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Experten-Gespräch: Win-win-Situation für Praxen und Behörden möglich“

Axel Jakobi
Axel Jakobi, ehem. Vorsitzender der Hygieneinspektoren, Referent der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen Düsseldorf, Hygieneinspektor, HHR Lead-Auditor Praxismanagement Bublitz
Mark Peters
Mark Peters, Praxismanagement Bublitz-Peters, QM Auditor, Mediator, Lead Auditor Heidelberger Hygiene Rating (HHR)

Das Heidelberger Hygiene-Rating (HHR) versteht sich als unabhängige Überprüfungsinstitution, die die Hygiene-Qualität in Arztpraxen bewertet, weiterentwickelt und zertifiziert. Seit 2012 wurden fast 3.000 Praxen im Rahmen der Initiative betreut. Axel Jakobi, Hygieneinspektor und Lead-Auditor des HHR und Mark Peters, Praxismanagement Bublitz-Peters, ebenfalls Lead Auditor des HHR, erläutern im Interview, wie aus Hygienebegehungen für Praxen und Behörden eine Win-Win-Situation wird und welche Hygieneschwachstellen immer wieder auftreten.


Herr Peters, als Berater unterstützen Sie Arztpraxen beim Aufbau eines guten Hygienemanagements und bereiten die Praxen damit auch auf Hygienebegehungen vor. Ist eine gute Vorbereitung alles?

Mark Peters: Grundsätzlich muss die Basis stimmen. Wer erst vor einer angekündigten Begehung anfängt, sich um Hygiene zu kümmern, wird das Klassenziel nicht erreichen, ganz zu schweigen von unangekündigten Praxisbegehungen der Behörden. Unsere Arbeit ist daher auf die Erreichung hoher Standards in der täglichen Praxis und auf Nachhaltigkeit angelegt: Ein aktuelles Best Practice Beispiel ist die Fachinternistische Gemeinschaftspraxis Dr. Hurst und Dr. Simonis, Darmstadt,  die gemeinsam mit anderen Praxen im Oktober und November vom Regierungspräsidium und Gesundheitsamt Darmstadt begangen wurde.


Was hat die Praxis richtig gemacht?

Mark Peters: Oftmals bedeutet eine Begehung Stress. Die Ärzte und Praxismitarbeiter haben das Gefühl, den Kontrollen schutzlos ausgeliefert zu sein. Das Darmstädter Praxisteam hingegen war durch die Beratung im Rahmen des Heidelberger Hygiene-Rating (HHR) sehr gut aufgestellt. Die Behördenmitarbeiter fanden lobende Worte, denn die Arbeit und Motivation der Praxis überzeugten. Bei Fehlern, die noch vereinzelt auftauchten, hagelte es daher auch nicht  Ermahnungen, sondern Empfehlungen und Tipps von der Behörde auf Augenhöhe. So sahen die Praxismitarbeiter und Ärzte ihre Arbeit genauso bestätigt wie die Behördenmitarbeiter  – eine echte „WIN-WIN“-Situation  auch im Sinne der Patientensicherheit.


Herr Jacobi, Sie haben als Hygieneinspektor sehr viele Praxen gesehen. Wo sehen Sie die häufigsten Gründe für Hygienemängel?

Axel Jacobi:  Zeitmangel, Stress, nicht qualifiziertes Personal sind die häufigsten Ursachen für Versäumnisse bei der Hygiene. Der zeitliche Aufwand, den ein Praxisbetrieb erfordert, wird häufig unterschätzt: der Personalschlüssel errechnet sich aus Art und Anzahl der Untersuchungen und muss den Personaleinsatz außerhalb der normalen Dienstzeit (ggfs. Überstunden) der einzelnen Personen berücksichtigen. Darüber hinaus ist zusätzliches Personal für die notwendigen Sekretariatsarbeiten, das Bestellwesen, die Materialbeschaffung, die Patienteneinbestellung, die Befunddokumentation und die Archivierung sowie die Korrespondenz mit den zuweisenden Ärzten einzuplanen. Zeitmangel führt häufig auch zur Vernachlässigung der Schulungspflicht. Ungeschultes Personal wiederum kann keine gute Hygienequalität gewährleisten.


Die Einhaltung der Vorgaben zur Hände- und Flächenhygiene sind elementarer Bestandteil eines guten Hygienestandards. Welche Versäumnisse sind Ihnen hierbei im Rahmen Ihrer Ratings aufgefallen?

Axel Jacobi: Desinfektions- und Hygienepläne sind nicht an die Erfordernisse der Einrichtung angepasst. In einigen Räumlichkeiten werden die Verbrauchsgüter (Kartonagen, andere Verbrauchsgüter, usw.) auf dem Fußboden und auf den Schränken, Fensterablagen gelagert. Ebenso sind Ablageflächen in Behandlungsräumen häufig überladen. Dadurch ist keine ausreichende Flächenreinigung und -desinfektion möglich. Außerdem werden immer wieder falsche Konzentrationen angewendet. Bei der Reinigungsleistung haben wir in 8 von 10 Fällen Mängel erkannt. Bei externen Unternehmen muss beispielsweise das Leistungsverzeichnis mit dem Zeitmanagement übereinstimmen, d.h., die zu reinigende Fläche muss zum Zeitverhältnis der zu Verfügung stehenden Personen und deren Arbeitszeit passen – das war in 8 Fällen nicht erfüllt.


Was könnte man hier besser machen?

Axel Jacobi: Entweder müssen Vorräte reduziert oder noch zusätzliche Schränke zur staubgeschützten Lagerung angeschafft werden. Nur so ist auch eine ausreichende Wischdesinfektion bzw. Reinigung auf den Flächen möglich. Bei der Flächenhygiene ist die Umgebungskontamination von großer Bedeutung, denn patientennahe Flächen sind kontaminationsgefährdet und müssen desinfiziert werden.
Um auch bei erhöhtem Patientenaufkommen eine Flächendesinfektion zu gewährleisten, empfehlen sich gebrauchsfertige, vorgetränkte Einmaltücher. Dabei entfällt die Vorbereitungszeit und es kann zu keinen Dosierfehlern und Keimverschleppungen kommen.

Ein wichtiges Thema ist auch die Händedesinfektion. Bei endoskopischen Eingriffen sind i.d.R. mehr Händedesinfektionen gefordert als tatsächlich umgesetzt werden. Hier helfen Spender, die in unmittelbarer Nähe der Patientenversorgung und in Sichtweite angebracht sind. Die WHO empfiehlt sogar, dass sich Spender maximal eine Armlänge entfernt vom so genannten Point of Care, vom Ort der Patientenversorgung also, befinden sollen.

 

Herr Jakobi und Herr Peters: Vielen Dank für das Gespräch!