Wir forschen für den Infektionsschutz

Kontakt

Experten-Hotline 
zu Fragen rund um 
Hygiene und Desinfektion
Tel.: +49 (40)-54 00 6 -111
Fax: +49 (40)-54 00 6 - 777
E-Mail: contact[at]bode-science-center.com

Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo. - Do. 8:00 bis 16:30 Uhr
Freitag    8:00 bis 15:00 Uhr

Für Anrufer aus Österreich:
Tel.: 02236 646 3070

Hygienemaßnahmen bei Polioviren

Im Jahr 2015 wurden weltweit 74 Poliofälle registriert: 54 in Pakistan und 20 in Afghanistan. In Syrien kam es 2013 erstmals seit 14 Jahren zu einem Poliovirusausbruch, bei dem insgesamt 36 Menschen erkrankten. Seit Januar 2014 traten keine weiteren Fälle in Syrien auf. In afrikanischen Ländern wurden seit August 2014 keine Poliowildvirus-Fälle gemeldet, weswegen die WHO im September 2015 Nigeria von der Liste der Polio-Endemieländer strich. Somit verbleiben Pakistan und Afghanistan die letzten beiden Länder, in denen Polio endemisch vorkommt.

Die Nationale Kommission für die Polioeradikation in Deutschland (NCC) schätzt die Gefahr einer Einschleppung von Poliowildviren nach Deutschland, bspw. durch Asylsuchende, als sehr gering ein (Stand 12/2015). Grund hierfür ist u. a. die aktuell geringe Anzahl neuer Fälle in den beiden verbliebenen endemischen Ländern sowie die dortigen Impfmaßnahmen und -kampagnen. . Da die meisten infizierten Personen (> 95 %) keine Krankheitszeichen zeigen, jedoch Viren ausscheiden, kann eine unbemerkte Einschleppung jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden.


Impfung ist die effektivste Präventionsmaßnahme

Die effektivste Maßnahme, um eine Erkrankung zu verhindern, ist die Impfung. Um einer Übertragung vorzubeugen, sind strikte Hygienemaßnahmen, insbesondere die zur Händehygiene, erforderlich. In Deutschland sind 95,1 % der Schulkinder und 85,6 % der Erwachsenen geimpft. In einigen europäischen Ländern fallen die Impfquoten hingegen niedrig aus, darunter Österreich (83 %) und die Ukraine (74 %). Hinzu kommt, dass die meist in Europa praktizierte Impfung mit inaktivierten Polioviren zwar effektiv vor einer Erkrankung schützt, die Geimpften das Virus aber weitergeben können. Eine Poliovirus-Einschleppung nach Europa könnte daher eine Weiterverbreitung nach sich ziehen und eine Gefahr für Ungeimpfte darstellen.


Infektionsweg

Polioviren sind anfänglich (bis zu 1 Woche) in Rachensekreten nachweisbar und werden bis zu 6 Wochen lang mit dem Stuhl ausgeschieden. Immuninkompetente Personen können die Erreger sogar über Jahre ausscheiden. Die Ausscheidung erfolgt durch erkrankte und asymptomatisch infizierte Personen. Die Übertragung von Polioviren findet hauptsächlich fäkal-oral statt. Eine Erregerübertragung ist durch Kontakt mit kontaminierten Personen, Oberflächen oder Nahrungsmitteln möglich, am Anfang der Infektion auch über Tröpfchen.


Vorgehen bei Polioverdacht

Personen mit Verdacht auf eine Polioerkrankung müssen unverzüglich in ein Krankenhaus eingewiesen und dort isoliert werden. Das Krankenhaus ist vorab zu informieren. Wie im Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben, müssen Polio-Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle sowie der Nachweis von Polio, sofern er auf eine akute Infektion hinweist, dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. Die genauen Infektionsschutzmaßnahmen beim Umgang mit Asylsuchenden sowie infizierten/erkrankten Personen sind den Angaben des RKI zu entnehmen.

