Wir forschen für den Infektionsschutz
  • germs
  • Adenovirus
  • Aspergillus niger
  • Bovine virus diarrhea
  • Clostridium difficile
  • Candida albicans
  • Candida albicans
  • Coronavirus
  • Corynebacterium
  • Escherichia coli
  • Helicobacter pylori

Autor: Rotter M et al. Quelle: Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 19-23

STUDIE

Rotter M et al.

Auswirkungen einer Verkürzung der Anwendungsdauer und der standardisierten Bewegungsabfolge sowie Verringerung des Desinfektionsmittelvolumens bei der hygienischen Händedesinfektion mit 2-Propanol (60 % V/V).

Hintergrund: Die klinische Realität der Durchführung der hygienischen Händedesinfektion und der Wunsch nach einer durch die wissenschaftlichen, mit Krankenhaushygiene befassten Gesellschaften akzeptierten Verkürzung der Desinfektionsdauer auf 15 s – verbunden mit einer entsprechenden Wirksamkeitsprüfung – veranlassten die Autoren die Auswirkungen einer solchen und anderer Verfahrensänderungen im Laboratoriumsversuch gemäß EN 1500 zu überprüfen.


Methode: Anhand des in EN 1500 beschriebenen Referenzdesinfektionsverfahrens mit 2-Propanol 60 % V/V wurden die Auswirkungen folgender Veränderungen auf die bakterizide Wirksamkeit im Vergleich mit dem Ergebnis des normgerechten Referenzverfahrens gemessen: Desinfektionsdauer von 15 und 30 s (bei gleichzeitiger Halbierung des Desinfektionsmittelvolumens); Verminderung der auf die Hände aufgetragenen Volumina des Alkohols auf 1 oder 2 ml versus das in der Wirksamkeitsbestimmung vorgeschriebene Volumen von 3 ml bei einer verkürzten Desinfektionsdauer von nur 15 s; Verringerung des in EN 1500 standardisierten 6-teiligen Bewegungsablaufes beim Einreiben des Desinfektionsmittels auf 5 und 4 Teile, sowie nur 3malige Wiederholung jeden Schrittes bei letzteren anstatt der in der Norm vorgeschriebenen 5maligen.


Ergebnisse: Die Verkürzung der Desinfektionsdauer war mit einer hochsignifikanten Verringerung der mittleren Reduktionsfaktoren (RF) von 4,5 lg bei 60 s auf bis zu 3,5 lg bei 15 s korreliert. Die Reduktion des auf die Hände aufgetragenen Alkoholvolumens bei einer Desinfektionsdauer von 15 s bewirkte eine hochsignifikante Verminderung der mittleren lg RF von 3,5 bei 3 ml auf 2,9 bei 1 ml. Ferner stellte sich heraus, dass selbst bei einem Volumen von nur 1 ml die Trocknungsdauer der Hände unter unseren Versuchsbedingungen im Mittel über 23 s, also mehr als die Dauer der Desinfektion betrug. Die Verkürzung der standardisierten Desinfektionstechnik auf 5 oder 4 Schritte, sowie auf eine Verminderung der Anzahl Wiederholungen jeden Schrittes bei letzteren von fünf auf drei hatte nur geringe Auswirkungen, führte aber bei der 4-Schritt-Sequenz zu einer Verminderung der lg RFs, die es nicht erlaubt, dieses Verfahren als äquivalent dem Standardverfahren zu beurteilen.


Schlussfolgerungen:
Eine zeitliche Verkürzung der hygienischen Händedesinfektion mit 2-Propanol 60 % V/V, verbunden mit einer Halbierung des Desinfektionsmittelvolumens, führt klar zu einer Verringerung des Desinfektionserfolges. Nach dem derzeitigen Wissenstand sollte von einer Verkürzung auf nur 15 s bei der Evaluierung der bakteriziden Wirksamkeit von Produkten nach EN 1500, unabhängig von der Desinfektionspraxis im klinischen Alltag, Abstand genommen werden. Eine Vereinfachung der standardisierten Desinfektionstechnik von sechs auf fünf Schritte scheint bei geringer Wirkungseinbuße möglich zu sein.


Quelle: Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 19–-23