DESINFACTS | Ausgabe 1/2020

18 Pflegepionierin Florence Nightingale 200 Jahre alt und immer noch aktuell Sie gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege und sie setzte sich als eine der ersten nach- drücklich für eine bessere Hygiene in Krankenhäusern ein: Am 12. Mai jährt sich der Geburtstag von Florence Nightingale, der heute weltweit als „Tag der Pflege“ gefeiert wird, zum 200. Mal. Was können wir heute noch von der engagierten Britin lernen, die 1910 nach einem außerordentlich produktiven Leben mit 90 Jahren starb? MENSCHEN & PERSPEKTIVEN anderzusetzen. Das Ergebnis ist eine 320 Seiten starke Biographie, die im März erschienen ist und ein diffe- renziertes Bild von Florence Nightingale entwirft. „Nightingale auf ihre Rolle als fromme Kranken- schwester im Krimkrieg oder auf ihre Rolle als Be- gründerin der modernen weltlichen Krankenpflege zu reduzieren, wird ihr in keiner Weise gerecht“, sagt Herold-Schmidt. Viele Schaffensfel- der ihres neunzigjährigen Lebens würden dadurch ausgeblendet, bei- spielsweise, dass sie eine herausragende Expertin war für alle Fragen der öffentlichen Gesundheitsversor- gung und Hygiene und eine anerkannte Kranken- hausreformerin. „Sie war auch eine Sozialreformerin und originelle religiöse Denkerin. Sie kämpfte gegen Prostitution, für Frauenrechte und war eine Pionierin der Statistik, die als erste Tortendiagramme als visuelle Argumentationshilfe einsetzte. Kontakte auf höchster Ebene Vor allem aber war Nightingale keine Theoretikerin, deren niedergeschriebene Ideen in Bibliotheken ver- Zur Legende im britischen Empire wurde Nightingale vor allem durch ihren Einsatz im Krimkrieg von 1854 bis 1856. Während dieser Zeit in einemMilitärkrankenhaus vor den Toren Istanbuls entstand das Bild einer gläubi- gen jungen Frau, die sich aufopferte und unter widrig- sten Umständen als ein „Engel der Menschlichkeit“ kranke Soldaten pflegte. Beispielhaft dafür steht das Bild, das sie als „Lady with the Lamp“ („Dame mit der Lampe“) zeigt, die nachts in den Kranken- sälen über die britischen Soldaten wacht. Viel mehr als Pflege „Die meisten Darstellungen von Nightingale konzen- trieren sich auf den Krimkrieg und handeln die zweite Lebenshälfte, in der sie so produktiv gewesen ist, nur auf wenigen Seiten ab“, sagt die Geschichtswissen- schaftlerin Dr. Hedwig Herold-Schmidt von der Uni Jena. Sie beschäftigt sich seit Jahren unter anderem mit der Kultur- und Sozialgeschichte von Gesundheit und Krankheit. Der zweihundertste Geburtstag von Nightingale war für die Historikerin Anlass, sich ein- gehender mit dieser bemerkenswerten Frau ausein- "Sauberkeit und Hygiene waren immer das Credo Nightingales.“

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