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Mehr Sicherheit im OP durch eingespielte Teams und optimierte Abläufe

Dr. Nils Farhan
Dr. Nils Farhan, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Zentrum für Orthopädische Chirurgie der Tabea Klinik, Hamburg.

Die WHO widmete den diesjährigen Welthändehygienetag am 5.5. dem besseren Infektionsschutz bei chirurgischen Eingriffen. Dr. Nils Farhan, Arzt am Zentrum für Orthopädische Chirurgie (ZOC) des Hamburger Tabea Krankenhauses, schildert wie er aus Sicht des Chirurgen die Hygienesicherheit von Eingriffen wahrnimmt und welche Sicherheitskultur seine Klinik etabliert hat.


In Umfragen geben Patienten an, dass sie im Krankenhaus mehr Angst vor Infektionen als vor Behandlungsfehlern haben. Ist diese Entwicklung schon in Ihren Patientengesprächen angekommen?

Ja, diese Fragen kommen immer häufiger vor. Wir können unsere Patienten aber dahingehend beruhigen, als dass wir ein anderes Keimspektrum haben als andere Häuser. Kliniken, die beispielsweise mit einer Notfallabteilung arbeiten oder große darmchirurgische Eingriffe vornehmen, haben naturgemäß aufgrund der dort vorhandenen Keime ein anderes Risikoprofil.


Welche chirurgischen Eingriffe werden bei Ihnen durchgeführt und wie bewerten Sie deren Infektionsrisiko?

Wir haben im Tabea Krankenhaus das Zentrum für Venen- und Dermato-Chirurgie und das Zentrum für Orthopädische Chirurgie und führen hier überwiegend dermato-chirurgische Eingriffe sowie elektive orthopädische Eingriffe aller großen Gelenke durch. Bei den oberflächlichen Hautoperationen besteht per se ein geringeres Infektionsrisiko. Die elektiven Gelenkeingriffe, etwa bei der Endoprothetik oder der Wirbelsäulenchirurgie sind operationsbedingt natürlich tendenziell mit einem höheren Risiko verbunden. Deshalb stellen wir dort auch besondere Ansprüche an die Erfahrung und technische Durchführung.


Sie haben eine geringe Infektionsrate in Ihrer Klinik. Welche Präventionsmaßnahmen haben Sie etabliert?

Bei komplexen Eingriffen wird präoperativ immer ein entsprechendes Laborscreening durchgeführt. Eine häufige Infektionsquelle stellen ja die körpereigenen Keime des Patienten dar, sodass hier präoperativ ein Status erhoben werden muss. Unklare Infektparameter werden sowohl dentistisch als auch internistisch eingehend abgeklärt – unsere Grenzwerte sind da sehr niedrig. Da wir eine große Anzahl geplanter Eingriffe haben, können wir auch ein risikoadaptiertes MRSA-Screening durchführen und bei positivem Befund eine Eradikationstherapie. Damit haben wir schon wesentliche Infektionsrisiken erfasst.


Wie sorgen Sie und Ihr Team direkt im OP für mehr Sicherheit?

Ganz wichtig sind optimierte OP-Abläufe, die sich aus einer Spezialisierung ergeben, und ein eingespieltes Team. Denn dadurch kann die OP-Zeit wesentlich verkürzt werden. Daraus resultiert eine deutliche Senkung des Infektionsrisikos gerade bei komplexen Eingriffen. Wir arbeiten nur mit erfahrenem Stammpersonal, das nicht nur die Abläufe perfekt beherrscht, sondern auch unseren Hygieneplan kennt und umsetzt.


Was gehört für Sie zu einer Sicherheitskultur unbedingt dazu?

Die Unterstützung der Klinikleitung ist natürlich unabdingbar. Bei uns werden alle Mitarbeiter regelmäßig geschult und zudem wird beobachtet, wie die Hygiene im klinischen Alltag umgesetzt wird und die Mitarbeiter erhalten ein entsprechendes Feedback. Zu unserer Kultur gehört auch, dass man einen offenen Umgang pflegt und sich gegenseitig anspricht, wenn einem bei dem Kollegen etwas auffällt.


Hat die allgemeine Zunahme multiresistenter Erreger mit der Gefahr limitierter  Behandlungsmöglichkeiten Ihre Arbeit verändert, und wenn ja, wie?

Ja, das präoperative risikoadaptierte MRSA-Screening zum Beispiel hat generell an Stellenwert gewonnen. In der postoperativen Behandlung spielen auch Isolierung und Barrierepflege heute eine größere Rolle.


Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft auf Ihr Fach zukommen?

Die Zahl der multiresistenten Keime wird vermutlich weiter zunehmen. Nicht umsonst wird doch mittlerweile ein relativ großer Aufwand betrieben, um Risikopatienten zu identifizieren. Denn wenn eine Wundinfektion erst einmal da ist, ist sie schwierig zu behandeln. Natürlich würde ich die Entwicklung neuer Antibiotika begrüßen, z. Zt. ist jedoch die einzige Option, die Infektionsrisiken für unsere Patienten mit optimaler technischer Durchführung der Eingriffe und einer konsequenten Umsetzung der Hygiene größtmöglich zu senken.


Hätten Sie mit diesen Herausforderungen gerechnet, als sie sich für die Chirurgie entschieden?

Ja und nein. Ich bin hauptsächlich Chirurg geworden, weil es ein spannendes Fach ist, bei dem man sich permanent weiter entwickeln muss. Da ist die Art der Herausforderung erst einmal nebensächlich. Was in diesem Fach immer bleibt, ist, dass man den Menschen direkt helfen kann. Deshalb fasziniert mich auch Sporttraumatologie besonders. Es ist immer wieder eine Freude, wenn man sieht wie Leistungssportler nach einer Operation ihre Mobilität wieder erlangen und ihre Ziele wieder erreichen können.

Dr. Nils Farhan arbeitet als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Zentrum für Orthopädische Chirurgie (ZOC) der Tabea Klinik, Hamburg. Das spezialisierte ZOC führt in seinen zwei Abteilungen Endoprothetik und Gelenkchirurgie sowie Wirbelsäulen und Neurochirurgie jährlich mehr als 2.200 Eingriffe durch und wurde mehrmals ausgezeichnet. Dr. Farhans Steckenpferd ist die Sporttraumatologie. In seiner Freizeit kümmert er sich als Mannschaftsarzt um die Bundesliga-Damenhockeymannschaft des Hamburger Club an der Alster.