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Quelle: Wie neue Forschungsergebnisse den Infektionsschutz verbessern“, Berlin, 09.02. 2012, mit Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Prof. Dr. med. Günter Kampf, Director SCIENCE, BODE SCIENCE CENTER, Hamburg und Prof. Dr. rer. nat. Paul-Michael Kaulfers, Leiter Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

EXPERTENGESPRÄCH

Herausforderungen und Perspektiven im Umgang mit Krankenhausinfektionen.

Was sind die größten Herausforderungen in der Krankenhaushygiene und welche Trends zeichnen sich im Infektionsschutz ab? Ein Expertengespräch im Rahmen des vom BODE SCIENCE CENTER ausgerichteten Mittags-Symposiums „Krankenhausinfektionen und Händehygiene – Wie neue Forschungsergebnisse den Infektionsschutz verbessern“, Berlin, 09.02. 2012, mit Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Prof. Dr. med. Günter Kampf und Prof. Dr. rer. nat. Paul-Michael Kaulfers, Leiter Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


500 000 Krankenhausinfektionen jährlich – welcher Patient trägt das höchste Risiko?

Prof. Dr. med. Petra Gastmeier: Die Entstehung nosokomialer Infektionen ist multifaktoriell und hängt u. a. von dem Immunstatus des Patienten, der Art des Eingriffs und der Virulenz der Erreger ab. Eine Device-assoziierte Diagnostik und Therapie, z. B. Katheter, Beatmung oder Dialyse, ist bei allen nosokomialen Infektionsarten ein hoher Risikofaktor, da hier Erregern künstliche Eintrittsmöglichkeiten in den Körper gewährt werden.


Wo liegen die größten Herausforderungen im Kampf gegen nosokomiale Infektionen?


Prof. Dr. med. Petra Gastmeier: Ein Problem stellt die demografisch bedingte, zu erwartende Zunahme invasiver Eingriffe dar, die das Risiko nosokomialer Infektionen weiter erhöhen wird. Darüber hinaus  werden Multiresistenzen bei Keimen weiter ansteigen, vor allem bei gram-negativen Erregern, bei denen das Spektrum wirksamer Antibiotika stark limitiert ist.  

Prof. Dr. rer. nat. Paul-Michael Kaulfers: Diese Beobachtung haben wir auch in unserer Klinik gemacht: Während die MRSA-Inzidenz relativ stabil bleibt, steigt die Zahl resistenter gram-negativer Keime, so genannter ESBL, Keime mit Extended-Spektrum-Beta-Laktamasen, stark an. Typische Vertreter sind Escherichia coli und Klebsiella pneumonaie. Ein weiteres Problem ist das Auftreten von so genannten Nonfermentern wie Pseudomonas und Acinetobacter Species mit einer Resistenz gegenüber Carbapenemen, einer Reserve-Antibiotika-Wirkstoffgruppe. Hier sind die Therapiemöglichkeiten dann erheblich limitiert.


Wie steht Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Staaten da? 

Prof. Dr. med. Petra Gastmeier: Das ist von Infektionsart zu Infektionsart unterschiedlich. Bei den Infektionen in Zusammenhang mit Hüftprothesen, die in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen gehören, haben wir im Vergleich mit 12 europäischen Ländern, gemeinsam mit Finnland, Frankreich und Großbritannien die niedrigste nosokomiale Infektionsrate. Betrachtet man die Zahl isolierter antibiotika-resistenter Keime, steht Deutschland mit durchschnittlichen Raten von 10 - 25 Prozent im Mittelfeld. Ein Drittel der Länder hat beispielsweise MRSA-Raten von über 25 Prozent.


Eine Händedesinfektion kann die Übertragung von Erregern wirkungsvoll unterbinden. Hier gibt es jetzt einen neuen Standard?

Prof. Dr. med. Günter Kampf: Die „Aktion Saubere Hände“ empfiehlt seit Ende letzten Jahres die so genannte eigenverantwortliche  Einreibemethode bei der Händedesinfektion. Diese geht auf unsere Studie zurück, die zeigt, dass die jahrzehntelang empfohlenen Bewegungsabläufe nach der europäischen Prüfmethode EN 1500 bei der Händedesinfektion zu erheblichen Benetzungslücken führen. Dem gegenüber schnitt die eigenverantwortliche Händedesinfektion deutlich besser ab.


Was bedeutet dieser neue Standard für die klinische Praxis?


Prof. Dr. med. Günter Kampf: Unzureichend desinfizierte Handpartien können ein Infektionsrisiko darstellen. Die eigenverantwortliche Einreibemethode als neuer Standard bietet daher in der klinischen Praxis mehr Sicherheit für den Patienten. Dadurch dass der Anwender keine komplizierten Vorgaben mehr beachten muss, wird die Händedesinfektion einfacher und besser. 


Gibt es den einen Schlüssel zur Prophylaxe nosokomialer Infektionen?

Prof. Dr. med. Petra Gastmeier:
 Krankenhausinfektionen können nur mit einer multimodalen Strategie bekämpft werden, die neben Händehygiene-Kampagnen wie die „Aktion Saubere Hände“ auch einen guten Personalschlüssel vorsieht, denn die Personal-Patienten-Relation führt zu signifikanten Unterschieden bei nosokomialen Infektionsraten. Darüber hinaus muss das Thema Hygiene wesentlich stärker in die Aus-, Fort- und Weiterbildung integriert werden.