Environ 2020; 749: 141364.
7. Robert Koch-Institut, Arbeitsgemeinschaft Influenza: Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/19.
8. Robert Koch-Institut, Arbeitsgemeinschaft Influenza: Influenza-Wochenbericht Kalenderwoche 41 2020