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Autor: Aghdassi et al. (2020) Quelle: A multimodal intervention to improve hand hygiene compliance in peripheral wards of a tertiary care university centre: a cluster randomised controlled trial. Antimicrob Resist Infect Control (2020) 18;9(1):113.

INTERVENTIONSSTUDIE

Aghdassi et al. (2020)

Verbesserung der Händehygiene-Compliance vor aseptischen Tätigkeiten

Interventionsstudie der Charité Berlin unter aktiver Beteiligung des BODE SCIENCE CENTER

Was wurde untersucht?

  • Die Auswirkungen eines multimodalen Interventionspakets (bestehend aus Team-Meetings inkl. Feedback, Schulungsmaterialen mit Fokus aseptische Tätigkeiten und Desinfektionsmittelspendern) auf die Händehygiene-Compliance, insbesondere vor aseptischen Tätigkeiten.
  • Der Einfluss auf die Rate Device-assoziierter Blutstrominfektionen.


Was war das Ergebnis?

  • Die Händehygiene-Compliance vor aseptischen Tätigkeiten stieg in der Interventionsgruppe signifikant an.
  • Die Compliance-Gesamtrate veränderte sich nicht signifikant.
  • Die Rate Device-assoziierter Blutstrominfektionen war in der Interventionsgruppe niedriger als in der Kontrollgruppe.


Welchen Produktbezug hat die Studie?

  • Als Teil des Interventionspaketes wurden folgende Produkte verwendet: Eurospender 3 flex, HARTMANN-SOPs mit integrierten hygienerelevanten Schritten (SOPs – Standard Operating Procedures), Schulungsfilme, Observe App.

 

Das Etablieren einer multimodalen Intervention mit Fokus auf die Händehygiene vor aseptischen Tätigkeiten kann die Händehygiene-Compliance auf peripheren Stationen verbessern.

Quelle:
Aghdassi et al. (2020) A multimodal intervention to improve hand hygiene compliance in peripheral wards of a tertiary care university centre: a cluster randomised controlled trial. Antimicrob Resist Infect Control (2020) 18;9(1):113.

Hintergrund: Das Einhalten der Händehygiene (HH) ist ein Schlüsselfaktor, um nosokomialen Infektionen vorzubeugen. Daten aus Deutschland weisen auf ein großes Verbesserungspotenzial hin, besonders in der Indikation vor aseptischen Tätigkeiten.


Ziel: Die Studie untersuchte die Auswirkungen eines multimodalen Interventionspakets auf die HH-Compliance in der Tertiärversorgung sowie auf die Rate Device-assoziierter Blutstrominfektionen (BSI).


Methode: Die Cluster-randomisierte, zweiarmige Interventionsstudie fand 2017 bis 2018 an der Charité Universitätsmedizin Berlin statt und schloss periphere Stationen dreier Campusse ein. Von diesen wurden 20 selektiert und in 10 Interventions- und 10 Kontrollstationen randomisiert. Ausgeschlossen wurden Intermediate Care-, Palliativ- und pädiatrische Stationen. Fünf Beobachtungszyklen wurden gemäß Empfehlungen der World Health Organization (WHO) durchgeführt. Gegen den ersten (Baseline) wurden vier folgende, vierteljährlich durchgeführte Zyklen mit ≥150 Beobachtungen (davon ≥30 vor aseptischen Tätigkeiten) verglichen. Das Interventionspaket bestand aus Kick-Off-Meeting, Vierteljährlichem Feedback zum Händehygieneverhalten, Schulungsmaterial (Schwerpunkt auf Händehygiene vor aseptische Tätigkeiten: 10 Schritt-für-Schritt Checklisten für optimierte Arbeitsabläufe (SOPs), die hygienerelevante Schritte integrieren, sowie 2 Schulungsfilme) und gut erreichbaren Desinfektionsmittelspendern (Eurospender 3 flex) an allen Infusionsständern. Die HH-Compliance gemäß der Fünf Momente der WHO wurde durch geschulte Studenten mittels Observe App dokumentiert und durch eine Fachkraft für Infektionskontrolle validiert. Die BSI-Rate (1 BK mit pathogenem Erreger oder 2 BKs mit gewöhnlichen Hautkeimen binnen 5 Tagen; intravenöser Katheter am Tag/Vortag der BK-Abnahme; mind. 3 Tage vorhanden, etc.) wurde 11 Monate während und einen Monat nach der Intervention erhoben.


Ergebnisse: Insgesamt wurden bei durchgehender Teilnahme aller 20 Stationen 21.424 HH-Gelegenheiten und 12.920 HH-Aktionen beobachtet. Während sich die Compliance-Gesamtrate nicht signifikant veränderte, stieg sie vor aseptischen Tätigkeiten in der Interventionsgruppe signifikant von 44 % auf 53 % an (Tabelle 1; p=0,03). Außerdem war die BSI-Gesamtrate pro 1000 Patiententagen in der Interventionsgruppe mit 0,71 signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe mit 1,16 (p<0,01). Der Unterschied war insbesondere auf eine geringere Rate von BSIs, die mit zentralen Venenkathetern assoziiert waren, zurückzuführen (Interventionsgruppe 0,31 vs. Kontrollgruppe 0,71 pro 1000 Patiententage; p<0,01).

Compliance-Rate (%)
Baseline (Zyklus 1)
Intervention (Zyklen 2-5)
Indikation IG 
KontrolleIGKontrolle
Alle
 59596160
Vor Berühren eines Patienten
 56 536056
Vor aseptischen Tätigkeiten
 44 4553*52
Nach Risiko der Exposition mit Körperflüssigkeit
 67 606368
Nach Berühren eines Patienten 71 757170
Nach Berühren der Patientenumgebung 54 555454

Tabelle 1: Compliance-Raten zu Baseline und im Interventionszeitraum. Unterschiede waren nicht signifikant, außer für *(p=0,03); IG=Interventionsgruppe

Fazit: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass auf aseptische Tätigkeiten fokussierendes Interventionsmaterial einen Effekt auf das Händehygieneverhalten vor aseptischen Tätigkeiten hatte und sich in dieser Indikation die HH-Compliance der Interventionsgruppe signifikant verbesserte. 

Die Originalarbeit können Sie hier kostenlos einsehen.