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Händehygiene in der Endoskopie: Was wird gemacht? Wieviel ist notwendig?

Die Rate der Händedesinfektionen in Endoskopie-Einheiten ist einer aktuellen Studie aus den USA zufolge erschreckend niedrig: In einer anonymen Befragung gaben zwar 95 % der Befragten an, sich vor Betreten und Verlassen der Abteilung die Hände zu desinfizieren, doch Daten aus internen Beobachtungen berichten eine Compliancerate von nur 11%.  Die Anforderungen in der Praxis sind hoch: Bis zu 12 Händedesinfektionen können allein während einer Gastroskopie notwendig sein.

Die Studie von Laura Pedersen und Kollegen [1] befragte sowohl OP-Personal als auch Endoskopiepersonal anonym zu Hürden, Einstellungen und Compliance bei der Händehygiene. An der Befragung nahmen 29 von 89 Mitarbeitern der Endoskopieabteilung teil. Aufgrund der niedrigen Teilnehmerzahl schränken die Autoren die Aussagekraft ihrer Studie zwar ein, weisen aber darauf hin, dass sich ihre Ergebnisse mit denen vorangegangener Erhebungen decken.


Fehlende Vorbilder

Rund 20 % der Mitarbeiter in der Endoskopie nannten als Gründe für die unzureichende Händehygiene mangelnde Gelegenheit, obwohl die Ausstattung der Abteilung mit Spendern ausreichend war. Weitere 20 % gaben Vergesslichkeit als Gründe für die Non-Compliance an.  Weitere Gründe für die mangelnde Händehygiene sehen die Autoren in der Vorbildfunktion und dem fehlenden Bewusstsein für die Notwendigkeit der Händedesinfektion. Die Autoren führen die Ergebnisse auch auf Arbeitsüberlastung zurück. Ihre Vermutung: wäre der Arbeitsplatz besser organisiert, würde sich das häufige Betreten und Verlassen der Abteilung und damit auch die Notwendigkeit der Händedesinfektion reduzieren. Davon würde die Compliance bei der Händehygiene profitieren.


12 Händedesinfektionen während einer Gastroskopie

Die Studie von Pedersen et al. gehört zu den wenigen Untersuchungen der Händehygiene in der Endoskopie. Ein Schwachpunkt stellt die untersuchte Indikation dar: Vor Betreten und Verlassen der Einrichtung. Händedesinfektion soll in erster Linie den Patienten vor Infektionen schützen. Um dieses Ziel zu erreichen sind vor allem die 5 Momente der Händehygiene nach dem WHO-Modell entscheidend – und hierbei vor allem die VOR-Indikationen.

Das WHO-Modell, angepasst an die Tätigkeiten in der Endoskopie, beschreibt ein Fortbildungsbeitrag der AKTION Saubere Hände am Beispiel der Gastroskopie [2]. Während des beschriebenen Eingriffs sind insgesamt ein Dutzend Händedesinfektionen (HD) erforderlich:

Händedesinfektion 1: Der Patient betritt den Raum und wird von der pflegerischen Assistenz gebeten sich noch einen Moment hinzusetzen. Der Untersucher Dr. K wirft bereits einen Blick in die Patientenakte. Danach begrüßt er den Patienten mit Handschlag und klärt mit ihm noch offene Fragen.

  • Indikation: Vor Patientenkontakt


Händedesinfektion 2: Die pflegerische Assistenz Frau U. bittet den Patienten, sich in Linksseitenlage auf die Liege zu legen. Sie legt Pulsoxymetrie und RR-Manschette an und schaltet den Monitor ein.

  • Indikation: Vor Patientenkontakt


Händedesinfektion 3: Danach trägt die Assistenz die ersten Werte in die Pflegedokumentation ein, die sich auf dem Beistelltisch befindet, und verlässt die direkte Patientenumgebung.

  • Indikation: Nach Patientenkontakt


Händedesinfektion 4: Nachdem der Untersucher Dr. K. den Patienten Herrn B. begrüßt hat, zieht er Handschuhe an und legt ihm eine Venenverweilkanüle.

  • Indikation: Nach Patientenkontakt (vor Anlagen der Handschuhe)  / Vor aseptischer Tätigkeit


Händedesinfektion 5: Der Untersucher Dr. K. entsorgt die Materialien und zieht sich danach die Handschuhe aus.

  • Indikation: Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien


Händedesinfektion 6: Die pflegerische Assistenz Frau U. zieht Schutzkittel und Handschuhe an. Danach setzt sie dem Patienten den Beißring in den Mund und fixiert diesen (Geräte- und Zahnschutz).

  • Indikation: Vor aseptischer Tätigkeit (vor Anlegen der Handschuhe)


Händedesinfektion 7: Der Untersucher Dr. K. zieht einen Schutzkittel und neue Handschuhe an und führt das Endoskop ein.

  • Indikation: Vor aseptischer Tätigkeit (vor Anlegen der Handschuhe)


Händedesinfektion 8: Während der Gastroskopie wird eine Biopsie vorgenommen. Da der Patient durch die Biopsie nachblutet, bittet der Untersucher, die pflegerische Assistenz Frau U.  Adrenalin aufzuziehen. Sie zieht ihre Handschuhe aus und geht zum Schrank.

  • Indikation: Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien


Händedesinfektion 9:
Aus dem Schrank nimmt sie die dafür notwendigen Materialien sowie die Sklerosierungsnadel. Sie legt erneut Handschuhe an und zieht das Adrenalin auf. Danach reicht die pflegerische Assistenz Frau U. dem Untersucher Dr. K. die vorbereitete Injektionsnadel.

  • Indikation: Vor aseptischer Tätigkeit (vor Anlegen der Handschuhe)


Händedesinfektion 10: Nachdem die Blutung gestillt wurde, entfernt der Untersucher das Endoskop und legt es ab. Er zieht seinen Schutzkittel und Handschuhe aus.

  • Indikation: Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien


Händedesinfektion 11:
Nach Beendigung der Untersuchung spült die pflegerische Assistenz Frau U.  das Endoskop durch, wischt es von außen ab und zieht ihre Handschuhe aus.

  • Indikation: Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien


Händedesinfektion 12: Anschließend trennt die Assistenz das Endoskop von der Versorgungseinheit und trägt es zusammen mit dem benutzten Zubehör aus der direkten Patientenumgebung in einer Transportschale in den unsauberen Arbeitsraum zur Aufbereitung. Sie zieht ihren Schutzkittel aus.

  • Indikation: Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien


Quellen
1. Pedersen L et al. Barriers, perceptions, and adherence: Hand hygiene in the operating room and endoscopy suite. American Journal of Infection Control 45 (2017) 695-7.
2. Linden P. Indikationen erkennen und bewerten. http://www.aktion-sauberehaende.de. Letzter Zugriff 20.11.2017.