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Resistente Bakterien auf dem Vormarsch:
WHO-Empfehlung zu Entwicklung und Einsatz von Antibiotika

Die Zahl antibiotikaresistenter nosokomialer Erreger nimmt zu – und mit ihnen das Risiko schwer therapierbarer Infektionen. Allein in Europa sterben jedes Jahr 25.000 und in den USA rund 23.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien [1, 2].
Dieser Entwicklung stellt sich die WHO mit diversen Aktionen und Kampagnen entgegen. Im Fokus dabei stehen Maßnahmen zur Prävention von Antibiotikaresistenzen. Neben einer rationalen Gabe von Antibiotika und der Entwicklung neuer, effektiver Medikamente, spielen auch konsequente Hygienemaßnahmen eine zentrale Rolle bei dieser Mission.
Im Februar 2017 veröffentlichte die WHO eine Liste jener antibiotikaresistenter Erreger, die den Experten zufolge im Fokus der Bemühungen um neue Behandlungsmaßnahmen stehen sollten. Diese Übersicht umfasst 12 Bakteriengruppen – gestaffelt nach Priorität. Je limitierter die Behandlungsmöglichkeiten, desto entscheidender die Entwicklung neuer Antibiotika [3].


WHO Prioritätenliste für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika

Priorität 1: KRITISCH

  1. Acinetobacter baumannii, Carbapenem-resistent
  2. Pseudomonas aeruginosa, Carbapenem-resistent
  3. Enterobacteriaceae, Carbapenem-resistent, resistent gegen Cephalosporine der 3. Generation


Priorität 2: HOCH

  1. Enterococcus faecium, Vancomycin-resistent
  2. Staphylococcus aureus, Methicillin-resistent, Vancomycin-intermediär oder -resistent
  3. Helicobacter pylori, Clarithromycin-resistent
  4. Campylobacter spp., Fluorochinolon-resistent
  5. Salmonellae spp., Fluorochinolon-resistent
  6. Neisseria gonorrhoeae, resistent gegen Cephalosporine der 3. Generation, Fluorochinolon-resistant


Priorität 3: MITTEL

  1. Streptococcus pneumoniae, Penicillin-unempfindlich
  2. Haemophilus influenzae, Ampicillin-resistent
  3. Shigella spp., Fluorochinolon-resistent


WHO-Kategorien für vorhandene Antibiotika

Als weiteren Schritt im Kampf gegen multiresistente Erreger, ergänzte die WHO im Juni 2017 die „Liste essenzieller Medikamente“ außerdem durch eine Kategorisierung vorhandener Antibiotika [4]: Die Experten definieren drei Gruppen: ACCESS (Zugriff), WATCH (Beobachten) und RESERVE (Rücklage). Diese Kategorien enthalten Empfehlungen, wann die entsprechenden Antibiotika angewandt werden sollten.

Zunächst gilt diese Klassifizierung nur für Antibiotika, mit denen die 21 häufigsten Infektionen behandelt werden. Sofern sich diese Aufteilung als nützlich erweist, soll sie auf weitere Infektionen ausgeweitet werden.

ACCESS: Die Antibiotika der ACCESS-Kategorie sollten immer verfügbar sein. Sie können für die Behandlung häufiger Infektionen, wie Lungenentzündungen, verwendet werden. Zu dieser Kategorie gehört beispielsweise Amoxicillin.

WATCH: Antibiotika der WATCH-Kategorie eignen sich als Erst- oder Zweitmedikament bei einer kleineren Auswahl von Infektionen und sollen nicht, wie bislang, für eine Vielzahl von Indikationen eingesetzt werden. Beispielsweise soll die Gabe von Ciprofloxacin, häufig bei der Therapie von Harnwegsinfektionen verschrieben, dramatisch reduziert werden, um weiteren Resistenz-Entwicklungen entgegen zu wirken.

RESERVE: Zur Kategorie der RESERVE-Antibiotika gehören unter anderem Colistin und einige Cephalosporine. Diese Medikamente sollten als letzte Option gehandelt werden und nur bei schwer zu behandelnden Infektionen, beispielsweise ausgelöst durch MRE, verwendet werden.

So wichtig die Entwicklung neuer Antibiotika und der rationale Antibiotika-Einsatz sind, mindestens ebenso dringlich ist eine effektive Prävention: Die Händedesinfektion wird dabei von der WHO als wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Infektionen bewertet – auch derjenigen, die durch multiresistente Keime ausgelöst werden. So könnten bis zu 40 % aller nosokomialen Infektionen allein durch eine korrekte Händedesinfektion vermieden werden [5].

Erfahren Sie mehr über das globale Problem der Antibiotikaresistenz und die Rolle der Händehygiene in unserer Storygrafik „Antibiotikaresistenzen: Vom globalen Problem zur multimodalen Lösung“.

 

Quellen:
1.    Antimicrobial Resistance and Healthcare-associated Infections Programme, European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). https://ecdc.europa.eu Letzter Zugriff am 24.04.2017
2.    Antibiotic / Antimicrobial Resistance, Centers for Disease Control and Prevention (CDC). https://www.cdc.gov/  Letzter Zugriff am 24.04.2017
3.    Global priority list ofantibiotic-resistant bacteria to giude research, discovery, and development of new antibiotics, World Health Organization (WHO) http://www.who.int Letzter Zugriff am 21.04.2017
4.    WHO updates Essential Medicines List with new advice on use of antibiotics, and adds medicines for hepatitis C, HIV, tuberculosis and cancer, World Health Organization (WHO). http://www.who.int Letzter Zugriff am 13.06.2017
5.     Evidence of hand hygiene to reduce transmission and infections by multi-drug resistant organisms in health-care setting, World Health Organization (WHO). http://www.who.int  Letzter Zugriff 18.04.2017