Präventions- und Hygienemaßnahmen

Die Impfung bietet den wichtigsten und effektivsten Schutz vor einer Polioerkrankung. In Deutschland werden Impfungen mit inaktiviertem Polio-Vakzin empfohlen. Mit den Impfungen sollte bereits im Säuglingsalter begonnen werden. Nachfolgend sind Hygienemaßnahmen genannt, um eine Übertragung der Viren durch Kontakt und Tröpfchen zu vermeiden.

  • Händehygiene: Hände sollen nach jedem Kontakt mit erregerhaltigem Material oder Patienten oder deren unmittelbarer Umgebung mit einem als viruzid deklarierten Hände-Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Ferner sind die 5 Momente der Händehygiene einzuhalten. Bei pflegerischen Tätigkeiten sind Handschuhe zu tragen. Nach Ablegen der Handschuhe erfolgt eine Händedesinfektion.
  • Alle Instrumente, Flächen und Gegenstände, die mit Erregern in Kontakt gekommen sein könnten, sollen mit viruziden Desinfektionsmitteln desinfiziert werden.
  • Die Exposition mit Aerosolen infizierter Personen ist zu Beginn der Infektion zu vermeiden. Gegebenenfalls sollen Erkrankte einen chirurgischen Mundschutz tragen.

Zur Inaktivierung von Polioviren sind Produkte mit viruzidem Wirkspektrum einzusetzen. Entsprechend wirksame Produkte finden Sie hier.

Information zur Wirksamkeit von viruziden Hände-Desinfektionsmitteln

Die in Deutschland geltende DVV/RKI-Leitlinie und die europäische Norm (EN) 14476 beschreiben Prüfmethoden, nach denen die viruzide Wirksamkeit von Hände-Desinfektionsmitteln untersucht wird. Das Poliovirus ist sowohl in der DVV/RKI-Leitlinie als auch in EN 14476 als eines der Testviren definiert [1, 2]. In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde die viruzide Wirksamkeit von drei niedrigalkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln untersucht. Die Produkte mit einem Alkoholgehalt von 70 % (w/w) Ethanol bzw. 60 % Ethanol zusammen mit 15 % Isopropanol (beide w/w) wurden gemäß EN 14476 untersucht und erreichten nach keiner der getesteten Zeiten (30 s, 60 s, 2 min oder 3 min) die erforderliche Wirksamkeit gegen Polioviren [3]. In einer anderen Studie zeigten zwei Formulierungen mit 80 % (v/v) Ethanol bzw. 75 % (v/v) Isopropanol in Untersuchungen gemäß EN 14476 innerhalb von 5 Minuten ebenfalls keine ausreichende Wirksamkeit gegen Polioviren [4].

Die Paul Hartmann AG bietet zwei hochalkoholische Hände-Desinfektionsmittel an, deren viruzide Wirksamkeit und damit Poliovirus-Wirksamkeit wiederholt nach EN 14476 belegt wurde (Sterillium® med, Sterillium® Virugard). Von einem der Produkte wurde die viruzide Wirksamkeit auch durch Testungen gemäß der DVV/RKI-Leitlinie nachgewiesen. Dieses Produkt kann auch im Fall von behördlich angeordneten Entseuchungen eingesetzt werden. Bei der Wahl von Hände-Desinfektionsmitteln sind somit Produkte mit hohem Ethanolgehalt zu empfehlen, deren viruzide Wirksamkeit wiederholt bestätigt wurde.


1. Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) e.V. und des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Prüfung von chemischen Desinfektionsmitteln auf Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin; Fassung vom 1. August 2008. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2008. 51:937–945.

2. Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Quantitativer Suspensionsversuch zur Bestimmung der viruziden Wirkung im humanmedizinischen Bereich - Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2, Stufe 1); Deutsche Fassung EN 14476: 2013.

3. Efficacy of hand rubs with a low alcohol concentration listed as effective by a national hospital hygiene society in Europe. Antimicrob Resist Infect Control. 2013 Jun 12; 2(1):19.

4. Virucidal activity of 2 alcohol-based formulations proposed as hand rubs by the World Health Organization. Am J Infect Control. 2010 Feb; 38(1):66-8.

Hier finden Sie Produkte mit einem viruziden Wirkspektrum.