Wir forschen für den Infektionsschutz

Kontakt

Experten-Hotline 
zu Fragen rund um 
Hygiene und Desinfektion
Tel.: +49 (40)-54 00 6 -111
Fax: +49 (40)-54 00 6 - 777
E-Mail: contact[at]bode-science-center.com

Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo. - Do. 8:00 bis 16:30 Uhr
Freitag    8:00 bis 15:00 Uhr

Für Anrufer aus Österreich:
Tel.: 02236 646 3070

Experten-Interview: „Hersteller müssen bei den Aufbereitungsanweisungen mehr in die Pflicht genommen werden“

Professor Dr. rer. nat. Heike Martiny
Professor Dr. rer. nat. Heike Martiny, TechnischeHygiene, Berlin

Untersuchungen zur mikrobiellen Belastung von Luft-/Wasser- und Absaugventilen zeigten häufig Kontaminationen. In einer Untersuchung wurden bei 26 der 30 Überprüfungen an den Ventilen Erreger nachgewiesen, darunter Nasskeime und Escherichia coli.  Die Ergebnisse lassen auf  eine unzureichende Aufbereitung schließen. Professor Dr. rer. nat. Heike Martiny, TechnischeHygiene, Berlin, spricht im Interview über die besonderen Herausforderungen der Ventilaufbereitung und Alternativen zu bisherigen Vorgehensweisen.


Frau Professor Martiny, 2013 hat eine Studie in Anlehnung an die HYGEA-Studie 2002 die mikrobielle Belastung von Endoskopen untersucht [1]. Zwar hat sich insgesamt die Aufbereitung deutlich gebessert, doch waren rund 87 % der untersuchten Luft-/Wasser- und Absaugventile kontaminiert. Eine gute Aufbereitung dieses Zusatzinstrumentariums scheint schwer zu sein, warum?

Bei Luft- und Wasserkanal-Ventilen wird der Wechsel zwischen beiden Funktionen über einen Schieber geregelt, der abwechselnd Luft oder Wasser in den Kanal führt. Diese Ventile verschmutzen, weil z. B. durch Druck kontaminierte Flüssigkeit im Endoskop aufsteigt. Die besondere Herausforderung bei diesen Ventilen besteht darin, dass die Öffnungsvorrichtung für die Kanäle während des Eingriffs rauf und runter geschoben wird. Um bei der Reinigung und Desinfektion wirklich alle Flächen des Ventils zu erreichen, müsste der Schieber auch in dieser Weise ständig bewegt werden. Bei der Bürstenvorreinigung mag das mit viel Geschick und Aufwand noch möglich sein. Beim Einlegen in eine Desinfektionslösung müssten sie aber darüber hinaus noch die Einwirkzeit einhalten und das ist nicht machbar.


Wie sieht es mit der maschinellen Aufbereitung der Ventile aus?

Das Gros der RDG-E bietet ein Körbchen für die Aufbereitung des Zusatzinstrumentariums, in das Sie die Ventile einlegen. Während des Programmdurchlaufs bleibt die Schiebevorrichtung des Ventils unbewegt, d. h. auch bei dieser Form der maschinellen Aufbereitung können Sie nicht sicher sein, dass alle Stellen des Ventils ausreichend Kontaktzeit mit der Reinigungs- und Desinfektionschemie hatten. Nach den Leitlinien gehören die Ventile direkt zum Endoskop und sollten daher wie dieses nach gründlicher manueller Reinigung inklusive Bürstenanwendung vorzugsweise maschinell im RDG-E mit validierten Prozessen aufbereitet werden. Die spezifische Konstruktion der Luft-/Wasserkanal-Ventile erschwert bislang allerdings eine sichere Aufbereitung im RDG-E. Hinzu kommt, dass die Ventilaufbereitung nicht typgeprüft ist und damit auch rechtlich nicht sicher.


Was bedeutet das für den Betreiber?

Der Betreiber ist für einen lückenlosen Aufbereitungsprozess verantwortlich. Jeder Schritt der Aufbereitung muss validiert werden, d.h. der Betreiber muss nachweisen, dass ihm eine adäquate Aufbereitung der Ventile möglich ist. Hier müssen die Endoskop-Hersteller mit detaillierten Aufbereitungsanweisungen mehr in die Pflicht genommen werden. Die Verpflichtung der Hersteller zu detaillierten Aufbereitungsbeschreibungen wird mit der z. Zt. in der Diskussion befindlichen Norm ISO/FDIS 17664:2017 ohnehin kommen [2].  Die Norm wird die Informationen regeln, die vom Hersteller zur Aufbereitung eines Medizinprodukts, welches eine Reinigung und anschließende eine Desinfektion und ggf. Sterilisation erfordert, bereitzustellen sind. Demnach müssen ausführliche Aufbereitungsanweisungen für die folgenden Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden: Erstbehandlung am Gebrauchsort, Vorbereitung vor der Reinigung, Reinigung, Desinfektion, Trocknung, Kontrolle und Wartung, Verpackung, Sterilisation, Lagerung und Transport. Diese Vorgaben werden auch die Ventile als direkt zum Endoskop gehörende Funktionsteile einschließen.
Und in der Zwischenzeit – wie können kontaminierte Ventile bestmöglich verhindert werden?
Der Einsatz von Einwegventilen ist der sicherste Schutz vor Einsatz von  noch kontaminierten Ventilen und damit auch der beste Schutz davor, dass mangelhaft aufbereitete Ventile zu Infektionsquellen werden. Es gibt mittlerweile Einwegventile für viele verschiedene Endoskoptypen. Ihr Einsatz spart zudem Zeit und könnte die Aufbereitung insgesamt effizienter gestalten.


Frau Professor Martiny, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Quellen
1.    Riebe o. et al. HYGENDA 2013 Hygiene in der Endoskopaufbereitung: eine Studie zur Aufbereitung flexibler Endoskope in Krankenhaus und Praxis. Hyg Med 2015; 40 (3):88-96.
2.    PROJEKT: Aufbereitung von Produkten für die Gesundheitsfürsorge - Vom Medizinprodukt-Hersteller bereitzustellende Informationen für die Aufbereitung von Medizinprodukten (ISO/FDIS 17664:2017); Deutsche und Englische Fassung FprEN ISO 17664:2017 https://www.din.de. Letzter Zugriff 20.11.2017.