Wir forschen für den Infektionsschutz

Kontakt

Experten-Hotline 
zu Fragen rund um 
Hygiene und Desinfektion
Tel.: +49 (40)-54 00 6 -111
Fax: +49 (40)-54 00 6 - 777
E-Mail: contact[at]bode-science-center.com

Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo. - Do. 8:00 bis 16:30 Uhr
Freitag    8:00 bis 15:00 Uhr

Für Anrufer aus Österreich:
Tel.: 02236 646 3070

Experten-Interview
Empfehlungen zur Lagerung von Endoskopen

Prof. Dr. Heike Martiny
Prof. Dr. Heike Martiny, ehemalige Leiterin der AG Technische Hygiene Charité - Universitätsmedizin Berlin

Die Aufbereitung eines Endoskops endet erst mit der dokumentierten Freigabe des Medizinproduktes zur erneuten Anwendung bzw. Lagerung. Prof. Dr. rer. nat. Heike Martiny, ehemalige Leiterin der AG Technische Hygiene Charité - Universitätsmedizin Berlin, erklärt, worauf es bei der Aufbewahrung von Endoskopen ankommt und wie die neue DIN EN 16442 für Lagerungsschränke zu bewerten ist.


Welche Risiken können durch eine fehlerhafte Lagerung von Endoskopen entstehen?

Es ist unerlässlich, dass für aufbereitete Endoskope eine kontaminationsgeschützte Lagerungsart gewählt wird.  In ihren Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die Endoskope „vorzugsweise hängend in einem geschlossenen Endoskopschrank“ aufzubewahren. Auch hängend aufbewahrte Endoskope können rekontaminiert werden, wenn sie offen im Untersuchungsraum gelagert werden. Auf keinen Fall dürfen Endoskope im Transportkoffer liegend gelagert werden. Hier ist der Radius zu klein und die Endoskopkanäle werden abgeknickt und beschädigt.


Gibt es eine maximale Lagerungsdauer für Endoskope?

Die KRINKO-/BfArM-Empfehlung beruft sich in ihren Empfehlungen auf Untersuchungen, die belegen, dass ein korrekt aufbereitetes und in einem Endoskopschrank hängend aufbewahrtes Endoskop 7 bis 14 Tage nach erfolgter Aufbereitung noch keimfrei bzw., wie an anderer Stelle gesagt wird, keimarm ist.


Was passiert danach?

Eine Keimfreiheit bei längerer Lagerung im Endoskopschrank als 14 Tage ist nicht belegt. Das Gegenteil allerdings auch nicht. In der KRINKO-/BfArM-Empfehlung heißt es allgemein, selten genutzte Endoskope wie z. B. Duodenoskope und Geräte, die vor mehr als 14 Tagen aufbereitet wurden, sollten vor Einsatz am Patienten sicherheitshalber erneut aufbereitet werden. Leider gibt es hierzu weder valide Daten noch einheitliche Empfehlungen. So erklärt die aktualisierte Multi-Societies-Guideline amerikanischer Fachgesellschaften beispielsweise eine Lagerung aufbereiteter Endoskope für 10 bis 14 Tage für sicher. Die Australische Leitlinie empfiehlt hingegen eine Lagerung von Gastroskopen und Koloskopen von nur 72 Stunden und von Duodenoskopen und Bronchoskopen von sogar nur 12 Stunden.


Welche Kontaminationsgefahr geht von Restnässe aus?

Ich kann keine Aussage darüber machen, ob es in einem korrekt aufbereiteten (gereinigt, desinfiziert, gespült) aber noch nassen Endoskopkanal zu mikrobiellem Wachstum kommt. Wenn ja, dann entstünde diese Gefahr aber sicher nicht erst nach einer Lagerungsdauer von 10 oder 14 Tagen, sondern bereits nach einigen Stunden. Bei einem nassen Kanal besteht aber die Möglichkeit, dass Restnachspülwasser austritt und zwar sowohl bei einer liegenden als auch hängenden Lagerung. Und über die Umgebungsluft oder Lagerungsfläche ist dann eine Kontamination durch mikrobielles Wachstum wahrscheinlich. Ein korrekt aufbereitetes Endoskop dürfte diese Restnässe aber gar nicht haben, denn entweder endet der maschinelle Aufbereitungsprozess mit einer Trocknung oder die Kanäle müssen wie beim manuellen Prozess mit Druckluft durchgeblasen werden, bevor eine Lagerung erfolgt. Auch der Endoskopmantel muss natürlich getrocknet werden.


Reduziert die seit Mai 2015 vorliegende DIN EN 16442 für Lagerungsschränke die Kontaminationsrisiken bei der Lagerung flexibler Endoskope?

Eines vorweg: Wie alle  DIN-Normen, ist auch die DIN EN 16442 ein unter der Leitung eines Arbeitsausschusses im Deutschen Institut für Normung erarbeiteter freiwilliger Standard, der angewendet werden kann, aber nicht muss. Die DIN EN 16442 legt Leistungsanforderungen und entsprechende Prüfungen für Lagerungsschränke fest, die nach einer maschinellen oder manuellen Aufbereitung zur Lagerung und ggf. Trocknung der thermolabilen Endoskope zum Einsatz kommen. Die in den Schränken geregelten Umgebungsbedingungen sollen dabei sicherstellen, dass während dieser Lagerung keine Verschlechterung der mikrobiellen Beschaffenheit des Endoskops auftritt. In der Norm heißt es auch, dass die Trocknungsfunktion des Lagerungsschrankes für thermolabile Endoskope dafür vorgesehen ist,  „falls erforderlich, jegliche Trocknungen im Rahmen der maschinellen oder manuellen Aufbereitungszyklus zu ergänzen“.


Das ginge dann aber über eine normale Lagerungsfunktion hinaus?

Nun sind moderne, trockene Lagerungsschränke sicher eine gute Basis, um Kontaminationsrisiken zu vermeiden. ABER: Ich sehe bei der Trocknungsfunktion die große Problematik, dass nicht ordnungsgemäß aufbereitete Endoskope quasi durch die Hintertür freigegeben werden in der Annahme, der Lagerungsschrank werde es schon richten. Und das entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben. Eine sorgfältige Aufbereitung lässt sich nicht durch technische Finessen wie Luftbeschaffenheit, Druck und Temperatur ersetzen. Es gibt darüber hinaus auch weitere Kontaminationsrisiken bei der Lagerung, die durch Technik nicht zu lösen sind.


Welche wären das?

Ich würde dies unter Kontaminationsrisiken durch mangelnde Hände- und Umgebungshygiene zusammenfassen. Auch bei der Lagerung und Entnahme von Endoskopen darf die Basishygiene nicht fehlen. Hier ist zum einen besonders die Händehygiene von großer Wichtigkeit. Aufbereitete Endoskope dürfen nur mit desinfizierten Händen sowohl in den Lagerungsschrank gehängt als auch diesem entnommen werden. Zum andern muss die Flächendesinfektion durchgeführt werden, also die Wischdesinfektion der Schränke innen und außen. Hier wäre es sicher sinnvoll, die Standardarbeitsanweisungen im Hinblick auf diese Kontaminationsrisiken zu prüfen und die Mitarbeiter zu schulen. Grundsätzlich ändert die neue Norm also nichts an dem erforderlichen Aufbereitungsprozedere oder an den Anforderungen an die Basishygiene.


Frau Professor Martiny, wir danken für das Gespräch.