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MRGN und ESBL in der Gastroenterologie

In Deutschland ist die Allgemeinbevölkerung inzwischen fast zehnmal häufiger mit multiresistenten gramnegativen Erregern  als mit MRSA kolonisiert. Darunter sind auch Bakterien, die Extended Spectrum-ß-Lactamasen bilden (ESBL). Das Risiko einer Übertragung von  ESBL in privaten Haushalten liegt laut Experten mit 25 Prozent deutlich höher als das Übertragungsrisiko in Krankenhäusern, das auf ca. 4-5 % geschätzt wird (1).

Die wachsende Verbreitung in privaten Haushalten wird damit auch zunehmend ein Thema der ambulanten Versorgung. Zu den wichtigsten Erregern dieser Gruppe gehören die Familie der Enterobacteriaceae, zu denen Escherichia coli zählt, also ein Darmbakterium, dass in der Gastroenterologie eine größere Rolle spielt. Die Anzahl der Patienten mit mit multiresistenten E. coli steigt und damit auch die Bedeutung dieser Keime für gastroenterologische Praxen und Abteilungen. 


Gramnegative Erreger häufig Auslöser gastrointestinaler Infektionen

Infektionen des Magen-Darm-Traktes sind meist Mischinfektionen. In der multizentrischen CIAO-Studie (2) wurde erstmals das Erregerspektrum von intraabdominellen Infektionen bei 2152 Patienten erfasst.

Bei ambulant erworbenen Infektionen überwiegen demnach gramnegativen Erreger. Die Autoren der Studie CIAO-Studie empfehlen vor dem Hintergrund der wachsenden Anzahl multiresistenter gramnegativer Erreger eine frühzeitige Probengewinnung zur mikrobiologischen Diagnostik.

Das Übertragungsrisiko von ESBL/MRGN in gastroenterologischen Praxen und Abteilungen steigt. Hygieneexperten z. B. von der DGKH sehen daher neben der korrekten Endoskopaufbereitung in Arztpraxen auch über die Basishygiene hinausgehende Maßnahmen bei bekannter Kolonisation mit MRGN/ESBL oder einem begründetem Verdacht vor. Diese sind in einem Hygieneplan festzuhalten (3):

Barriere-Maßnahmen bei MRGN während der Behandlung/direktem Kontakt:

  • Anlegen von Schutzkittel/rumpfbedeckender Schürze
  • Anlegen von keimarmen Schutz- und Untersuchungshandschuhen
  • Anlegen von Mund- und Nasenschutz:

    • Nur bei Maßnahmen mit Aerosolbildung und Bildung infektiöser Tröpfchen


Hygienemaßnahmen bei MRGN nach der Behandlung

  • Hygienische Händedesinfektion
  • Flächendesinfektion von Hand-Haut-Kontaktstellen
  • Desinfektion verwendeter Medizinprodukte (auch Blutdruckmanschette, Stethoskop etc.)
Identifikation gramnegativer Erreger in Zusammenhang mit intraabdominalen Infektionen

Quellen

1. W. Popp, K.-D. Zastrow.
Häufigkeit von multiresistenten Erregern. Hygiene-Tipp, Juli 2014,
Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e. V. www.krankenhaushygiene.de

2. Sartelli et al.
Complicated intra-abdominal infections in Europe: a comprehensive review of the CIAO study.
World Journal of Emergency Surgery 2012, 7:36  

3. AG Praxishygiene der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene
Leitfaden zu Organisation und Hygienemanagement in der Arztpraxis (Struktur- und Prozessqualität).
HygMed2013;38–3