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EXPERTEN-INTERVIEW

Wie hoch ist das Infektionsrisiko in der Endoskopie?

Prof. Dr. Kampf
Prof. Dr. Günter Kampf

Prof. Dr. Günter Kampf:

Die mikrobielle Belastung von flexiblen Endoskopen mit Blut, Protein, Erregern und Biofilm ist nach ihrer Benutzung häufig erheblich. Am höchsten ist die Erregerlast in der Regel bei Koloskopen, gefolgt von Gastroskopen und Bronchoskopen. Infektionen – auch mit multiresistenten gram-negativen Erregern – kommen nach Magen-Darm-Spiegelungen immer wieder vor. Zu den meisten Infektionen gehören primäre Sepsen oder Bakteriämien, Pneumonien, sowie Magen-Darm-Infektionen, teilweise mit tödlichem Ausgang. Auch Hepatitis B oder Hepatitis C können, je nach Patient, nach der Untersuchung am Endoskop nachgewiesen werden.


Worauf sind diese Infektionen zurückzuführen?


Prof. Dr. Günter Kampf:


Die meisten Infektionen wurden auf eine mangelhafte Reinigung oder Desinfektion des Endoskops vor dessen Wiederverwendung zurückgeführt. So wurden beispielsweise verschiedene Ausbrüche nosokomialer Infektionen mit der unzureichenden Reinigung der Endoskope nach Bronchoskopien oder endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographien (ERCP) in Zusammenhang gebracht. Aufgrund der langen, engen Lumen und diversen Ventile gilt der Reinigungsschritt bei flexiblen Endoskopen als schwierig. Eine effiziente Reinigung ist aber aus Sicherheitsgründen in der Endoskop-Aufbereitung essentiell.


Warum hat die Reinigung für den Infektions- und Patientenschutz eine so große Bedeutung?


Prof. Dr. Günter Kampf:

Die Durchführung einer wirksamen Reinigung vor der Desinfektion ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen beeinträchtigt organisches und anorganisches Material die Wirksamkeit des Desinfektionsmittels.  Zum anderen sollte bereits der Reinigungsschritt die Keimbelastung so weit wie möglich reduzieren. So ist weithin anerkannt, dass eher die Reinigung als die Desinfektion bzw. Sterilisation den Erfolg der Aufbereitung eines Endoskops bestimmt, obwohl die Reinigung allein die Kontamination nicht auf ein sicheres Maß reduzieren kann. Eine unsachgerechte Reinigung reduziert aber die Wirksamkeit der nachfolgenden Desinfektion.


Welche Rolle spielt die Wahl des Reinigers?


Prof. Dr. Günter Kampf:

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verfahren zur Aufbereitung von flexiblen Endoskopen verändert, mit einem Trend zur maschinellen Aufbereitung. Auch ist die Auswahl an Wirkstoffen für die Desinfektion größer geworden. Seit ca. 50 Jahren  ist Glutaraldehyd der Hauptwirkstoff für den Desinfektionsschritt und wird häufig für die maschinelle Aufbereitung – in Verbindung mit höheren Temperaturen von 50°-60°C  eingesetzt. Auch Formulierungen auf PES-Basis werden zur Desinfektion eingesetzt. Beide Wirkstoffe sind für ihre antimikrobiellen, aber auch proteinfixierenden Eigenschaften bekannt – die kann die Wirksamkeit der nachfolgenden Desinfektion erheblich beeinträchtigen. Ihr Einsatz im Reinigungsschritt wird daher auch vom RKI (KRINKO) nicht empfohlen. Dennoch bewerben einige Hersteller Präparate auf Basis von PES für die Reinigungsphase. Wir haben die wissenschaftliche Literatur im Hinblick auf alle Aspekte der Verwendung von PES-basierten Formulierungen für die Reinigung von flexiblen Endoskopen ausgewertet.


Was haben Sie herausgefunden?


Prof. Dr. Günter Kampf:

Wir haben 243 Studien analysiert, um einen Nachweis auf die Eignung von PES zur Reinigung flexibler Endoskope zu finden. Keine Studie zeigte, dass PES-basierte Reiniger genauso wirksam sind wie herkömmliche Reiniger. Einige Reiniger mit PES wiesen sogar ein deutliches Potenzial zur Biofilmfixierung auf. Angetrocknetes Blut und Nervengewebe wurden durch PES stark fixiert. Bei einigen Ausbrüchen, auch bei solchen mit multiresistenten gram-negativen Krankheitserregern, zeigte sich, dass eine unzureichende Reinigung nicht durch eine Desinfektion mit PES kompensiert werden konnte. Basierend auf unserer sehr umfangreichen Analyse empfehlen wir, keine auf Peressigsäure basierenden Formulierungen für die Reinigung von flexiblen Endoskopen einzusetzen.


Herr Professor Kampf, wir danken für dieses Gespräch.


1. Kampf G, Fliss P, Martiny H (2014).
Is peracetic acid suitable for the cleaning step of reprocessing flexible endoscopes? World J Gastrointest Endosc 2014; 6 (9): 390-406.

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