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KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens 2016

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt verschiedene Empfehlungen im Bereich Hygiene. Diese dienen als verbindliche Grundlage und Standard für die erforderlichen Maßnahmen in der Infektionsprävention im Gesundheitswesen. 2016 erneuerte die Kommission ihre Empfehlungen zur Händehygiene, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Studien. Die Empfehlung richtet sich an in alle stationären und ambulanten Gesundheitseinrichtungen sowie in der ambulanten Betreuung pflegebedürftiger Menschen und der pflegerischen Betreuung von Heimbewohnern tätigen Personen.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

Hygienische Händedesinfektion

Durchführung und Indikationen
Bei der hygienischen Händedesinfektion muss die gesamte Hand für die Dauer der vom Hersteller deklarierten Einwirkzeit mit dem Desinfektionsmittel benetzt sein – hier sind insbesondere auch die Fingerspitzen, Nagelfalze und Daumen zu beachten. Als Richtwert für die Menge gelten 3 bis 5 ml Desinfektionslösung – das entspricht der Menge, die in eine Hohlhand passt.

Sind die Hände sichtbar kontaminiert, sollte die Verunreinigung  vor der Desinfektion der Hände mit einem mit Händedesinfektionsmittel getränkten Zellstofftuch entfernt werden. Bei starken Verunreinigungen werden die Hände zunächst in einem Waschbecken abgespült  und gewaschen, bevor die Desinfektion durchgeführt wird. Hierbei ist besonders darauf zu achten, die Arbeitskleidung und die Umgebung nicht durch Spritzer zu kontaminieren.

Kommen die Unterarme mit potenziell kontaminiertem Material in Kontakt, sind diese außerdem in die Desinfektion mit einzubeziehen.

Nicht nur die richtige Technik, auch der Zeitpunkt der Händedesinfektion ist für eine gute Infektionsprävention ausschlaggebend. Die hygienische Desinfektion der Hände ist daher gemäß der 5 Momente der WHO durchzuführen: Unmittelbar vor direktem Patientenkontakt, unmittelbar vor aseptischen Tätigkeiten, unmittelbar nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material, nach Kontakt mit der direkten Patientenumgebung und nach direktem Patientenkontakt. Als zusätzlicher Moment fällt auch nach dem Ablegen von Einmalhandschuhen eine Händedesinfektion an.

Mehr Informationen zu den 5 Momenten der Händehygiene und hilfreiche Poster zum kostenlosen Download finden Sie im CENTER-Bereich.

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Händedesinfektionsmittel für die hygienische Händedesinfektion: Das Mittel der Wahl
Für eine hygienische Händedesinfektion werden Mittel auf Alkoholbasis empfohlen. Zusätzliche antimikrobiell remanent wirksame Inhaltsstoffe verbessern die Wirksamkeit nicht, können jedoch das Risiko für Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Allergien erhöhen. Präparate mit diesen Zusätzen empfiehlt die KRINKO daher nicht. Um der Weiterverbreitung von Viren entgegen zu wirken, sind entsprechend wirksame Mittel zu verwenden. Bei behüllten Viren sind begrenzt viruzide Händedesinfektionsmittel einzusetzen, im Falle von unbehüllten Viren ist, abhängig von der Virusspezies, das Wirkungsspektrum begrenzt viruzid Plus oder viruzid einzusetzen. Bei viruziden Händedesinfektionsmitteln ist ggf eine verlängerte Einwirkzeit zu beachten. Das  Wirkungsspektrum „begrenzt viruzid Plus“ wurde neu eingeführt. Entsprechende Desinfektionsmittel sind wirksam gegen behüllte Viren sowie Adeno-, Noro- und Rotaviren.

In der Desinfektionsmittelliste des VAH und des RKI sind Händedesinfektionsmittel aufgeführt, die die Anforderungen an die jeweilige Wirksamkeit erfüllen und daher für die Auswahl passender Präparate herangezogen werden können. 

Das richtige Produkt im richtigen Moment: Das Produktsortiment zur Händedesinfektion von HARTMANN.

