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WHO Momente Modell für die ambulante Medizin

2005 startete die WHO die Kampagne „Clean Care is safer Care“ mit dem Ziel, die Compliance in der Händehygiene zu verbessern und damit nosokomiale Infektionen zu verhindern. Das für den stationären Krankenhausbereich entwickelte „Momente-Modell“ definiert 5 Indikationen, die eine Händedesinfektion erforderlich machen. Diese entsprechen klar definierten Indikationen, bei denen pathogene Erreger übertragen, und damit die Gesundheit von Patienten und Personal gefährdet werden können. Auch in der ambulanten Medizin stellen Krankheitserreger und nosokomiale bzw. im Rahmen einer medizinischen oder pflegerischen Behandlung erworbene Infektionen ein relevantes Risiko dar. Um die Compliance in der Händehygiene auch in diesem Bereich voran zu treiben, passte die „Aktion Saubere Hände“ in Zusammenarbeit mit der WHO das Modell „5 Momente der Händehygiene“ für die ambulante Patientenversorgung an.


Händehygiene in der ambulanten Medizin

Nosokomiale Infektionen können den Zustand eines Patienten verschlechtern, den Heilungsprozess verzögern oder sogar lebensbedrohliche Sepsen und Lungenentzündungen verursachen. Die Compliance des Personals bei der Händehygiene hat hier einen direkten Einfluss auf die Sicherheit der Patienten: Je höher die Compliance, desto effektiver wird die Verbreitung krankheitserregender Keime verhindert.

Ähnlich wie in Krankenhäusern, sind nosokomiale Infektionen auch eine häufige Komplikation in der ambulanten Medizin. Eine wissenschaftliche Studie aus Spanien zeigt jedoch: Rund 80 % davon sind vermeidbare Komplikationen (1).

Eine mögliche Ursache für nosokomiale Infektionen ist die mangelnde Compliance unter Ärzten und Fachangestellten: Studien attestieren beispielsweise Pädiatern, Dermatologen und Nephrologen eine Compliance von unter 50 % (2-4). Die Folge: auf den Händen von rund 85 % der Ärzte konnten Staphylokokken gefunden werden – bei 9 % wurden sogar MRSA festgestellt (2, 3). Auch die Hände von Krankenschwestern, -pflegern und medizinischen Fachangestellten können mikroskopische Gefahren bergen: Auf einer Dialysestation identifizierten Forscher RNA von Hepatitis C Viren (HCV) bei rund jedem vierten für HCV-positive Patienten zuständigen Mitarbeiter (5). Eine andere Studie enthüllte, dass VRE-kolonisierte Patienten nahezu jede zweite Dialyseliege und damit die direkte Patientenumgebung bei der Dialyse mit VRE kontaminieren (6). Bei mangelnder Compliance unter den Gesundheitsmitarbeitern können so gefährliche Keime auf andere Patienten übertragen werden.

Was ist ein Moment der Händehygiene?

Ein Moment der Händehygiene ist eine Situation, in der eine Händedesinfektion indiziert ist. In diesem Moment besteht das Risiko, pathogene Erreger zu übertragen. Die Händedesinfektion kann dies effektiv unterbinden.

Momente der Händehygiene in ambulanten, nicht-invasiven Bereichen

In der ambulanten Medizin kann eine direkte Patientenumgebung üblicherweise nicht abgegrenzt werden. Die Händedesinfektion der Mitarbeiter muss hier daher nach folgenden vier Indikationen erfolgen:

  1. VOR Patientenkontakt
  2. VOR aseptischen Tätigkeiten (z. B. Injektionen, Punktionen, Verbandswechsel etc.)
  3. NACH Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien (z. B. Blut, Erbrochenem, Wundsekret, Nasensekret, Speichel etc.)
  4. NACH Patientenkontakt

Was ist ein Patientenkontakt?

Ein Patientenkontakt ist eine medizinische oder pflegerische Interaktion, bei dem die Haut direkt und intensiv berührt und die Intimsphäre des Patienten nicht gewahrt wird: Beispielsweise eine Palpation oder Auskultation.

Indikationen im ambulanten, invasiven Bereich

Dialyse, endoskopische oder radiologische Untersuchungen sind invasive Methoden, die in der ambulanten Medizin durchgeführt werden. Der Patient wird hierzu an einem definierten Ort mit ausschließlich auf ihn bezogenen Materialien behandelt. In diesen Situationen ist es demnach möglich, eine Patientenumgebung festzulegen. Die fünfte Indikation ist hier ebenfalls einzuhalten:

5.NACH dem Kontakt mit Oberflächen oder Gegenständen der unmittelbaren Patientenumgebung

Die direkte Patientenumgebung umfasst unter anderem die Untersuchungsliege, das Patientenbett (bspw. bei einer Dialyse), persönliche Gegenstände des Patienten, Endoskope, Beistelltische zur Ablage von Materialien sowie alle weiteren Materialien und Geräte, die bei der Behandlung des Patienten verwendet werden.

Quellen:  
Hand Hygiene in Outpatient and Home-based Care and Long-term Care Facilities. A Guide to the Application of the WHO Multimodal Hand Hygiene Improvement Strategy and the “My Five Moments for Hand Hygiene” Approach, 2012, World Health Organisation

Terminologie und Konzept der "5 Indikationen zur Händedesinfektion“, 2016, „Aktion Saubere Hände“

(1) Aranaz-Andres JM et al. A study of the prevalence of adverse events in primary healthcare in Spain. European Journal of Public Health, 2011 [E-pub November 29, 2011] doi:10.1093/eurpub/ckr168
(2) Cohen HA et al. Handwashing patterns in two dermatology clinics. Dermatology, 2002, 205: 358-361.
(3) Cohen HA et al. Handwashing patterns in primary pediatric community clinics. Infection, 1998, 26:45-47.
(4) Arenas MD et al. A multicentric survey of the practice of hand hygiene in haemodialysis units: factors affecting compliance. Nephrology, Dialysis, Transplantation, 2005,20:1164-1171.
(5) Alfurayh O et al. Hand contamination with hepatitis C virus in staff looking after hepatitis C-positive hemodialysis patients. American Journal of Nephrology, 2000, 20: 103-106.
(6) Grabsch EA et al. Risk of environmental and healthcare worker contamination with vancomycin-resistant enterococci during outpatient procedures and hemodialysis. Infection Control and Hospital Epidemiology, 2006, 27: 287-293.