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EXPERTEN-INTERVIEW

Virologe Prof. Dr Manfred H. Wolff

Der Virologe Prof. Dr Manfred H. Wolff zum Nachweis einer Parvoviren-Wirksamkeit

Bei chemo-thermischer Aufbereitung von Medizinprodukten bei Temperaturen über 40°C reicht der Nachweis einer Viruzidie nach den Prüfkriterien zur manuellen Aufbereitung nicht aus. RKI, DVV und EN fordern hier einen Nachweis gegenüber Parvoviren. Der Virologe Prof. Dr. Manfred H. Wolff erklärt, warum.

Wirksamkeitsnachweis gegenüber Parvoviren? Warum reicht der Nachweis mit den Standard-Viren zur manuellen Aufbereitung  nicht aus?

Wolff: Achtung, da muss man sorgfältig unterscheiden: Bei der chemischen Desinfektion bei Temperaturen unter  40 °C werden zur Aussage der „Viruzidie“ vier Testviren überprüft. Dies sind das Vakzinia-, Polio-, Adeno- und Polyomavirus. Dabei handelt es sich um thermolabile Viren, die bei höheren Gradzahlen allein aufgrund der Temperatur inaktiviert werden könnten.

Richten sich danach die Einsatzkonzentrationen?

Wolff: Ja, bei  der chemischen Aufbereitung unter 40°C werden genau die Einsatzkonzentrationen gewählt, die diese Viren chemisch inaktivieren, denn an der Temperatur kann es ja nicht liegen. Sie sind also mit Ihrer Dosierung auf der sicheren Seite.


Was würde passieren, wenn man die vier Testviren auch für höhere Temperaturen heranzöge?

Wolff: Dann käme man wahrscheinlich zu falsch positiven Wirksamkeitsaussagen. Die Testviren würden allein aufgrund der höheren Temperatur inaktiviert werden, was fälschlicherweise der Chemie zugeschrieben wird. D.h. andere Viren, die thermostabiler sind und höhere Temperaturen tolerieren, überleben. Somit wäre kein ausreichender Personal- und Patientenschutz gesichert.


Wurde deshalb das bovine Parvovirus als Prüfvirus ausgewählt?

Wolff: Parvoviren sind unbehüllt und außerordentlich thermostabil. Ihre Umweltresistenz ist außerdem abhängig von anderen Faktoren wie z. B. dem pH-Wert. Bei den von RKI und DVV vorgeschriebenen Prüfungen müssen die Hersteller nachweisen, dass  weder die Temperatur oder der pH-Wert allein, noch diese Parameter gemeinsam ohne Einwirkung des Desinfektionsmittels die Wirksamkeit gegen Parvoviren erzielen. Mit den auf dieser Basis ermittelten Einsatzkonzentrationen erfasst man dann auch thermostabile Viren.


Gilt der Nachweis der Parvoviren-Wirksamkeit nur in Deutschland?

Wolff: Auch die Europäische Norm zur Prüfung der Viruswirksamkeit, die EN 14476, fordert den Nachweis gegenüber Parvovirus – allerdings sind die Verfahrensweisen etwas anders beschrieben. Die Empfehlung sieht ebenfalls die Prüf-Temperatur ab 40°C vor. Die oberste Temperatur wird allerdings bei 60°C gesetzt.