Optimierte Spenderplatzierung für eine bessere Compliance
Händedesinfektionsmittelspender müssen überall vorgehalten werden, wo Händedesinfektionen durchgeführt werden müssen. Daher ist die bettennahe Platzierung von Spendern wichtig. Auf Intensiv- und Dialysestationen sollte bettnah mindestens ein Spender pro Bett installiert sein, auf Normalstationen mindestens ein Spender je zwei Patientenbetten, sowie ein Spender in der Sanitärzelle. Darüber hinaus wird empfohlen, mobile oder montierte Spender an reinen oder unreinen Arbeitsplätzen und in Schleusen vorzuhalten [Kat. II]. Zusätzlich können Mitarbeiter auf Kittelflaschen oder Spender auf dem Visiten- oder Verbandwagen zurückgreifen, wenn es die räumlichen Verhältnisse oder die Patientenversorgung erforderlich machen.

Hautschutz und Hautpflege

Aufgrund der erhöhten Belastung sollte die Haut regelmäßig mit geeigneten Hautschutz- und Hautpflegemitteln behandelt werden. Die verwendeten Präparate sollten eine dermatologisch nachgewiesene Effektivität aufweisen. Produkte ohne Duft- und Konservierungsstoffe  sowie Urea sind zu bevorzugen.

Compliance verbessern – Qualität sichern

Interventionen und Schulungen zur Compliance-Steigerung
Interventionen können die Compliance in der Händehygiene fördern - insbesondere regelmäßige Evaluationen und Feedback sind wichtige Instrumente. Als Maßnahme des Qualitätsmanagements sollten solche Interventionen daher in jeder Einrichtung durchgeführt werden. Die Compliance der Händehygiene kann durch direkte Beobachtung (Goldstandard) oder elektronische Systeme gemessen werden. Als Surrogatparameter kann außerdem die Bestimmung des Händedesinfektionsmittel-Verbrauchs herangezogen werden.

Insbesondere im Falle eines Anstiegs der nosokomialen Infektionen oder verstärkter Verbreitung von MRE ist die direkte Beobachtung anzuwenden. Aus den erhobenen Daten können im Anschluss direkt Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance abgeleitet werden.

Mindestens jährlich sind alle Mitarbeiter zu den Indikationen und Durchführung der Händehygiene zu schulen. Hier können beispielsweise Händedesinfektionsmittelmit fluoreszierendem Farbstoffe eingesetzt werden. Neue Mitarbeiter sind im Rahmen der Einweisung in den Infektions- und Arbeitsschutz auch in die einrichtungsspezifische Festlegung der Händehygiene zu unterweisen bevor sie patientennahe Tätigkeiten aufnehmen. Je nach Kenntnisstand können auch hier Trainings und Schulungen sinnvoll sein.

BODE SCIENCE CENTER Tipp:
Besonders effektiv für die nachhaltige Steigerung der Compliance sind multimodale Programme, die mehrere Maßnahmen kombinieren. Einen neuen Ansatz bietet hier das Evolutionsmodell von HARTMANN, dass Kliniken Schritt für Schritt mit evidenz-basierten Maßnahmenbündeln bei der Verbesserung der Compliance unterstützt. Erfahren Sie mehr über das multimodale Programm im CENTER-Bereich.
Mehr über die wissenschaftliche Grundlage multimodaler Interventionsmodelle erfahren Sie im SCIENCE-Bereich:
Rodriguez et al. (2015): Wie ein multimodales Interventionsprogramm die Händehygiene nachhaltig verbessern kann.
Day et al. (2009): Von 45 auf 85 %: Eine multimodale Händehygiene-Intervention steigert die Compliance.
Luangasanatip et al. (2015): Programme zur Compliance-Steigerung im Überblick: So erfolgreich sind sie.

Hygienepläne umfassend gestalten
Die Empfehlungen der KRINKO zur Händehygiene müssen sowohl in den Hygieneplänen als auch in den relevanten SOPs berücksichtigt werden. Der Hygieneplan sollte Informationen zu Indikationen, Durchführung der Desinfektion, Auswahl der Händedesinfektionsmittel sowie Auswahl und Umgang mit Einmalhandschuhen enthalten.


Patienten und Besucher einbeziehen
Zur Vorbeugung des Risikos nosokomialer Infektionen , sind auch Patienten und Besucher in die Maßnahmen der Händehygiene einzubeziehen. Um das Interesse bei diesen Zielgruppen zu wecken, eignen sich Informationsmaterialien, wie Flyer, Poster und Patientenbroschüren.


Quellen:
Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene  und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl. 2016, 59:1189–1220.                                                                                                                                                                                                   

Erratum zu: Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene  und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl. 2016, 59:1503–1504.