DESINFACTS | Ausgabe 2/2020

14 Hauptsache Alkohol? Desinfektionsmittel mit Ethanol oder Propanol Kommt ganz drauf an! Desinfektionsprodukte zur Händedesinfektion basieren in der Regel auf alkoholischen Wirkstoffen. Die drei am häufigsten verwendeten Wirkstoffe sind Ethanol, 1-Propanol und 2-Propanol (Iso-Propanol). Je nach persönlichem Anspruch und Verwendungszweck kann mal ein Hände-Desinfektionsmittel auf Basis von Propano- len das Mittel der Wahl sein, mal ein Mittel auf Ethanol-Basis. Erfahren Sie, wie sich die Wirkstoffe unterscheiden und wie sie gegen Viren und Bakterien wirken! • Was ist Ethanol? Ethanol ist ein wasserlöslicher Alkohol mit zwei Kohlenstoffatomen. Die Summenformel lautet C 2 H 5 OH. Ethanol (auch: Ethylalkohol oder „Weingeist“) ist gemeinsprachlich auch als „(ge- wöhnlicher) Alkohol“ bekannt und damit Bestandteil alkoholischer Getränke. Bei Raumtempe- ratur ist Ethanol eine farblose, würzig riechende, brennend schmeckende Flüssigkeit [1]. • Vorteil: wirkt gegen alle unbehüllten Viren Ethanol ist – anders als die beiden Formen des Propanols, die zum Teil auch gegen unbehüllte Viren wirken (z.B. Adeno-, Noroviren) – als alleiniger Wirkstoff gegen alle unbehüllten Viren wirksam [2]. Dabei ist darauf zu achten, die ausgelobten Einwirkzeiten einzuhalten. • Wissenswertes zur Wirksamkeit Grundsätzlich sollte bei generellen Aussagen zur Wirksamkeit bedacht werden: Hände-Desin- fektionsmittel wie die verschiedenen Sterillium Produkte enthalten neben den alkoholischen Wirkstoffen weitere Inhaltsstoffe (z. B. für eine bessere Hautverträglichkeit). Auch diese beein- flussen die Wirksamkeit. Ohne eine Testung (nach vorgegebenen Testverfahren an vorge- schriebenen Testorganismen) ist es daher nicht möglich, die exakte Wirksamkeit einer Desinfektionsmittel-Rezeptur gegen Viren, Pilze und Bakterien vorherzusagen! • Vorteil: Empfehlung für Empfindliche Die KRINKO empfiehlt, bei der Behandlung von besonders empfindlichen Patienten (z. B. Neu- geborene, Kleinkinder, Patienten mit Atemwegerkrankungen) Produkte auf Ethanol-Basis zu verwenden [2]. Ein Grund: In Studien schnitt Ethanol (80 %) in puncto Gewebeverträglichkeit besser ab als 2-Propanol (60 %) [3]. Daraus wurde geschlossen: die Anwendung von Ethanol auf irritierter oder besonders empfindlicher Haut könnte vorteilhaft sein. Angriff auf Eiweiße: Wie wirken Alkohole? Die antimikrobielle Wirkung von Alkoholen beruht auf ihrer Fähigkeit, die Struktur von Proteinen (Eiweißen) unspezi- fisch zu verändern [4]. Die Alkoholmoleküle schädigen die äußere Zellmembran, dringen in das Zytoplasma ein und zer- stören die innere Struktur der Zellmoleküle und der Proteine des Zytoplasmas. Dieser Denaturierung genannte Vorgang und die Koagulation von Enzymen führen zu einem Verlust der zellulären Aktivität und schließlich zum Zelltod. H H H H CH H C O Ethanol KOMPETENZ

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