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SARS-CoV-2: Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an Flughäfen und im Flugzeug?

Die Coronapandemie hat weltweit unser Alltagsleben auf den Kopf gestellt und auch das Reiseverhalten der Menschen stark verändert. Nachdem im Frühjahr beinahe der gesamte globale Flugverkehr zum Erliegen kam, normalisiert sich die Lage seit den Sommermonaten langsam wieder. Während die einen wieder ohne allzu große Bedenken in ein Flugzeug steigen würden, sorgen sich viele andere wegen des Ansteckungsrisikos und meiden diese Art der Fortbewegung weiterhin. Jedoch ist noch nicht vollständig geklärt, wie groß das Risiko tatsächlich ist, sich am Flughafen oder im Flugzeug mit SARS-CoV-2 zu infizieren.

Fluggesellschaften verweisen auf die leistungsfähigen Lüftungssysteme in Flugzeugkabinen, die einen permanenten Luftaustausch gewährleisten und Infektionen dadurch selbst bei geringem Abstand zu den Mitreisenden unwahrscheinlich machen sollen. Der Experte für Lüftungssysteme Qingyan Chen von der Purdue Universität in Indiana, USA, zeigte allerdings bereits im Jahr 2011 (Gupta et al. 2011) mit Hilfe einer CFD Simulation, dass sich die von einer infizierten Person ausgestoßenen, virushaltigen Aerosole deutlich weiter als angenommen in Flugzeugen verteilen können. Auch der Hamburger Professor für Flugzeugentwurf, Flugmechanik und Flugzeugsysteme Dieter Scholz warnt vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit Flugreisen. Er weist jedoch darauf hin, dass das Infektionsrisiko auch im Zusammenhang mit der aktuellen Infektionstätigkeit im Herkunfts- und Reiseland steht. Beim derzeitigen Infektionsgeschehen in Deutschland (Stand: Mitte Juli 2020) geht er von einem rechnerischen Ansteckungsrisiko von etwa 1:1000 bei einem durchschnittlichen Flug aus.

Interessante Ergebnisse zur Rolle der Händehygiene lieferte eine Modellierungs- und Simluationsstudie eines internationalen Teams, die bereits Ende 2019 erschien. Die Studie hatte somit noch keinen Bezug zur aktuellen Pandemie, basierte allerdings auf der Annahme eines grippeähnlichen Erregers. Die Forschenden fanden heraus, dass eine verbesserte Händehygiene an Flughäfen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten je nach Umfang und Reichweite der Maßnahmen um mindestens 24 % bis hin zu 69 % hemmen könnte. Sie schlussfolgern, dass das richtige Händewaschen einen wichtigen Einfluss auf die weltweite Verbreitung von durch Kontakt oder in der Luft übertragenen Infektionskrankheiten haben kann.

Um das Risiko im Flughafen und beim Fliegen so gering wie möglich zu halten, wurden umfangreiche Maßnahmen erlassen, die Sie in den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der European Union Aviation Safety Agency nachlesen können. Passagiere an deutschen Flughäfen müssen je nach Art der Anreise spätestens ab dem Betreten des Flughafengebäudes durchgängig einen geeigneten Mund-Nasen-Schutz tragen (Ausnahme: Essen und Trinken an Bord), sich an den gebotenen Mindestabstand halten (Ausnahme: Sitzplätze an Bord) sowie die bekannten Hygieneregeln einhalten.

Fliegen ja oder nein? Diese Frage muss folglich nach wie vor jede(r) für sich selbst abwägen, denn Übertragungen von SARS-CoV-2 an Flughäfen oder im Flugzeug lassen sich trotz aller epidemiologischen Maßnahmen nicht ausschließen, solange die Pandemie besteht. Für den oder die Einzelne(n) heißt es also weiterhin „AHA“: Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmaske tragen.