DESINFACTS | Ausgabe 2/2020

18 Keine Dauerlösungen: „WHO-Desinfektionsmittel“ & Co. Als schnelle Reaktion auf die Corona-Krise wurden im März und April die Zulassungsregeln für alkoholische Hände-Desinfektionsmittel gelockert. Mitte September wurde die entsprechende Allgemeinverfügung aktualisiert. Die Zulassungslockerungen wurden dadurch bis April 2021 verlän- gert. Als Dauerlösungen sollten die damit zugelassenen Rezepturen, darunter auch zwei Rezepturen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), aber nicht betrachtet werden. Bakterien bei 30 Sekunden Einwirkzeit und einem ver- wendeten Volumen von 3 Millilitern) [2]. Um nosokomiale Infektionen („Krankenhausinfektio- nen“) zu verhindern, sollte laut BAuA daher aufgrund der unzureichenden Bakterizidie in der ambulanten und stationären Patientenversorgung auf die Verwendung der Hände-Desinfektionsmittel mit geringen Wirkstoff- konzentrationen verzichtet werden [2]. Außerhalb der Patientenversorgung ist die Verwendung der Desinfek- tionsmittel-Rezepturen mit geringeren Wirkstoffkon- zentrationen (dazu zählen auch die WHO-Rezepturen) vertretbar [3]. Für Patienten: etablierte Desinfektionsmittel Die im Industrieverband Hygiene & Oberflächenschutz (IHO) organisierten Hersteller – dazu zählt auch BODE – sprachen sich bereits im Juni gegen eine Verlängerung der Allgemeinverfügung zur Herstellung von Desinfek- tionsmitteln aus [4]. Auch bei wieder ansteigenden COVID-19-Fallzahlen ist es dem IHO zufolge sinnvoll, die Verwendung der WHO-Rezepturen auf öffentliche und nicht medizinische Bereiche zu konzentrieren. Der Ge- sundheitssektor sollte mit den etablierten Produkten ver- sorgt werden, deren Produktsicherheits- und Qualitätsstandards durch professionelle Hersteller mit umfassender Expertise und Erfahrung gewährleistet ist. Zukünftige Versorgungsengpässe sind unwahrschein- lich: Denn seit Beginn der Krise haben alle IHO-Mit- Um den plötzlich stark gestiegenen Bedarf an Desinfek- tionsmitteln decken zu können, hatte die bei der Bun- desanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelte Bundesstelle für Chemikalien im März und April die Zulassungsregeln geändert. Mitte September wurde dies mit Hinweis auf ansteigende Infektionszah- len durch eine neue Allgemeinverfügung bis zum 5. April 2021 verlängert [1]: Sowohl die pharmazeutische und chemische Industrie als auch Apotheken und juri- stische Personen des öffentlichen Rechts in Deutschland (also z. B. Bund, Länder, Landkreise, Gemeinden, Ge- meindeverbände, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Universitäten, Stiftungen, An- stalten) dürfen demnach weiterhin alkoholische Hände- Desinfektionsmittel ohne Zulassung gemäß EU- Biozidverordnung herstellen und in den Verkehr bringen. Nicht für Patientenversorgung geeignet Die im Rahmen der Allgemeinverfügung zugelassenen Desinfektionsmittel sind jedoch auf Dauer nicht für den Einsatz im medizinischen Bereich geeignet: Alle sieben Rezepturen wirken zwar gegen Coronaviren [1]. Ge- genüber Bakterien sind die Rezepturen mit gerin- geren Wirkstoffkonzentrationen jedoch nur bedingt wirksam (siehe Tabelle). Die Wirksamkeits- anforderungen gemäß der Norm EN 1500 zur hygienischen Händedesinfektion erfüllen lediglich die Desinfektionsmittel mit höheren Konzentrationen an 2- Propanol oder Ethanol (d.h. sie sind wirksam gegenüber Who is WHO?: Sieben zugelassene Rezepturen Zugelassen zur Herstellung von alkoholischen Desinfektionsmitteln zur hygienischen Händedesin- fektion sind gemäß der aktuell gültigen BauA-Allgemeinverfügung insgesamt sieben Rezepturen auf Basis von 2-Propanol (Iso-Propylalkohol) und Ethanol [1]. Darunter auch die beiden wahrscheinlich weltweit am häufigsten verwendeten Desinfektionsmittel-Rezepturen, die von der WHO stammen. Die „WHO-Formulierung I“ ist Ethanol-basiert (80 %; Rezeptur D), die „WHO-Formulierung II“ basiert auf 2-Propanol (75 %; Rezeptur A). Staphylococcus aureus Coronavirus KOMPETENZ

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