DESINFACTS | Ausgabe 1/2020

12 WISSEN Wider die „Infodemie“ Richtig umgehen mit Fake News Studien. Für gut gemachte, deren Ergebnisse aus dem Zusammenhang gerissen und in der Öffentlichkeit fehl- interpretiert werden, als auch für schlechte, die besser gar nicht erst hätten publiziert werden sollen. Virale Verwirrung In sozialen Netzwerken kursieren derzeit die wildesten Gerüchte: Der neue Erreger sei absichtlich erzeugt worden (mal von China, mal von den USA) oder ei- gentlich eine Biowaffe. Verwirrende Vermutungen gibt es aber nicht nur zum Ursprung von SARS-CoV-2 son- dern auch zur Behandlung der durch das Virus her- vorgerufenen Krankheit COVID-19: Das Schmerzmittel Ibuprofen erhöhe Forschern der Uniklinik Wien zufolge die Gefahr, schwer an COVID-19 zu erkranken, so eine Sprachnachricht, die Mitte März bei Whatsapp viral ging (2). Das Dementi der Uniklinik folgte prompt (3). Am gleichen Tag empfahl jedoch das Schweizer Bun- desamt für Gesundheit (BAG) auf Grundlage anderer Quellen im Zusammenhang mit COVID-19 „eine vor- sichtige Haltung gegenüber dem Gebrauch von Medi- kamenten auf der Basis von Ibuprofen“ und die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt (4). Ein- deutige Hinweise, dass das Medikament den Krank- heitsverlauf verschlimmert, gab es laut BAG aber nicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte eben- falls vor Ibuprofen, zog die Warnung aber einige Tage später wieder zurück. „Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie“, das sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adha- nom Ghebreyesus, laut Medien während der Münch- ner Sicherheitskonferenz im Februar (1). Die Fake News verbreiteten sich schneller und einfacher als das Virus, und sie seien genauso gefährlich. Der Mann hat Recht: Wenn digitale Desinformationen dazu beitragen, dass Menschen sich falsch verhalten, das Virus dadurch schneller verbreitet wird und die intensivmedizinischen Kapazitäten nicht mehr für die Versorgung aller Pa- tienten ausreichen, dann können sie sogar Leben kosten! Und das gilt nicht nur für gezielte Fehlinfor- mationen sondern teilweise auch für wissenschaftliche Falsche Informationen sind in der aktuellen Pandemie zu einem Problem geworden. Es kursieren Mythen und Fehlinformationen zum neuen Coronavirus und der durch das Virus ausgelösten Krankheit COVID-19. Besorgte Menschen fragen beispielsweise: Hilft die alkoholische Händedesinfektion bei SARS-CoV-2? Antworten finden sie mit wenigen Clicks im Internet – wissenschaftlich fundierte ebenso wie schwadronierte. Wie sollten wir damit umgehen? Im Rahmen der von HARTMANN unterstützen internationalen In- itiative CLEAN HOSPITALS (siehe Artikel auf Seite 20) wird eine Handlungsanweisung entwickelt, mit der WissenschaftlerInnen Falschinformationen analysieren und kategorisieren können. An- schließend soll das Tool dabei helfen, auf systematische Weise auf die Fake News zu reagieren. Eine erste Version der Handlungsan- weisung wurde bereits entwickelt, ebenso ein Erfassungsformular. Beides soll nun getestet und validiert werden. Mit System gegen Fake News https://cleanhospitals.com/research-projects-publications/fake-news-misinformation/

RkJQdWJsaXNoZXIy NDU5MjM=