DESINFACTS | Ausgabe 2/2021

5 PRAXIS Neue Norm DIN 13063 zur Krankenhausreinigung „Weichen Abläufe von der Norm ab, sieht es schlecht aus“ Das hört sich so an, als habe vorher das Chaos geherrscht. Es gab wirklich keine Standards zu kei- nem Thema! In den fünf Jahren der Normungsarbeit ist mir fast täglich klar geworden, wie vernachlässigt die Kran- kenhausreinigung in den letzten Jahr- zehnten war. Das war ja auch der Grund zur Entwicklung der DIN-Norm. Wir haben daher im Bundesverband einen Leitfaden erarbeitet zum kontaminati- onsfreien An- und Ablegen der Schutz- kleidung. Dazu haben wir einfach mal eine Reihenfolge definiert. Bislang war es so: Jedes Krankenhaus hat eigene Anweisungen, wie eine Schutzkleidung angelegt werden sollte. Warum war es notwendig, begleitend zur DIN-Norm noch einen Verband zu gründen? Die praktische Umsetzung der Norm war der ausschlaggebende Faktor. Man kann sagen: Im BHuK übersetzen wir die allgemei- nen Standards der Norm in konkrete Handlungsanweisungen. Zudem bietet der BHuk die Möglichkeit, weiter an diesen The- men zu arbeiten. Das erste Ergebnis der Verbandsarbeit ist die erwähnte Leitlinie zum Thema „Kontaminationsfreies An- und Ablegen der Schutzkleidung“. An drei weiteren Themen arbeiten wir gerade: Die „Desinfektion von Bereichen mit Infektionsge- fahr“. Auch da hatte bislang jeder einen eigenen Ansatz gewählt. Wir haben mit vielen Experten versucht, einen allgemeinen Stan- dard zu formulieren. Das dritte Thema ist die „Strukturierung und Organisation von Reinigungswagen im Gesundheitswesen“. Wie muss der Reinigungswagen beschaffen sein? Wie bereitet man ihn auf? Was gehört auf den Wagen, was nicht? Das ist ein wich- tiges Thema, das immer wieder angefragt wird. Bei der vierten Leitlinie geht es um „Komplementäre Verfahren zur Reinigung und zur Desinfektion.“ Frau Reese, was regelt die neue DIN-Norm was beispielsweise in den Empfehlungen der KRINKO nicht schon geregelt wurde? Die KRINKO-Empfehlungen gehen nicht in die Tiefe. Sie formulieren auch keine Schnitt- stellen. Die ganzen kritischen Handlungsab- läufe, die bislang nirgendwo geregelt waren, werden jetzt über die neue DIN-Norm gere- gelt. Ein paar Beispiele: Die Sachkennt- nis des Personals wird von Grund auf neu geregelt. Bisher war es so, dass Führungs- kräfte im Bereich der Hausreinigung ohne Qualifizierung aufsteigen konnten bis zur Objektleitung. Das ist in Zukunft nur noch möglich mit einem Objektleiter-Lehrgang oder wenn jemand Desinfektor oder Hygie- nebeauftragter wird. Geregelt ist jetzt beispielsweise das Aufbereiten von Reinigungs- textilien. Da gab es bisher nur rudimentäre Empfehlungen. Wie muss das Reinigungsequipment beschaffen sein? Gleiches gilt für Prüfmethoden zur Prozessüberwachung: Wie kann ich eine Reinigung kontrollieren und Qualitätsstandards festlegen? Wir haben nun eine entsprechende Leistungs-beschreibung. Zudem haben wir „kritische Hautkontaktstellen“ definiert. Das sind die Bereiche, an denen sich die Patienten und das Pflegepersonal mit Viren und Keimen besonders anstecken können. Also zum Beispiel die Griffbereiche von Türen, Bedienelemente für Licht, Heizung oder Klima, Schränke und Rollcontainer im Griffbereich, Fernbedienungen oder das Telefon. Wir haben in der Norm ver- ankert, dass diese Stellen nutzungstäglich zu reinigen sind. Hinzu kommen die Schnittstellen-Definitionen zwischen Auftraggeber und Dienstleister. Also: Wer ist eigentlich für was zuständig? Ohne Melanie Reese würde es die DIN-Norm 13063 wohl nicht geben. Die Geschäftsführerin des Hygiene-Instituts Schubert hat gemeinsam mit der Interessengemeinschaft klinische Servicegesellschaften (IKS) die Erstellung der neuen Norm initiiert. Als Vorstandsvorsitzende des „Bundesverbands für Hygiene und Krankenhausreinigung“ (BHuK) engagiert sie sich nun für deren praktische Umsetzung. In den fünf Jahren der Normungsarbeit ist mir fast täglich klar geworden, wie vernachlässigt die Krankenhausreinigung in den letzten Jahrzehnten war ” ”

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