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120. Todestag des „Vaters der modernen Hygienewissenschaft“
Max von Pettenkofer: Mit der falschen Annahme zum richtigen Ziel

Geboren am 3. Dezember 1818 als fünftes von acht Kindern verbrachte Max von Pettenkofer die ersten Lebensjahre in ärmlichen Verhältnissen. Unter der Obhut seines Patenonkels wurde ihm eine hohe naturwissenschaftliche Ausbildung zuteil, schon bald zählte er zur wissenschaftlichen Elite. Trotz einer falschen Grundannahme über die Verbreitung von Krankheiten revolutionierte er die hygienische Lage der Stadt München und befreite sie von der Cholera-Epidemie [1, 2]. Das damals von ihm geleitete Institut für Hygiene in München trägt heute seinen Namen und erinnert so an seine Errungenschaften. Am 10. Februar 2021 jährt sich sein Todestag zum 120. Mal.

 

Krankmachender Dunst aus dem Boden

Als von Pettenkofer Mitte des 19. Jahrhunderts begann, die Cholera zu erforschen, war die Gruppe der Experten in zwei Lager gespalten. Während die einen von einer Übertragbarkeit durch den Menschen ausgingen, glaubte er als Anhänger der Miasmentheorie an den Zusammenhang mit Ausdünstungen des Bodens. Zwar vermutete er, dass eine Art „Keim“ im Menschen existierte, war aber davon überzeugt, dass die Infektiosität erst durch den Kontakt mit verunreinigtem Boden und dessen Ausdünstungen entstand [1].

Auch wenn diese Annahme falsch war, veranlasste sie ihn doch dazu, das Richtige zu tun. So stieß er in der damals in Dreck und Abwässern versinkenden Stadt München umfangreiche Sanitärreformen wie die hygienische Trinkwasserversorgung und den Ausbau der Kanalisation an, welche die Mortalität von Cholera sowie Typhus drastisch senkten [1, 2].

 

Wegbereiter der modernen Umweltmedizin

Von Pettenkofers Forschungen beschränkten sich jedoch nicht auf die Cholera, sondern umfassten sämtliche Umweltfaktoren, die maßgeblich auf den Menschen und dessen Gesundheit einwirken: Luft, Wasser, Boden, Abwasser, Flussverschmutzung, Heizung, Kleidung und die städtische Umwelt [1, 2]. Im Zuge seiner Untersuchungen befasste er sich unter anderem mit der Qualität von Raumluft und definierte den heute als Pettenkofer-Zahl bekannten maximalen CO2-Wert von 1000 ppm, der bis vor Kurzem für das Wohlbefinden in Innenräumen herangezogen wurde [3].

 

Rivalität unter Wissenschaftlern

Nachdem von Pettenkofer jahrzehntelang für seine Pionierarbeit im Bereich Hygiene hohes Ansehen genoss, entdeckte sein Rivale Robert Koch 1883 das Cholera-Bakterium Vibrio comma (heute Vibrio cholerae) und widerlegte so die Miasmentheorie. Um Koch Lügen zu strafen und seine Reputation wiederherzustellen, ließ sich von Pettenkofer sogar dazu hinreißen, eine Vibrio-haltige Lösung zu trinken, nach deren „Genuss“ er an Durchfall erkrankte, jedoch nicht verstarb. Doch die Wendung in seiner Karriere ließ sich nicht mehr umkehren. Von Pettenkofer wurde zunehmend in den Hintergrund gedrängt und nahm sich im Alter von 82 Jahren das Leben [4].



Quellen:
1. Locher WG. Max von Pettenkofer (1818–1901) as a Pioneer of Modern Hygiene and Preventive Medicine. Environmental Health and Preventive Medicine 2007;12: 238–245.
2. Evans AS. Pettenkofer Revisited. The Life and Contributions of Max von Pettenkofer (1818-1901). Yale Journal of Biology and Medicin 1973;46: 161–176.
3. https://www.co2-modell.nlga.niedersachsen.de/. Tab “Mehr Infos/Luftqualität und CO2-Konzentration”
4. Morabia A. Epidemiologic Interactions, Complexity, and the Lonesome Death of Max von Pettenkofer. American Journal of Epidemiology 2007;166: 1233–1238.