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Richtig umgehen mit Fake News

Wider die „Infodemie“

Falsche Informationen sind in der aktuellen Pandemie zu einem Problem geworden. Es kursieren Mythen und Fehlinformationen zum neuen Coronavirus und der von ihm ausgelösten Krankheit COVID-19. Besorgte Menschen fragen beispielsweise: Hilft die alkoholische Händedesinfektion bei SARS-CoV-2? Antworten finden sie mit wenigen Clicks im Internet – wissenschaftlich fundierte ebenso wie schwadronierte. Wie sollten wir mit diesen Informationen umgehen?


„Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie“, das sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, laut Medien während der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar (1). Und das gilt nicht nur für gezielte Fehlinformationen, sondern teilweise auch für wissenschaftliche Studien.


Zweifelhafte Studie

Falsche Einschätzungen kursieren beispielsweise auch zur Wirksamkeit der alkoholischen Händedesinfektion beim neuen Coronavirus und anderen Krankheitserregern. Sie einfach als Fake News oder das Ergebnis schlampiger redaktioneller Arbeit abzutun, wäre der falsche Weg damit umzugehen. Wir sollten Fehleinschätzungen ernst nehmen und seriös demaskieren. Die Wissenschaftlerin Alexandra Peters (University Hospitals of Geneva University Hospitals of Geneva and World Health Organization (WHO) Collaborating Centre) hat vorgemacht, wie das geht: Sie sezierte im November letzten Jahres (also noch vor SARS-CoV-2) gemeinsam mit Didier Pittet eine im Fachmagazin „mSphere“ der American Society for Microbiology publizierte Studie. Diese bezweifelte die Wirksamkeit der etablierten Händehygienemaßnahmen gegen Infuenzaviren und fand daher auch in Publikumsmedien Beachtung (2). 


Mühevolle Arbeit: seriös bleiben!

Das Urteil der beiden Wissenschaftler über die betreffende Studie nach einer detaillierten Analyse war vernichtend: Nicht nur die Schlussfolgerung sei falsch, so Peters. Die Studie weise gravierende Mängel im Design der Experimente auf und habe obendrein keine klinische Relevanz. Insgesamt zeigten die Autoren, dass sie weder die klinische Praxis noch die gegenwärtigen Empfehlungen zur Händehygiene oder die aktuelle Fachliteratur kennen würden. Das alles schrieben Peters und Pittet in einem ausführlichen Leserbrief, der später ebenfalls in „mSphere“ veröffentlicht wurde (3). Sie beendeten ihn mit einer Klarstellung: Die alkoholische Händedesinfektion sei extrem wirksam gegen Influenzaviren und helfe effektiv gegen nicht-sporenbildende Organismen, unbehüllte Viren eingeschlossen. 


Verzerrende Überschrift

Nicht immer liegt der Schwarze Peter bei den Autoren einer Studie oder ihren Gutachtern. Das zeigt sich in einem ähnlichen Fall, der ebenfalls Widerspruch der Wissenschaftler hervorrief (4): In einem Leserbrief an das renommierte Fachmagazin „Lancet“ wandten sie sich 2018 zusammen mit einer weiteren Kollegin gegen eine dort veröffentlichte Studie zur angeblichen Toleranzentwicklung von Enterococcus faecium gegen Isopropanol: Nach Analyse der Studie machten sie vor allem die Presseabteilung des Verlags verantwortlich für die Verbreitung der Falschnachricht (5). Denn die hatte die Pressemitteilung zur Studie mit folgender Überschrift aufgemacht: „Hospital superbugs becoming resistant to alcohol disinfectants“. Eine verzerrende Aussage, so die WHO-Experten, wenn man bedenke, dass „alkoholische Händedesinfektionsmittel auf der WHO-Liste essenzieller Medikamente stehen und jährlich weltweit Millionen Leben retten“. 


Was tun? - mit System gegen Fake News 

Alexandra Peters entwickelt derzeit gemeinsam mit weiteren KollegInnen im Rahmen der auch von HARTMANN unterstützen internationalen Initiative CLEAN HOSPITALS eine Handlungsanweisung. Damit können WissenschaftlerInnen Falschinformationen analysieren und kategorisieren. Anschließend soll das Tool dabei helfen, auf systematische Weise auf die Fake News zu reagieren. Eine erste Version der Handlungsanweisung wurde bereits entwickelt, ebenso ein Erfassungsformular. Beides soll nun getestet und validiert werden.


Webseite gegen Mythen über SARS-CoV-2/Covid-19

Gezielte Unterstützung im aktuellen Kampf gegen Falschnachrichten bietet auch die WHO. Auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite räumt die Weltgesundheitsorganisation mit Mythen rund um das neuartige Coronavirus und COVID-19 auf. Zu jedem Thema können Grafiken mit Fragen und Antworten heruntergeladen oder mit anderen geteilt werden. 

Quelle: https://www.who.int/images/default-source/health-topics/coronavirus/myth-busters/mythbusters-33.png

Gegen SARS-CoV-2-Mythen: Webseite der WHO

Laden Sie Grafiken mit Fragen und Antworten zu den häufigsten Mythen über SARS-CoV-2 und COVID-19 herunter oder teilen Sie diese mit anderen!



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